Im Auftrag für die Natur

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Die Natur in der Becherlupe von Dirk Alexander Diehl erklärt: Wie hier in der Harpertshäuser „Aue“ soll die Natur durch Exkursionen Bürgern näher gebracht werden.

Langstadt (mj) ‐ Für Tier- und Naturfreunde war 2009 ein Jahr mit Gegensätzen. Wie ein Blick in die Bilanz von Otto und Dirk Alexander Diehl vom Nabu-Langstadt verdeutlicht. Zum Teil sind beunruhigende Zahlen dabei:

2009 war das schlechteste Eulenjahr seit 1971“, erzählt Otto Diehl. Nur vier erfolgreiche Bruten habe man in der Gegend bei der Schleiereule gezählt, was auch an einem geringeren Mäusevorkommen liegt. Der Rückgang wird besonders am Jahr 1993 deutlich, als man 28 Bruten notierte. „So dramatische Zahlen treffen zum Glück nicht auf alle Tierarten zu“, fährt Sohn Dirk fort.

Positives kann er über die kleine Zangenlibelle berichten, die im vergangenen Jahr zum ersten Mal im Kreis nachgewiesen wurde. Vor allem die verbesserte Gewässerreinhaltung und die guten Strukturen der Gersprenz bei Münster und Hergershausen macht er für deren Erscheinen verantwortlich. Ebenfalls mit großer Freude wurden der Ölkäfer und der geschwänzte Bläuling gesichtet. Beim Bläuling gelang der erste Nachweis dieser Art in Langstadt. Bei den Pflanzen freut sich Diehl über einen verstärkte Präsenz des „Klappertopfes“, ein wichtiger Indikator für artenreiche Wiesen.

Naturschützer machen auch Hausbesuche

Laut des Langstädter Nabu-Vorsitzenden hat der Arten-Nachweis auch 2009 eine wichtige Rolle gespielt. So beteiligten sich die Langstädter am „Bird-Race“. Dabei gilt es, innerhalb von 24 Stunden möglichst viele Vogelarten nachzuweisen. Im Altkreis Dieburg wurden 103 Vogelarten beobachtet, darunter die nicht einfach zu sichtende Waldohreule. Besonders engagierte sich der Vorstand an der Aktion „Stunde der Gartenvögel“. Hier bieten die Naturschützer Interessierten einen Hausbesuch an. Sechs Haushalte nutzten das Angebot, um mit den Experten die Höchstzahl von jeder gesichteten Vogelart festzuhalten: 30 Mehlschwalben, 19 Amseln und 18 Sperlinge wurden in der Spitzengruppe notiert. Für Diehl ein Ergebnis zum Nachdenken: „Der Spatz war einst die Nummer eins, seit geraumer Zeit ist er auf dem Rückzug.“

Um die Bevölkerung zu sensibilisieren, traten die Langstädter 2009 mit verschiedenen Aktionen und Exkursionen an die Öffentlichkeit: Dazu gehörte unter anderem die Teilnahme an der Projektwoche der Markwaldschule oder die Veranstaltung „Natur erleben für Familien“. Auf eine gute Resonanz stieß die Erkundung des Harpertshäuser Hauswäldchen „Aue“.

Tragisches Schicksal eines Schlangenadlers

Beeindruckende Zahlen liegen 2009 für die Auffangstation für Greifvögel, Eulen und Fledermäuse vor, die von den Diehls betrieben wird. Insgesamt verbuchte man 68 Patienten, rund zwei Drittel der Gäste konnte gerettet werden. Von den 31 Fledermäusen kamen die meisten im Dezember als Wintergäste – darunter einige als Katzenopfer. Fortgesetzt wurde die vor zwei Jahren gestartete Aktion „Fledermausfreundliches Haus“, wofür es eine eigene Plakette gibt. Ausgezeichnet werden damit Hauseigentümer, die sich nicht nur mit ihren ungewöhnlichen Gästen arrangieren, sondern diese auch fördern. Die erste Auszeichnung ging nach Hergershausen, die zweite jetzt nach Langstadt.

Von den 32 behandelten Greifvögel der Station, hatte ein Patient ein besonders tragisches Schicksal: Ein junger Schlangenadler kam als illegaler Import aus der Türkei. „Den halten sich dort viele aus Spaß in kleinsten Verschlägen neben ihrem Hühnerstall“, weiß Dirk Alexander Diehl. Völlig fehlerhaft aufgezogen und mit schwersten Deformationen musste Diehl das Tier einschläfern.

Freudiger war das Ergebnis bei drei jungen Turmfalken: Von den Eltern in einem ehemaligen Elsternest in Sickenhofen ausgebrütet, fielen sie bei einem Sturm aus dem Nest. Nicht ungefährlich kraxelte der Naturschützer in die Wipfel der riesigen Birke und platzierte einen Nestersatz. Zwei Jungfalken überlebten den Fall unbeschadet, einer brach sich ein Bein und verrenkte sich einen Nerv. In der Auffangstation wurde er gepflegt und konnte schließlich wieder in die Freiheit entlassen werden.

Quelle: op-online.de

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