Bundeswehr oder Kosmetikstudio

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Etwas für Frauen: Die Berufsfachschule für Kosmetik und Wellness zeigte den Schülern erste Schminktechniken.

Babenhausen - „Oh Gott, keine Ahnung“, lautet die knappe Antwort vom 17-jährigen Kevin. Ob er denn schon wisse, was er nach seiner Schulzeit machen wolle; diese Frage kann er spontan nicht beantworten. Von Daniel Schmitt

„Vielleicht in die IT-Branche“, ist ihm noch zu entlocken, „vielleicht aber auch nur.“ So wie Kevin ergeht es vielen Jugendlichen in der Endphase ihrer Schulzeit. Sie haben noch keinen richtigen Plan für die Zukunft. Aus diesem Grund veranstaltete die Offene Schule in Babenhausen (OSB) gestern bereits zum 15. Mal die sogenannte „Job-Info-Börse“. Seit 1999 präsentieren sich Firmen, Betriebe, Schulen oder Institutionen dort den Schülern.

Von einem Restaurant, über eine Gärtnerei bis hin zu Banken oder dem Magistrat der Stadt: Die Palette der 46 Teilnehmer war breit. „Dieser Tag ist dafür da, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sind. Und das ist nun mal in der Schule“, erklärte Schulleiter Rainer Becker bei seiner Begrüßungsrede die Vorteile für die Firmen.

„Es gibt einen großen Fachkräftemangel“

Babenhausens Bürgermeisterin Gabi Coutandin ging dagegen auf die Vorteile der Schüler ein: „Es gibt einen großen Fachkräftemangel, das ist eine Chance für die Jugend. Welche Ausbildung nach der Schule gewählt wird, ist eine Entscheidung für das Leben.“

Die rund 300 Schüler der neunten und zehnten Klassen der Joachim-Schumann-Schule sowie die Praxis- und Abgangsklassen der Eduard-Flanagan-Schule verteilten sich entsprechend schnell um 9.30 Uhr in die Klassenzimmer. Zehn Firmen luden direkt in ihre eigenen Räume ein. Vorab hatte sich der Nachwuchs schon über die verschiedenen Ausbildungsberufe sowie weiterführenden Schulen informiert. Für den Besuch von drei Angebote reichte die Zeit aus. Dazwischen gab es kurze Pausen, in denen sich alle mit Schnittchen und Getränken stärken konnten.

Agentur für Arbeit und Co.

Neben langjährigen Teilnehmern wie der Landrat-Gruber-Schule in Dieburg, Continental, Barmer, der Sparkasse Dieburg oder der Agentur für Arbeit, die allesamt seit 1999 dabei sind, stellten sich andere Firmen das erste Mal vor. „Es ist ein geiler Job, deshalb mache ich ihn ja auch schon seit 30 Jahren“, pries Ralf Dreßbach vom Verband Farbe, Gestaltung und Bautenschutz in Hessen fünf Schülern an, während diese sich mit dem Pinsel austobten.

Die 15-jährige Christina war eine davon. Eigentlich wollte sie in einen anderen Vortrag, der aber schon voll war: „Da ich gut in Kunst bin, habe ich mich dann hierfür entschieden.“ Für Dreßbach ist das kein Problem. „Ich schaffe schon, die Jugendlichen zu überzeugen.“

Doch nicht jedes Unternehmen ist von der „Job-Info-Börse“ überzeugt. „Es gab auch Firmen, die haben beim ersten Anruf sofort wieder aufgelegt. Da kommt man sich am Anfang ziemlich doof vor, gewöhnt sich mit der Zeit aber dran“, schilderte Jaqueline Weber, die eine von sieben Schülerinnen der Projektgruppe war, die den Tag organisiert hatten.

Unterstützung durch drei Lehrer

Etwas für Männer: Auch die Bundeswehr stellte sich den Jugendlichen vor.

Mit der Unterstützung durch drei Lehrer arbeiteten die Neuntklässler schon seit Anfang dieses Schuljahres auf den 1. März hin. Zwei Stunden in jeder Woche wurden investiert. „Von der Raumplanung bis zu der Kontaktaufnahme der Firmen haben wir fast alles gemacht“, sagte Weber, die ebenso wie ihre Projektkollegen „sehr stolz“ sei, dass der Tag reibungslos verlief. Zur Projektgruppe der Schule zählten neben Weber auch Nadine Leuthe, Lea-Maria Kempf, Alina Klein, Sina Fellner, Alexandra Kneisel und Niklas Wange.

Ansonsten waren für das Gelingen des Tages von der Kinder- und Jugendförderung noch Michael Spiehl und Gisela Preißler sowie von der OSB André Benke, Marcel Weber, Renate Mertens und die beiden Schulzweigleiterinnen Kirsten Mais sowie Barbara Meuer beteiligt.

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Bei der Berufsfachschule für Kosmetik und Wellness schauten gestern rund 40 Interessierte vorbei. „Wir sind bereits zum sechsten Mal dabei, weil wir positive Erinnerungen haben“, erklärte Jasmin Hillenbrand, die selbst an der Berufsschule unterrichtet. Im Anschluss an die vergangene „Job-Info-Börse 2012“ seien zwei Schülerinnen neu hinzugestoßen. „Allein dafür lohnt sich das Kommen“, sagte Hillenbrand, in deren Raum mit einer Ausnahme nur Mädchen saßen. Anders im Klassenzimmer, das der Bundeswehr zur Verfügung stand: Während von Waffen und Schießen die Rede war, hörten zwölf Jungs (und ein Mädchen) mit leuchtenden Augen zu. Die 15. „Job-Info-Börse“ hatte also für alle Geschmäcker etwas zu bieten. Selbst der 17-jährige Kevin gab zu: „Wenn man noch gar keine Idee für seine Zukunft hat, dann hilft dieser Tag schon weiter.“

Quelle: op-online.de

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