Führung rund um die Mutter aller Pyramideneichen

Außergewöhnliches Naturphänomen

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Harreshausen - Mit der „Schönen Eiche“ verfügt der Babenhäuser Stadtteil über ein einzigartiges Natur- und Alleinstellungsmerkmal. Nun hat der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) eingeladen, das Naturwunder bei einer Führung kennenzulernen.

„Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit diesem Baum“, erzählte HGV-Vorstandsmitglied Georg Wittenberger. Dem halben Dutzend Teilnehmer trat er mit einem Büchlein unter dem Arm gegenüber, das aus seiner Feder mit viel Wissenswertem über die „Schöne Eiche“ stammt. Die Erstauflage erschien in den 1980er Jahren. Dass die Pflanze als Wunder angesehen wird, hängt mit ihrem Wuchs zusammen: Die Äste breiten sich nicht wie sonst bei dieser Gattung horizontal beziehungsweise kegelförmig aus, sondern vertikal wie bei einer Pappel. Die Optik erinnert an eine Pyramide, weshalb sie den Namen Pyramideneiche trägt.

Die Führung hielt viel Wissenswertes über die Mutter der Pyramideneichen parat. Die „Schöne Eiche“ (rechts) ist inmitten der vier Linden derzeit kaum noch zu erkennen.

Die Unnatürlichkeit beruht auf einer Mutation. Da dieses Wissen über Jahrhunderte fehlte, war der Baum in seiner mittlerweile 600-jährigen Existenz vielen nicht geheuer. Einige sahen in ihm etwas Göttliches und Heiliges, weshalb Wallfahrer die Rinde zu Heilzwecken verwendeten. „Neben dem Stamm zu stehen ist ein erhabenes Gefühl. Man kommt sich sehr klein vor“, führte Wittenberger an. Vielleicht auch, weil zur gleichen Zeit mit dem Baum das für Babenhausen bedeutende Adelsgeschlecht der Grafschaft Hanau-Lichtenberg wuchs.

Noch ein Wunder: Das Naturphänomen wurde im Lauf der Jahrhunderte nicht gefällt. Einem französischen General ist es im Siebenjährigen Krieg zu verdanken, dass der Brennholzbedarf seiner Soldaten an anderer Stelle gedeckt wurde. Er liebte Bäume und ließ die „Schöne Eiche“ bewachen. Im Zweiten Weltkrieg wäre sie beinahe der Errichtung einer Landebahn zum Opfer gefallen. Doch das Schicksal meinte es gut mit ihr und die Säge kam nicht zum Einsatz. So langsam steht die Eiche nicht mehr auf ganz festen „Füßen“: Der Blitz räumte bereits Teile der Krone aus, dazu macht sich das Alter an vielen Stellen bemerkbar. 1978 und 2002 legten Baumchirugen mit Krampen und Metallverstrebungen Hand an. Trotz hohlem Stamm ist die Rinde soweit intakt, dass der Nährstofftransport funktioniert. Um das Naturdenkmal wurde ein Garten mit vier kleinen Linden errichtet. Mittlerweile sind die Linden so hoch, dass der eigentliche Mittelpunkt durch seine „Leibgarde“ kaum noch zu erkennen ist.

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Georg Wittenberger hofft, dass die „Schöne Eiche“ noch viele Jahre stehen wird. In der Geschichte sorgte man mit Pfropfung – Vermehrung mit abgeschnittenen Ästen – für zahlreiche Ableger, die nach ganz Europa wanderten. Egal wo eine Pyramideneiche steht, lässt diese sich auf den „Stammbaum“ in Babenhausen zurückführen. „Ein anderer Ursprungsort wurde nie gefunden, was unser Exemplar zur Mutter aller Pyramideneichen macht“, sagt Wittenberger. (mj)

Quelle: op-online.de

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