Neuer Blick auf oft banale Dinge

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Die Nachwuchsfotografen mit Annegret Welschke (links), Jugendarbeiterin der Gemeinde Lichtentanne, und Kerstin Frenzel, die für die Jugendarbeit im Landkreis Zwickau zuständig ist.

Babenhausen (pg) - Wassertropfen an einer Wäscheleine, Glutreste in verbranntem Holz, eine Pusteblume in Großaufnahme: Wie faszinierend banale Dinge sein können, zeigen die Fotos der Kinder und Jugendlichen aus der Partnerstadt Lichtentanne, die derzeit im Rathaus zu sehen sind. Von Petra Grimm

Aber die jungen Fotografen beweisen nicht nur ihren Blick für Details, sondern haben auf eindrucksvolle Weise auch Landschaften, Tiere und Gebäude in ihrer Umgebung abgelichtet und die Bilder dann am Computer bearbeitet.

In Schwarzweiß oder herbstlichen Farben zieren rund 80 Fotografien unterschiedlicher Formate die Wände des Babenhäuser Rathauses, wo jetzt zur Vernissage eingeladen war. Dazu war auch eine Delegation aus der Partnergemeinde in zwei Kleinbussen angereist, darunter sieben der insgesamt 15 Fotografen zwischen acht und 15 Jahren und Bürgermeisterin Inge Krauß.

Entstanden sind die Fotos über „den Ort, in dem wir leben“ im Rahmen eines seit September 2010 laufenden Projektes der offenen Jugendarbeit der fast 7 000 Einwohner zählenden Gemeinde am Fuße des Erzgebirges. Bis Januar werden sie in Babenhausen zu sehen sein.

Fachbereichsleiterin Sylvia Kloetzel, die die Ausstellung im Frühjahr in Lichtentanne angeschaut hat, hat die Sache initiiert. „Die Städtepartnerschaften fallen in meinen Fachbereich. Die Kontakte zu Lichtentanne, die bisher hauptsächlich über den Heimat- und Geschichtsverein liefen, sollten wirklich ausgebaut werden. Durch die Fotos können die Babenhäuser den Ort besser kennenlernen und bekommen vielleicht Lust, einmal hinzufahren“, sagte Kloetzel.

Die Partnerschaft solle – auch über die Jugendarbeit und mit Beteiligung der jüngeren Generation - nach vorne gebracht werden, betonte Bürgermeisterin Inge Krauß, die sich für die Einladung bedankte.

So nutzten die Lichtentanner Jugendarbeiterin Annegret Welschke und Kerstin Frenzel, die beim Landkreis Zwickau für die Jugendarbeit zuständig ist, gemeinsam mit Ina Hildwein von der Babenhäuser Kinder- und Jugendförderung die Vernissage, um sich auszutauschen.

Ungewöhnliche Perspektiven und Motive

Bürgermeisterin Gabi Coutandin würdigte die Ausstellung als „fotografische Einladung, das Pleißental zu besichtigen“. Die jungen Fotografen hätten nicht nur die Schönheit der einfachen Dinge dokumentiert, sondern mit ihren Fotos Geschichten ohne Worte erzählt.

Stolz führten die Kinder und Jugendlichen, die während ihres Aufenthaltes gemeinsam in der TVB-Halle schliefen, durch die Ausstellung. „Dieses Foto von mir kann man auch umdrehen“, kommentierte der 13-jährige Alexander Ulrich seine gekonnte Aufnahme eines Tümpels, in dem sich das Schilf und die umgebende Landschaft im Wasser spiegelt. Er fotografiere seit eineinhalb Jahren, erzählte er, „seit mein Opa mir die Kamera geschenkt hat“.

Der eigentliche Impulsgeber für das ganze Fotoprojekt war der gleichaltrige Denny Meyer, ein leidenschaftlicher Fotograf, der bei den Jugendlichen den Spitznamen Paparazzi habe. „Eigentlich mache ich am liebsten Sportfotos“, sagte er, aber für das Projekt habe er sich hauptsächlich Pflanzen und Landschaften vorgenommen.

Auffällig unter seinen Arbeiten sind ungewöhnliche Perspektiven und Motive, bei denen der Betrachter teilweise erst auf den zweiten Blick erkennt, um was es sich eigentlich handelt. So hat er beispielsweise einen alten Waschlappen, aus dem Wasser rinnt, kunstvoll in Szene gesetzt. „Durch Denny sind wir bei einer Ferienfreizeit auf die Idee gekommen, gemeinsam zu fotografieren und schließlich eine Ausstellung zu machen. Inzwischen gibt es rund 5000 Fotos, aus denen die Kinder die ausgestellten Bilder ausgewählt haben, was auch eine Herausforderung war“, sagte die Jugendarbeiterin Annegret Welschke, die die Vorsitzende des Kinder- und Jugendvereins in Lichtentanne ist.

Bevor die Fotoschau jetzt nach Babenhausen kam, war sie bereits im Landratsamt in Werdau, auf Burg Schönfels und der Sparkasse Zwickau zu sehen.

Quelle: op-online.de

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