Ausstellung in der Stadthalle

Keine Angst vor den Achtbeinern

Eine Rotknievogelspinne ließ sich ebenfalls in einem der Terrarien entdecken, die in der Stadthalle ausgestellt waren. - Foto: Just

Babenhausen - Langsam krabbelt das behaarte Tier mit den acht Beinen den Arm des Jungen hoch, der dafür seinen Pullover hochgekrempelt hat. Je mehr sich die Vogelspinne dem Oberarm nähert, je weiter zieht der Zwölfjährige seinen Kopf zurück und verrät ein scheinbares Unbehagen.

Kurz darauf lässt ein kleines Mädchen gegenüber dem Gliederfüßer jegliche Berührungsängste vermissen: Neugierig und fast freudig kann sie es kaum erwarten, bis die Vogelspinne auf ihrer Hand sitzt und sich bewegt. Ein Tier auf die Hand nehmen, bei dessen Anblick sich den meisten Personen die Nackenhaare aufstellen – das war bei der großen Spinnen- und Insektenausstellung in der Babenhäuser Stadthalle nicht nur erlaubt, sondern fast gewünscht. „Wir wollen damit auch unbegründete Ängste nehmen“, erzählt Sergio Neigert, der hinter der Veranstaltung steht. Nur das Fotografieren war zu unterlassen, um laut der Vorgabe eines Veterinärs die nachtaktiven Tiere nicht zu erschrecken.

Neigert machte vor zehn Jahren ein Praktikum bei einer Reptilienausstellung. Dort entstand seine „exotische Leidenschaft“. Mittlerweile tourt der junge Mann mit Vogelspinnen hauptberuflich durch die Republik und lebt von Eintrittsgeldern (sieben Euro für Erwachsene, fünf für Kinder) sowie dem Verkauf vom Gummi-Kopien auf einem großen Andenkentisch.

Rund 40 Terrarien mit verschiedenen Vogelspinnen

Auch lebende Exemplare lassen sich erwerben. Für den Transport gibt es einen großen, beheizten Anhänger, denn Neigerts Lieblinge mögen es warm und feucht. Nur im Hochsommer macht er ein paar Wochen Pause. Die Terrarien stehen dann im großen Keller im Haus des Vaters. Viele Besucher wollten neben Fragen zu den Krabblern auch wissen, was den Besitzer so an seinem „Beruf“ fasziniert. „Mich haben schon immer Tiere interessiert, die bei Menschen ein mulmiges Gefühl auslösen“, lautet die Antwort. Daraus sei ein „Fetisch für Spinnen“ entstanden aber auch das Ziel, Ängste zu nehmen. So revidiert Neigert jedes Wochenende an einem anderen Ort das Vorurteil, dass Vogelspinnen, wie in Tarantula-Filmen, tödlich beißen können. „Nur bei Allergikern stellen Spinnengifte eine ernsthafte Gefahr dar. Der Biss ist aber trotzdem schmerzhaft und ungefähr zehnmal so stark wie der Stich einer Biene“, weiß der Experte. Treffen die sogenannten Bombardierhaare einer Vogelspinne, die diese von ihrem Hinterleib aus zu Abwehrzwecken einsetzt, auf die menschliche Haut, hilft kein Abwaschen mehr.

Rund 40 Terrarien mit verschiedenen Vogelspinnen waren in der Stadthalle platziert, dazu weitere Behältnisse mit Skorpionen oder Tausendfüßlern. Seine Sammlung hat der 26-Jährige mit anderen Züchtern durch Tausch und Kauf aufgebaut, denn der Import ist aus Schutzgründen meist verboten. Mit seiner Nachzucht leistet Neigert auch einen Beitrag zum Artenschutz, denn Organisationen setzen gefährdete Arten, die er züchtet, in den Tropen wieder aus. Je nach Gattung bringt ein Gelege 150 bis 200 Eier. So viele Spinnen muss er aber nicht großziehen. Das Problem erledigt sich meist von alleine, da Vogelspinnen Kannibalen sind. „Nur ganz wenige Arten lassen sich in Gruppen halten“, erzählt der Fachmann.

Spinnenausstellung in Babenhausen

Zu den Besuchern gehörte auch Lena Kurbel aus Altheim, die unbedingt ein Exemplar auf die Hand nehmen will. Anschließend stellt sie überrascht fest: „Es fühlt sich so flauschig an, ganz anders als vorgestellt.“ Die Tiere begeistern sie, weil so viele Arten existieren: 900 beschriebene Arten in 116 Gattungen liegen bisher vor.

mj

Quelle: op-online.de

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