Territorialmuseum

Der Hölzerlips in voller Größe

Babenhausen - Das Babenhäuser Territorialmuseum bietet nicht nur interessante Ausstellungsstücke und Relikte aus vergangenen Zeiten: Zu den meisten finden sich der Amtsgasse 32 auch Begebenheiten, die von abenteuerlich über spannend bis unglaublich reichen. Von Michael Just 

In der Nacht zum 1. Mai 1811 geschah an der Bergstraße bei Hemsbach Schlimmes: Gegen 2 Uhr wurde die Kutsche der Schweizer Kaufleute Jakob Riether und Rudolf Hanhart von einer Räuberbande angehalten und ausgeraubt. Die Bande schlug Riether dabei so zusammen, dass er vier Tage später an seinen Kopfverletzungen erlag. Rudolf Hanhart wurde bewusstlos, was ihm das Leben rettete.

Für den Überfall wurde die Hölzerlips-Bande beschuldigt, die vom Taunus bis Heidelberg und von Koblenz bis Lohr agierte. Der Name „Hölzerlips“ ist von ihrem Anführer Georg Philipp Lang hergeleitet. Ein Teil seines Vornamens, und dass er vorher mit Holzwaren zu tun hatte, steckt darin. Die Mitglieder der Bande kamen nicht aus Babenhausen, jedoch versteckten sie bevorzugt in der Ziegelhütte vor Sickenhofen ihre Beute. Dazu verübten sie zwischen Babenhausen und Dudenhofen einen weiteren brutalen Überfall.

Im Territorialmuseum hat man den Überfall auf die Schweizer Kaufleute mit Zeichnungen vom Tatort nachgestellt. Anders als beim Schinderhannes, dessen Bande immer aus den gleichen Mitgliedern bestand, setzten sich die Kumpanen von Lang für jede Straftat neu zusammen. Nach dem Teilen der Beute flüchteten sie in alle Richtungen. Bedingt durch die damalige Kleinstaaterei in Deutschland waren die Missetäter nur schwer zu fassen.

Das Babenhäuser Territorialmuseum

Ausgerechnet in Sickenhofen wurde dann doch das Ende der Hölzerlips-Bande eingeläutet. Darüber hat auch der Babenhäuser Unternehmer Dieter Aumann ein Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel: „Die Ziegelhütte von Babenhausen und die Ergreifung der Hölzerlips-Bande.“

Am 4. Mai 1811, kurz nach dem Überfall an der Bergstraße, sahen Kinder, wie sich Vagabunden an der Ziegelhütte herumtrieben. Sie liefen nach Hause und erzählten davon. Der Sickenhöfer Schultheiß handelte schnell und mutige Männer machten sich auf. Veith Krämer konnte man festnehmen, da er sich beim Flüchten von seiner Beute vom 1. Mai nur schwer trennen wollte. Es folgten Verhöre in Babenhausen und in Darmstadt. Darin verriet er die Namen seiner Kameraden. Dank der zügigen und erfolgreichen Ermittlungen von Richter Brill aus Darmstadt sowie Stadtdirektor Pfister aus Heidelberg wurden fast alle Tatverdächtigen gefasst.

Sie gehörten zu den fast 150.000 Vagabunden und Landstreichern zwischen Main und Alpen, deren Not die Napoleonischen Kriege schufen. Immer wieder wurden Väter für Kriegsdienste eingezogen, die Kinder und Frauen ohne Ernährer hinterließen. Das Auferlegen von Geldleistungen für den Krieg sorgte dafür, dass viele Menschen in die Kriminalität abrutschten. „Wir waren keine geborenen Verbrecher. Schuld war die Armut, denn ohne Wohnsitz und Essen tat mancher das, was er sonst nicht getan hätte“, ist von Georg Philipp Lang überliefert. Den Tod anderer Menschen rechtfertigt das aber nicht. So verkündete das Heidelberger Blutgericht am 31. Juli 1812 die Urteile: Hölzerlips, Manne Friedrich, Kramer Mathes und Veit Krämer erhielten die Todesstrafe durch das Schwert. Andreas Petry, der damals erst 18 Jahre alt war, und Sebastian Lutz wurden aufgrund ihrer Jugend und Unerfahrenheit zu lebenslanger Haft begnadigt.

Quelle: op-online.de

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