„Woran das Herz schon immer hing“

Ausstellung mit Willi Seiberts Impressionen

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Kunstbegeisterte und Kollegen kamen zur Ausstellungseröffnung von Willi Seiberts Werken ins Territorialmuseum. Georg Wittenberger hielt die Laudatio, die voller Begeisterung war, stellvertretend für seine erkrankte Ehefrau.

Babenhausen - Die Ausstellung „Heimatliche Impressionen“ mit acht Gemälden des Hergershäuser Künstlers Willi Seibert ist seit Samstag im Territorialmuseum zu sehen. Von Petra Grimm 

Zur gut besuchten Vernissage hatte der Heimat- und Geschichtsverein eingeladen, der mit Seiberts Werken seine erste Präsentation in diesem Jahr aufgebaut hatte. Rund 40 Kunstfreunde fanden sich zur Ausstellungseröffnung in den historischen Mauern des Museums ein, um die Gemälde zu betrachten, auf denen Spargelfelder, der Hergershäuser Angelteich, historische Gebäude, aber auch der Schlauchturm der Babenhäuser Feuerwehr zu sehen ist. Eine einfache Abbildung der Realität findet man bei Willi Seiberts Arbeiten allerdings nicht. Seine Motive sind, in gegenständlich bis kubistisch abstrahierendem Stil gemalt, auf besondere Weise inszeniert.

Der Babenhäuser Zeichner Helmut Pfau sagte im Gespräch: „Mir gefällt an seinen Arbeiten besonders die Form- und die Farbgebung. Man erkennt sofort das Motiv und es sind Farben, die in der Wirklichkeit gar nicht vorkommen. Wenn man ein Bild von Willi sieht, erkennt man sofort "das ist ein Seibert‘. Denn er hat einen sehr konsequenten Stil.“ Pfau brachte mit seinem Lob das wirklich bemerkenswerte an Seiberts Arbeiten hervorragend auf den Punkt.

Eines der neuen Werke fand den Weg direkt in die Ausstellung: der Hergershäuser Fischteich, gemalt in Seiberts typischen Stil.

Die überwiegend in Acryl, gelegentlich auch in Öl gemalten Bilder bestechen durch klare, großzügige und reduzierte Formen und meist gedeckte, warme Farben. Unter den Motiven, sowohl bei der Ausstellung als auch im Gesamtwerk, dominieren Gebäude in der Landschaft, deren markante, oft übersteigerte Linien das Gemälde strukturieren. Details, wie Fenster oder Giebel, lässt der Maler weg. So kommt die Form der Bauwerke, oft im Kontrast zur weichen Landschaft, besser zur Geltung.

Der gebürtige Hergershäuser, Jahrgang 1940, hat sich erst nach seiner Pensionierung im Jahr 2003 dem seit Kindertagen geliebten Hobby voll und ganz hingegeben. Denn in der Zeit, in der seine Generation aufgewachsen ist, wurde man nicht einfach Künstler von Beruf. Zumindest nicht, wenn es zuhause einen elterlichen Landwirtschaftsbetrieb zu führen galt. Nachdem der gelernte Landwirt den Hof 1967 aufgegeben hatte, weil er unrentabel geworden war, arbeitete er bis zu seiner Pensionierung bei einer gesetzlichen Krankenversicherung.

Im Ruhestand widmete er sich dann intensiv der Malerei. Er bildete sich durch ein Seniorenstudium an der TU Darmstadt, in Mal- und Zeichenkursen des Fachbereichs Architektur bei Professor Horst Böhme, weiter. Das gemeinsame Arbeiten und den Austausch mit anderen Kunstschaffenden empfand er als befruchtend. Die Kontakte pflegt er bis heute. Außerdem besuchte Seibert verschiedene Workshops der Sommerakademie in Kronach.

Welches künstlerische Potenzial über die Jahre in dem bescheiden auftretenden Mann geschlummert hat, lässt sich zumindest ansatzweise beim Betrachten seiner Bilder erahnen. Den Konflikt zwischen künstlerischem Streben und Brotberuf thematisierte auch die Laudatio von Ute Wittenberger, die am Samstag jedoch erkrankt war, sodass die Lobrede von ihrem Ehemann Georg Wittenberger, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, im Wortlaut vorgetragen wurde: „Willi Seibert gilt uns, meinem Mann und mir, als Beispiel für einen gelungenen Lebenslauf, denn er hat es verstanden, nach vielen Jahren der Arbeit für die Existenzsicherung und den Broterwerb nach seiner Pensionierung sich dem zuzuwenden, woran das Herz schon immer hing: der Malerei, dem Künstlertum.“ In der Rede wurde außerdem auf Berührungspunkte mit dem bekannten, deutschstämmigen Künstler Lyonel Feininger hingewiesen, der von Seibert als eines seiner Vorbilder genannt wird.

Sie erwähnte in der Rede zum einen den regen Austausch unter Künstlerkollegen an, der auch für Feininger eine wichtige Bedeutung hatte, sowie die Motivwahl. „Feininger lebte und starb in New York, er ließ es sich aber auch Zeit seines Lebens nicht nehmen, die ländlich-dörfliche Landschaft seines geliebten Thüringens zu malen, wo er aufwuchs. Heimat und dörfliche Landschaft sind die Sujets von Willi Seibert. Er hat seinen eigenen, nicht alltäglichen Blick darauf, was Formgebung und Farbigkeit betrifft. Folgen Sie diesem Blick und lassen Sie sich von der Darstellung der Heimat verzaubern“, so lautete die Laudatio von Ute Wittenberger.

Die Ausstellung „Heimatliche Impressionen“ ist noch bis 24. Juni im Territorialmuseum, Amtsgasse 32, zu sehen.

Quelle: op-online.de

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