„Signal muss von der Stadt kommen“

B26: Südtangente oder Kreisel-Tunnel-Idee?

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Die von den beiden Architekten Kurt Schlösser und Michael Riegelbeck erarbeitete und vor einem Jahr präsentierte Alternative zur Südumgehung: Aus der Kreuzung der B26 mit der unter den Bahngleisen hindurch führenden Hindenburgstraße wird ein Kreisel. Der Verkehr in West-Ost-Richtung – Darmstadt-Aschaffenburg – fährt unter diesem hindurch (rot gepunktet). 

Babenhausen - Vor ziemlich genau einem Jahr sind die beiden Babenhäuser Architekten Kurt Schlösser und Michael Riegelbeck mit einer verkehrs-technischen Revolution an die Öffentlichkeit gegangen. Von Norman Körtge 

Statt eine Ortsumfahrung zu planen, den B26-Knotenpunkt an der Bahnunterführung in einen Kreisverkehr mit Tunnel umbauen. Was hat sich in den vergangenen zwölf Monaten getan? „Der Magistrat der Stadt Babenhausen wird beauftragt, beim hessischen Verkehrsminister als zuständige Behörde anzuregen, dass die Verkehrssituation auf der B26 innerhalb der Ortsdurchfahrt durch Umbau der belastenden Knotenpunkte B26 vor der Bahnunterführung sowie an der Einmündung der Schaafheimer Straße verbessert wird. Der Minister wird gebeten, Hessen Mobil unabhängig vom Bundesverkehrswegeplan auf der Grundlage der hier gemachten Vorschläge mit der Planung zu beauftragen.“ Kurt Schlösser und Michael Riegelbeck legen noch einmal nach. Die beiden Architekten des Babenhäuser Architekturbüros SAM haben eine Beschlussvorlage für die Stadtverordnetenversammlung formuliert. Denn ein gutes Jahr, nach dem sie erstmals den Fraktionsvorsitzende und Bürgermeister Joachim Knoke ihr ausgearbeitetes Verkehrskonzept präsentiert hatten, ist so gut wie nichts passiert.

Deshalb nun die Hilfestellung. Schlösser hat aber auch Verständnis für die Kommunalpolitiker: Die schwierige Haushaltssituation und die umfangreichen Beschlüsse zur Kasernenkonversion hätten Kapazitäten gebunden. Aber gerade jetzt, nachdem der Bund endgültig grünes Licht für den Verkauf des Kasernenareals gegeben hat und es demnächst mit der Umwandlung in ein Wohn-, Kreativ- und Gewerbequartier losgehen wird, müsse auch das Lösen der Verkehrsprobleme auf der angrenzenden Bundesstraße in Angriff genommen werden (siehe auch Infokasten. Eines macht Schlösser aber deutlich: „Ich denke, dass ich jetzt an einen Punkt gekommen bin, an dem ich sage: Ich habe genug gemacht. Jetzt müssen andere ran.“

In der Tat haben er und sein Mitstreiter Riegelbeck eine – nach ihren Erkenntnissen und Nachforschungen – machbare Alternative für ein bereits seit Jahrzehnten bekanntes Verkehrsproblem aufgezeigt. Vor allem im Berufsverkehr stauen sich die Autos vor der ampel-geregelten Kreuzung über mehrere 100 Meter zurück. An schlimmen Tagen fast bis nach Sickenhofen. Statt auf die ebenfalls seit Jahren in der Diskussion befindliche Südumgehung zu setzen, soll der innerstädtische Knotenpunkt an der Bahnunterführung in einen Kreisel umgebaut werden. Ein darunter liegender Tunnel würde dafür sorgen, dass der Verkehr Richtung Darmstadt beziehungsweise Aschaffenburg ungehindert fließen könnte. Im erweiterten Konzept wird auch der Kreuzungsbereich mit der Schaafheimer Straße in einen Kreisverkehr umgebaut.

Bürgermeister Joachim Knoke ist nach wie vor angetan von dem Konzept, zumal – vorausgesetzt das Vorhaben ist finanzierbar und bautechnisch wirklich realisierbar – diese innerstädtische Lösung eventuell sogar schneller machbar wäre als die Ortsumgehung.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Zu dieser sogenannten Südtangente, die hinter dem Sickenhöfer See abzweigen könnte, entlang der Gewerbegebiete und des ehemaligen Kasernengeländes führt, bis sie wieder auf die ursprüngliche B26 trifft, hat der Rathaus-Chef erst jüngst eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin macht er sich dafür stark, dass die auch bereits vor Jahren von der Stadtverordnetenversammlung favorisierten Maßnahme, im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) wieder höher priorisiert werde. Wie berichtet, läuft im aktuellen und bis 2030 laufenden BVWP die Ortsumgehung Babenhausen nur noch unter „weiterer Bedarf“. Ein Planungsbeginn für die zirka 3,8 Kilometer und geschätzt 17,1 Millionen Euro teure Trasse gibt es nicht. Für eine zeitnahe Umsetzung wäre eine Eingruppierung unter „vordringlicher Bedarf“ notwendig. Das Wachstum der Rhein-Main-Neckar-Metropolregion habe auch Babenhausen erfasst, schreibt Knoke und hebt damit die Bedeutung der B26 als Ost-West-Verbindung hervor.

Den beiden Bundestagsabgeordneten aus der Region Patricia Lips (CDU) und Jens Zimmermann (SPD) ist die Verkehrsproblematik auf Nachfrage wohl bekannt. Positiv ist für Zimmermann, dass die Ortsumfahrung im Bundesverkehrswegeplan drin ist. Fakt sei aber auch, dass in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich nichts passieren werde. Dann werde eventuell nachjustiert. Da es nun mit dem Kasernengelände vorangehe, gebe dies dem Projekt neuen Schub, hofft er. Er wünsche sich außerdem eine Machbarkeitsstudie für die Kreisellösung, wenn denn Hessen Mobil Planungskapazitäten freibekäme. Die sehe auch CDU-Abgeordnete Lips gerne, da sie sich als verkehrsplanerische Laiin nicht vorstellen könne, wie der Verkehr in der Bauphase umgeleitet werden könnte. Wichtig sei aber vor allem eines: „Das Signal muss von der Stadt kommen.“ Bedeutet: Die Babenhäuser müssen formulieren, was sie wollen.

Kurt Schlösser und Michael Riegelbeck haben als engagierte Bürger dafür nun einen Vorschlag unterbreitet und an die Fraktionen und die Stadt weitergeleitet.

Quelle: op-online.de

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