Historiker legt Erkenntnisse dar

Schloss zeigt sich als wehrhaft

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Der Esslinger Historiker Dr. Christian Ottersbach hatte neue Informationen zum Schloss parat.

Babenhausen - Der alte Vorstand ist auch der neue. Das erbrachte die jüngste Jahreshauptversammlung der Schlossfreunde Babenhausen in der Keglerklause. Demnach bleibt Manfred Lautenschläger erster Vorsitzender und Klaus Mohrhardt sein Stellvertreter. Von Michael Just

Günter Blickhan bekleidet weiterhin das Amt des Geschäftsführers. Im Beirat sitzen Kurt Schäfer sowie Karin und Heinz Lach. Nicht zuletzt durch die beitragsfreie Mitgliedschaft zählen die Schlossfreunde derzeit rund 90 Mitglieder.

„Wir wollen auch weiterhin Ansprechpartner und Mittler zwischen Schlossbesitzer, der Stadt sowie den Bürgern sein“, erklärte Lautenschläger zur Bestimmung des Vereins. Derzeit sei man für viele die einzige Anlaufstelle, um Näheres über die Entwicklung des geschichts-trächtigen Gebäudes zu erfahren. Die besten Kontakte zu den neuen Schlossbesitzern hält zweiter Vorsitzender Klaus Mohrhardt, der regelmäßig neue Informationen über den Stand der Bauarbeiten hin zu einem Luxushotel erhält. Wie die Hauptversammlung zeigte, wollen die Schlossfreunde ihren Mitgliedern sowie den Bürgern immer wieder Interessantes bieten. „Schließlich ist unser Schloss vor allem durch die derzeitige Sanierung das am besten erforschte Objekt aller Bauten der Grafen zu Hanau-Lichtenberg“, weiß Lautenschläger.

Unbekannte Erkenntnisse

Konnten die Schlossfreunde 2011 trotz der Bauarbeiten eine Schlossführung organisieren, gewannen sie in diesem Jahr Dr. Christian Ottersbach von der Deutschen Gesellschaft für Festungsforschung zu einem Vortrag. Bei der Jahreshauptversammlung gab er einen einstündigen Einblick in seinen Arbeitsbericht „Die Burgen und Schlösser der Herren und Grafen von Hanau“. Vor allem aus dem Marburger Archiv konnte der Mann aus Esslingen bisher noch unbekannte Erkenntnisse über das Babenhäuser Schloss gewinnen. „Die Grafen von Hanau waren ambitionierte Bauherren, zumindest beim Wehrbau. Hier waren sie immer auf der Höhe der Zeit, wie die Befestigung des Schlosses in Babenhausen oder der Ausbau von Schloss und Stadt Hanau zur Festung im 16. Jahrhundert demonstrieren“, sagte Ottersbach.

Die neuesten Erkenntnisse des Historikers zeigen vor allem die Wehrhaftigkeit von Babenhausen auf, wie eine Inventarliste von 1458 verrät. Die verzeichnet 34 neue Hakenbüchsen, 37 neue kupferne Handbüchsen sowie 25 alte Handbüchsen aus Eisen. Mit dem Begriff „Büchsen“ sind nicht Hand- oder Jagdwaffen, sondern mehr oder weniger große Geschütze gemeint. 1467 zeigte das Inventar, dass Babenhausen erneut aufgerüstet hatte: Es nennt nun auch gröberes Geschütz, für das man Aufstellungsfläche benötigte, nämlich vier eiserne Steinbüchsen (Kanonen), zwei Schirmbüchsen und zwei Schlangen. Hinzu kamen zwei Vogler, insgesamt 31 Hakenbüchsen und 53 Handbüchsen.

Als Zündmittel diente Pulver, das in Fässchen gelagert wurde. Für die Geschütze dürften zudem nicht wenige Kugeln und Büchsenpfeile bereit gehalten worden sein, außerdem Salpeter und Schwefel zur Herstellung von weiterem Schießpulver und Blei zum Kugelgießen. „So steht fest, dass in Babenhausen eine der frühesten Festungen für Feuerwaffen in Süddeutschland entstand. Möglicherweise machte das Beispiel Babenhausens andernorts Schule“, so Ottersbach.

Quelle: op-online.de

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