Im „Exil“ aufs neue Jahr anstoßen

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Viele Babenhäuser lassen sich am Silvesterabend - wie Tisch 21 - nicht mehr in Babenhausen sondern in Münster finden.

Babenhausen/Münster - Manchmal hilft nur auswandern. Das muss in diesem Fall nicht über den großen Teich oder gar für immer sein, aber doch zumindest für diesen speziellen Abend. Denn Silvester ist schließlich keine Nacht wie jede andere. Von Michael Just

Nachdem schon seit Jahren zum Jahreswechsel keine Angebote mehr im Babenhäuser Veranstaltungskalender zu finden sind, hat sich für viele Bürger eine Alternative aufgetan, jenseits der Stadtgrenze zu feiern: Beim Silvester-Ball der FSV Münster. Dort war am Samstagabend wie jedes Jahr auch Hannelore Brenner mit ihrem Mann Alfred zu finden. Auf 50 bis 80 Personen schätzt sie den „Treck“, der mittlerweile am Silvesterabend von Babenhausen in die Münsterer Kulturhalle pilgert. „Wir kamen 1998 zum ersten Mal“, erzählt die 63-Jährige, die beim Turnverein die Fahrten der Thermalbadgruppe organisiert. Seit sie den Ball kennt, will sie nirgendwo anders das Glas aufs neue Jahr erheben.

Ein Wiedersehen mit den „Happy Singers“, einst fester Bestandteil des Fastnachtsrummels beim TV Babenhausen, gehören ebenfalls zum Silvesterball.

Das rund 280-köpfige Publikum ist nicht zu jung, die Dame trägt meist Abendkleid, der Herr nicht selten Fliege. Neben dem gediegenen und stilvollen Ambiente bekommt die Live-Musik der „Happy-Singers“ von den rund 280 Gästen das größte Lob. Die sind in Babenhausen keine Unbekannten: Als der TV früher noch seinen Fastnachtsrummel hatte, sorgte die Münsterer „Kapelle“ - so nannte man früher eine „Band“ - für ausgelassene Stimmung. „Die Polonaise ging bis auf den Parkplatz der Michelsbräu“, erinnert sich Brenner. Das ist schon einige Jahrzehnte her, und so ist es kaum zu glauben, dass die „Happy Singers“ 2012 ihr 40-jähriges Bestehen begehen.

Drei Jahrzehnte lange Silvester-Ball-Geschichte

Auf eine drei Jahrzehnte lange Silvester-Ball-Geschichte kann auch die FSV blicken, die die Veranstaltung zu weiten Teilen in Eigenarbeit stemmt. Rund 35 Helfer unterstützen dieses finanziell wichtige Zubrot für die Vereinsarbeit, darunter die 83-jährige Lisbeth Grezo. In der Küche steht sie seit Jahren an der Spülmaschine für die einzelnen Buffet-Gänge. „Spülen ist mein Hobby“, sagt die rüstige Rentnerin lachend zu ihrem Einsatz.

Reinhard Weitzel gehört mit zu den ersten Babenhäusern, die nach Münster kamen. Damals, vor rund 15 Jahren, wurde noch nicht in der Kultur- sondern in der viel kleineren FSV-Halle gefeiert. Das Angebot las er in der Zeitung. Danach verbreitete er in Babenhausen den Tipp, dass es sich lohnt, die Silvesterparty bei den Nachbarn zu verbringen. Karin Geißler erfuhr davon, wie sie schmunzelnd erzählt, von ihrer Fleischerfachverkäuferin. Das ist sechs Jahre her. Mit ihrem Mann Hans schätzt sie neben der „gut tanzbaren Musik“ jene Atmosphäre, wie man sie auch beim Babenhäuser „Ball der Vielharmonie“ finde.

„Der Jahreswechsel ist nirgendwo so gut wie hier“

Auch wenn diesmal der neue Caterer beim Buffet nicht alle Wünsche erfüllte, sind sich fast alle Babenhäuser einig: „Der Jahreswechsel ist nirgendwo so gut wie hier.“ Wie groß die Gästeschar aus der Gersprenzstadt in den letzten Jahren angewachsen ist, lässt sich auch daran erkennen, dass man mittlerweile von „Sickenhöfer - “ oder „Hergershäuser Tischen“ spricht.

Und noch eine andere, fast logische Konsequenz kommt hinzu: Bei diesen Scharen lohnt sich bereits die Fahrt mit dem eigenem Großraumgefährt: So lässt sich eine Gruppe nach erfolgtem Rutsch stets um halb drei mittels bestelltem Bus nach Hause bringen.

Quelle: op-online.de

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