Krokusse sind noch irritiert

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Die Gartenzwerge sind gut gelaunt. Sie duschen in Babenhausen mit bester Trinkwasser-Qualität.

Babenhausen - Die Krokusse scheinen noch etwas verwirrt: Sollen sie dem Sonnenschein an diesem Morgen trauen? So richtig wollen sie jedenfalls noch nicht aufgehen – blühende Landschaften sehen anders aus. Von Jens Dörr

Ein Mann geht vorbei und merkt an, vergangenes Jahr um diese Zeit habe er schon Zwiebeln gesetzt und Erbsen gelegt. Die meisten derjenigen, die sich vorgestern gegen 10 Uhr in den Kleingärten an der Platanenallee im Babenhäuser Westen aufhalten, haben dann auch eher den Schlendergang drauf als alle Hände voll zu tun. So richtig loslegen könne man angesichts der Witterung noch nicht, merkt auch Reinhold Kruschina an und blickt gen Norden, wo sich der Hexenturm erhebt. „Vielleicht wird’s nach Ostern besser“, hofft er. Die Freunde des gepflegten Grüns stehen schon seit Wochen in den Startlöchern, ohne dass der Schuss fällt.

Erneut zum ersten Vorsitzenden gewählt: Reinhold Kruschina, der selbst keinen Garten in der Anlage gepachtet hat.

Kruschina ist der Erste Vorsitzende des Kleingartenvereins 1923 Babenhausen, schon seit 2008. Am Samstag wählten ihn die Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung aufs Neue zum ersten Mann im Verein, der 93 Mitglieder zählt. 68 Kleingärten befinden sich auf dem zweieinhalb Hektar großen Areal. Alle, die dort säen, ernten, grillen und einen durchaus geraumen Teil ihrer Freizeit verbringen, sind Vereinsmitglieder. Hinzu kommen einige Passive – wobei das etwa auf Kruschina, der selbst keinen Kleingarten bewirtschaftet, nicht zutrifft. Er ist einer der Kümmerer, denkt ans große Ganze der Welt zwischen Laube, Rasen und Fußweg, kennt aber auch die Details, die nicht selten teuflisch sind.

Satzung und Vorgaben

Das gilt für das, was im Bundeskleingartengesetz niedergeschrieben steht, aber auch für die Satzung und Vorgaben des eigenen Vereins. Der Kleingartenverein Babenhausen hat das Gelände vom Land Hessen gepachtet und verpachtet Teilgrundstücke wiederum auf eigene Faust an die Vereinsmitglieder weiter. 13 Cent pro Quadratmeter und Jahr würden in Babenhausen fällig. „Woanders sind die Anlagen mit bis zu 400 Gärten größer und die Preise höher“, weiß Kruschina und denkt in der Region zum Beispiel an die Anlagen in Aschaffenburg oder Neu-Isenburg.

In der Region habe es sich schon herumgesprochen, dass in Babenhausen eine schöne, nicht zu große und preislich faire Anlage bestehe. Der ein oder andere komme aus dem Raum Aschaffenburg. „Zu 80 Prozent sind es aber Babenhäuser, die Gärten bei uns haben. Meist leben sie in Mietwohnungen und haben keine Grünfläche vor der Haustür.“ Ergo ziehe es sie vor die Tore der Stadt.

Klare Regeln

Dort herrschen klare Regeln, die aber in ihrer scheinbaren Stringenz fast immer einen Sinn ergäben. „Ein Drittel des Gartens darf als Freizeitbereich genutzt werden, die beiden anderen Drittel sollen bewirtschaftet werden“, nennt Kruschina ein Beispiel. Kleingärten sollen nicht zur reinen Spielwiese verkommen. Obgleich es auch in Babenhausen Pächter gebe, die sich mehr schlecht als recht um ihr Gelände kümmerten, vor allem zum Grillen kämen.

Die meisten allerdings pflegten ihr Gelände indes ordentlich – und richteten sich auch schön in ihrer Laube ein, die obligatorisch in jedem der Gärten zu finden sei. Maximal 24 Quadratmeter groß dürfe eine Laube sein, so Kruschina. Pflanzen dürfe man ebenfalls nicht alles –Walnussbäume oder Zierkirschbäume etwa seien in der Regel verboten. Ihre Wurzeln könnten bis in Nachbargärten hineinwachsen.

Oster- und Frühlingsbilder unserer Leser

Frühlingsbilder unserer Leser

In diesem Jahr feiert der Kleingartenverein Babenhausen sein 90-jähriges Bestehen. Wobei es „feiert“ nicht ganz trifft – die gemeinsamen großen Sausen gehören vorerst der Vergangenheit an. „Zum Mitfeiern kämen zwar genügend, die Arbeit würde aber auf wenigen Schultern lasten“, weiß Kruschina, der mit seinen Verbündeten auch schon auf dem Altstadtfest mit einem Stand zu finden war und sich an Feten auf dem Kleingartengelände bis 2010 erinnert. Das Vereinsheim sei ebenfalls nicht mehr verpachtet – der Verein habe keine Konzession – und werde zumindest von den Kleingärtnern selbst kaum noch genutzt.

Gehegt und gepflegt wird es dennoch, wie der Verein insgesamt nicht verfallen lässt: So wurden recht frisch etwa die Wasserleitungen erneuert. Die Gartenzwerge duschen mit bester Trinkwasser-Qualität – und irgendwann werden auch Obst, Blumen, Kräuter und Gemüse wieder nach dem Nass lechzen. Denn mit Blick auf den sich noch zurückhaltenden Frühling gilt ja: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Quelle: op-online.de

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