Robert Beck wanderte vor fast vier Jahrzehnten nach Australien aus

„Kleines Paradies gefunden“

Babenhausen - Eigentlich wollte Robert Beck in Australien nur Urlaub machen. Inzwischen lebt der gebürtige Babenhäuser seit fast 38 Jahren in Down Under. Von Petra Grimm 

Jetzt war der Auswanderer wieder zu Besuch in seiner alten Heimatstadt und wahrscheinlich der am weitesten angereiste Gast auf dem Altstadtfest.
„Wir sind damals zu dritt hier gestartet. Es war Januar und der Schnee in Deutschland richtig hoch“, erzählt Robert Beck von dem Urlaubs-Trip als 30-Jähriger vor knapp vier Jahrzehnten nach Australien. Wegen der Kälte habe er dann auch zunächst überhaupt keine Lust gehabt, zurückzukehren. Für immer auszuwandern, sei überhaupt nicht geplant gewesen, erinnert sich der nun 68 Jahre alte Beck, der viel jünger wirkt. Aber er ist geblieben, hat eine Berufsausbildung gemacht, ein Restaurant eröffnet und eine Familie gegründet. Eine Erfolgsgeschichte also, die als Urlaub begann.

Im Rückblick bereut Beck es nicht. „Ich habe dort für mich ein kleines Paradies gefunden“, sagt er in astreinem Babenhäuser Dialekt. Die Stadt seiner Kindheit und Jugend vermisst er nicht, kommt aber alle zwei Jahre zurück, um seine Familie und Freunde wiederzusehen. Dann nehmen ihn sein alter Freund Hermann Rothermel und seine Familie in ihr Haus auf. Wichtig ist ihm, seine 94-jährige Mutter Hildegard Koch zu besuchen, die inzwischen in Kleinostheim betreut wohnt.

Am Anfang habe er schon Heimweh gehabt, erinnert er sich: „Die ersten drei Weihnachten hab ich geheult.“ Ein Problem, das Auswanderer oft unterschätzen, hatte Beck nicht, nämlich die fremde Sprache. Fließend Englisch sprach der Babenhäuser schon bevor er auf die andere Seite der Weltkugel zog, auch weil seine Vater Amerikaner war. Beck hatte außerdem einige Jahre in der Verwaltung der amerikanischen Schule in der Kaserne gearbeitet, bevor er wegging.

Aber auch ohne Verständigungsprobleme musste er sich in seiner neuen Heimat in den ersten Jahren durchbeißen: „Am Anfang habe ich in Sydney als Putzfrau gearbeitet“, erzählt er schmunzelnd. Dann hat er sein Schicksal in die Hand genommen, in Adelaide auf einer Schule eine Ausbildung zum Koch gemacht und zwei Jahre auf einem Weingut den Kochlöffel geschwungen. Eine weitere Ausbildung als Patisseur schloss sich an. „Durch meine Ausbildung und weil ich eine Arbeitsstelle hatte, habe ich nach acht Jahren aus-tralische Papiere bekommen,“ erzählt er. Seine Frau Lollo, eine Freiburgerin, die nach ihrem Abitur durch Australien reiste, heiratete er 1990. Sechs Jahre später kam ihre Tochter Sahara zur Welt. Ihr folgte Sohn Ocean, der heute 16 Jahre alt ist. Die beiden sind zweisprachig aufgewachsen und haben die alte Heimat ihrer Eltern schon mehrfach besucht.

Bilder: Seebeben in Babenhausen

Beck erinnert sich noch gut, als seine Kinder zum ersten mal in ihrem Leben Schnee gesehen haben. Das war bei einer Deutschlandreise 2005. „Ich musste den Schnee für die Kinder in Plastikbeutel packen und in die Gefriertruhe legen. Als wir die Beutel wieder raus geholt haben, war natürlich kein Schnee mehr drin, sondern zu ihrer Enttäuschung nur noch ein Eisklumpen.“

Von Eis und Schnee ganz weit entfernt lebt Beck in Peregian Beach, einem kleinen, bei Touristen beliebten Ort am Meer in Queensland. Sein Restaurant mit Café läuft gut und wird inzwischen von seiner Frau geführt. Denn Beck gönnt sich seinen Ruhestand, ist viel auf Reisen. Als Buddhist zieht es ihn regelmäßig nach Tibet.

Und es hört sich tatsächlich nach einem kleinen Paradies an, wenn er von seinem Zuhause erzählt: „Ich wohne direkt am Strand, wo ich jeden Tag mit meinem Hund zehn Kilometer spazieren gehe. Ich sehe dort keine 20 Meter entfernt Wale vorbei schwimmen und Delfine, die die Wellen reiten“.

Quelle: op-online.de

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