„Die Trillerpfeife ist ein Klischee“

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Dicker Pulli und kaum Badegäste – diese Zeiten sind für Dalila Kahl, Betriebsleiterin des Schwimmbads, seit Montag vorbei.

Babenhasuen  - Im Interview verrät die Schwimmmeisterin, bei welchen Temperaturen sie gerne ins Wasser geht und welchen Gegenstand die Badegäste am häufigsten vergessen. Von Katharina Hempel

Endlich scheint die Sonne. Wenn es in Babenhausen jemanden gibt, der sehnsüchtig auf den Sommer gewartet hat, dann Sie. Oder?

Dalila Kahl: Nicht nur ich, glaube ich. Vergangenes Jahr war es ja ähnlich. Aber dieses Jahr war das Wetter bisher unbeständiger: morgens kalt und nachmittags warm – oder umgekehrt. Klar, dass da vielen die Lust aufs Badengehen verging.

Sie sind Schwimmmeisterin. Gerne draußen sein und gut schwimmen können – reicht das, um diesen Beruf ausüben zu können?

Natürlich nicht. Aber viele wissen gar nicht, dass das ein Ausbildungsberuf ist. Drei Jahre lernt man dafür.

Zum Beispiel?

Da gehört Wasseraufbereitung dazu, pH-Werte, wie man Chlorflockungsmittel einsetzt, aber auch Grünpflege, Kassenwesen und der Umgang mit Kunden.

Schwimmen steht während der Ausbildung also nicht auf dem Programm?

Klar, das gehört auch dazu. Seit fünf, sechs Jahren sind auch Aquafitness und Animation Teil der Ausbildung.

Was Sie auch im Schwimmbad anbieten.

Genau. Mittwochs machen wir schon um sieben Uhr auf. Da findet Aquafitness statt. Zu diesem Termin kommen viele auch bei schlechtem Wetter. Um diese Uhrzeit sind wir morgens echt gut besucht. Viele gehen auch nur wegen des Kurses ins Schwimmbad.

Wenn Sie schon zu so früher Stunde im Schwimmbad sind, wann endet dann ihr Arbeitstag?

Im Sommer arbeite ich komplett durch. Von sechs Uhr morgens bis acht, halb neun abends.

Das ist lang. Halten Sie sich frisch und wach, indem Sie jeden Morgen vor der Arbeit ins Wasser hüpfen und im leeren Becken ein paar Bahnen ziehen?

(Sie schüttelt den Kopf.) Als ich neu hier war, dachte ich mir: „Um sechs, halb sieben gehe ich schwimmen.“ Aber dann kam ich ins Büro, wollte vorher noch schnell dies und das erledigen, und dann war der Betrieb schon am Laufen und ich immer noch nicht im Wasser gewesen. Also: Vor der Arbeit schwimmen zu gehen – das zu versuchen, habe ich aufgegeben.

Wenn Sie doch mal die Zeit für ein Bad finden sollten: Wäre Ihnen das Wetter dann eigentlich egal?

Brrrr, nee. Ich bewundere die Stammschwimmer, die bei Wind und Wetter ins Wasser gehen: Hut ab. Aber ich bin eher, wie sagt man so schön, Warmduscher beziehungsweise Warmschwimmer. (Sie lacht.)

Dann ist diese Woche mit dem tollen Wetter doch wie für Sie geschaffen. Aber leider war es ja nicht die ganze Zeit so schön. Wie hat sich dieser Sommer denn bisher auf die Besucherzahlen ausgewirkt?

Die vergangenen Wochen waren nicht so toll und diese Einnahmen fehlen natürlich. Ich schätze, dass wir da zwischen 100 und 150 Besucher am Tag hatten. Aber diese Woche lief super: Am Montag kamen 1 800 Leute zum Schwimmen, in den vergangenen zwei, drei Tagen hatten wir sogar zwischen 2 000 und 2 500 Besucher am Tag.

Wie sorgen Sie bei diesem Trubel für Ordnung? Mit der Trillerpfeife?

(Lacht.) Die benutze ich nicht. Das ist ein Klischee. Dafür habe ich mein Organ. Das reicht.

Und was sammeln Sie am Abend an Fundsachen ein?

Da kommt teilweise einiges zusammen. Manchmal frage ich mich dann: „Wie kommen die Leute nach Hause? Merken die nicht, das was fehlt?“

Was denn zum Beispiel?

Die Schuhe.

Quelle: op-online.de

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