Machtgier, Sex, Geld und Mauscheleien

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Heinz Schumacher mit seinem Werk. Ein Exemplar davon hat er sogar an den ARD-„Tatort“ geschickt. „Es ist wie ein Drehbuch geschrieben und ließe sich gut verfilmen“, meint er.

Babenhausen ‐ Machtgier, Sex, Geld und Mauscheleien – Alltag der Oberen in fast jeder deutschen Kleinstadt. Auch in Babenhausen. Von Veronika Szeherova

So sieht es zumindest Heinz Schumacher, seit fünf Jahren Mitglied des Ortsbeirats für die unabhängige Wählergemeinschaft „Die Bürger“. Auf eher unkonventionelle Weise machte er seinen Gefühlen Luft: Unter dem Pseudonym Georg Engel schrieb ein Buch – den Kurzkrimi „Die Giftmischer der Stadt“.

„Es geht um einen Mord auf dem Kasernenkonversionsgelände in Babenhausen, der tiefe menschliche und politische Abgründe zutage bringt“, beschreibt der Autor knapp sein Werk. Obwohl erst frisch erschienen, sind von der Erstauflage nur noch sechs Stück übrig. Eine überarbeitete Auflage von weiteren 50 Exemplaren plant Schumacher demnächst. Und das, obwohl sein im Eigenverlag gedrucktes Erstlingswerk bisher nicht auf sehr viel Gegenliebe gestoßen ist. „Es hat schon böse Anrufe und E-Mails gegeben“, sagt der Lokalpolitiker.

Der Hauptvorwurf lautet Pornographie, denn in mehreren Textpassagen beschreibt „Engel“ ganz unverblümt und detailliert sexuelle Handlungen. „Das ist natürlich Absicht, und ich habe mir für diese Stellen ein prominentes Vorbild genommen: Charles Bukowski“, sagt Schumacher grinsend. „Der hat knallhart geschrieben.“

Dabei kam das erste Manuskript, das der Babenhäuser vor etwa vier Jahren nach nur sechs Monaten Schreibzeit fertig hatte, noch wesentlich braver daher. „Ich ließ es von einer Bekannten Probe lesen, und sie hat sich gelangweilt, da ihr darin viel zu viel Politik war“, erzählt der 57-Jährige. „Deswegen habe ich es komplett umgeschrieben, nur die Charaktere und Struktur sind geblieben.“ Nach Feierabend, im Urlaub, bei nächtlichen spontanen Eingebungen, setzte sich Schumacher in den vergangenen vier Jahren an den Computer, um zu schreiben. Den Sex brachte er ins Buch, weil er sich sicher ist: „Auch in Babenhausen werden Karrieren übers Bett gemacht.“

Bewusst habe er Begebenheiten, die ähnlich geschehen sind oder möglicherweise so passieren könnten, „grob und verwickelt umschrieben, damit sich niemand auf den Schlips getreten fühlt.“ Denn es sei nicht seine Absicht, jemanden fertig zu machen. „Daher ist auch das Ende versöhnlich“, beruhigt Schumacher. Mit dem Untertitel „Ein Kurzkrimi aus tausend und einer Stadt will er das „Märchenhafte“ hervorheben, das auch im Buch zu finden sei.

Dass einige seiner bisherigen Leser das anders sehen und eine Leserin gar schimpft, der Text sei weder literarisch noch informativ, sondern „abartiger und skandalöser Schund“, nimmt der Familienvater äußerlich ziemlich gelassen. „Ich bin halt ein geradliniger und sehr direkter Mensch.“ Doch er räumt ein, er habe die Folgen „ein wenig unterschätzt.“

Die negativen Reaktionen sieht der „selbstständige Pädagoge“ als Zeichen dafür, dass viele nur auf das „Vordergründige“ achten und nicht auf das „Dahinter“, auf die versteckten Botschaften des Textes. „Ich will mit meinem Buch die Menschen aufrütteln, damit sie kritischer werden mit den Politikern. Denn diese machen in Babenhausen nicht ihren Job.“

Da habe es auch nicht geholfen, dass er jeweils den neuen Bürgermeistern Niccolo Machiavellis berühmte Werke „Der Fürst und die „Discorsi“ geschenkt habe. „Absolute Standardwerke für jeden Politiker“, betont Schumacher, „und sie spielen auch in meinem Buch eine wichtige Rolle.“

Den Titel „Die Giftmischer der Stadt“ erhielt sein Kurzkrimi in Anlehnung an den Artikel „Die Stadt der Giftmischer“, der 2002 in der „Zeit“ erschienen ist. „Natürlich mischen meine Buch-Protagonisten kein wirkliches Gift, aber manche Leser scheinen das zu erwarten und deshalb nicht zu verstehen“, ärgert sich Schumacher. Der sein Werk auch deshalb unter einem Pseudonym herausgegeben hat, damit man vorurteilsfrei herangehen könne.

Das Buch ist zu erwerben bei Schumacher direkt und in der Buchhandlung „Auslese“. Mit dem Schreiben einer Fortsetzung will „Engel“ noch in diesem Jahr beginnen – mit denselben Charakteren: „Noch ist nicht alles gesagt.“

Quelle: op-online.de

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