Bensen Olsen verziert Jugendzentrums-Fassade

Straßenkunst mit Botschaft

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Unter dem Künstlernamen Bensen Olsen erschafft Benjamin Olschewsky mit Spraydosen und überdimensionalen Schablonen beeindruckende Werke.

Babenhausen - Unter dem Künstlernamen Bensen Olsen erschafft Benjamin Olschewsky mit Spraydosen und überdimensionalen Schablonen beeindruckende Werke. Von Petra Grimm 

Seine Bilder von fröhlichen Kindern aus aller Welt, die nun die Wände der Stadthalle zieren, fordern zu mehr Toleranz und Akzeptanz von Unterschiedlichkeit auf. Die dicken, besonders festen Klebestreifen wollen nicht richtig halten. „Vielleicht ist es heute zu warm“, sagt der 30-jährige Künstler, während seine Lebensgefährtin Lisa Josek und sein Freund Filip Grgic auf einer Leiter balancieren. Sie wollen an der Wand neben dem Eingang zum Jugendzentrum eine riesige Papierschablone befestigen. Im Gegensatz zum klassischen Graffiti, bei dem die Bilder direkt auf die Wand gesprüht werden, ist diese spezielle Streetart-Technik, der sich Bensen Olsen seit vier Jahren verschrieben hat, recht aufwändig. Für jedes einzelne Motiv braucht er drei Schablonen (englisch: stencil) mit unterschiedlichen Ausschnitten, die nacheinander auf die Wand geklebt und besprüht werden. Sodass am Ende ein mehrdimensional wirkendes Bild in den Farben weiß, grau und schwarz entsteht.

Vor allem das Ausschneiden der Schablonen, die von einer Firma hergestellt werden, die sonst Busse bedruckt, ist richtig Arbeit. „An einer Schablone, die immer aus drei Farbebenen besteht, schneiden wir zehn Stunden“, erzählt der Sprayer, der in Dreieich aufgewachsen ist, viele Jahre in Frankfurt gelebt und gearbeitet hat und seit einem Jahr in Babenhausen wohnt. Wie schwierig es ist, diese bis zu 3,20 Meter großen Vorlagen aus festem Papier vor dem Besprühen an den Wänden zu befestigen, war nun zu beobachten. „Das ist eigentlich die Hauptarbeit“, sagt er. Und bei Regen geht es gar nicht. „Da würde die Papierschablone aufweichen und wäre nicht mehr benutzbar“, so Olsen, der als Veranstaltungskaufmann für eine Hanauer Künstleragentur arbeitet. Außerdem studiert er in Frankfurt Marketing und geht seiner Leidenschaft für Straßenkunst nach, mit der er eine Botschaft verbindet. „Wir sind alle Menschen“ sollen die sechs Motive – fröhliche, lachende Kinder aus aller Herren Länder – vermitteln. Der Titel dieser Serie heißt „#iamhuman“ und Olsen will damit gegen fremdenfeindliche Stimmung angehen, indem er beim Betrachter positive Gefühle auslöst. „Im Moment begegnen mir leider immer wieder Menschen, die mit Blick auf die Flüchtlinge oder andere Menschen, die in unser Land kommen, vor allem die Unterschiede sehen und ein regelrechtes Feindbild aufbauen. Ich möchte mit meiner Kunst ein ganz anderes Bild in den Köpfen erzeugen: Freude statt Angst. Liebe statt Hass“.

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Bensen Olsen (links) mitsamt Helfern und Kunstwerk.

Für seinen mehrtägigen Einsatz an der Stadthallenwand nimmt Olsen kein Honorar. Er sprüht ehrenamtlich, was die städtische Kinder- und Jugendförderung freut, über die diese Verschönerung der vorher wild beschmierten Wände zustande kam. „Bensen Olsen hat uns über Facebook angeschrieben und nach einer Wand gefragt“, berichtet Lara Kresz. Das Bauamt habe zugestimmt und der Bauhof die Wände mit Farbe vorgestrichen. „Wir mussten aus dem Budget der Jugendförderung nur das Material bezahlen. Wenn man sonst einen Sprayer engagiert, um eine Wand zu verzieren, kostet das normalerweise ganz gut Geld“, so Kresz, die zudem hofft, dass durch die Stencil-Bilder die unansehnlichen Schmierereien an diesen Stellen gestoppt werden. „In der Szene ist es eigentlich üblich, dass die Arbeiten anderer nicht übermalt werden.“

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Die Motive für die Serie mit den Kinderbildern hat Olsen von Fotos, die er teilweise selbst gemacht hat. Während das Bild eines kleinen thailändischen Jungen namens „Buakaw“ an der Wand entsteht, erzählt er von seiner fünfwöchigen Reise und seiner Faszination von dem Kind, das immer glücklich zu sein schien. „Vor allem, wenn er mit seiner ganzen Familie am Tisch saß und aß.“ Das habe ihn selbst „geerdet“ und ihm gezeigt, dass weniger der Überfluss als vielmehr das Genießen und Wahrnehmen ganz einfacher Dinge glücklich mache.

Quelle: op-online.de

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