Serenadenkonzert

Tribut an Wien und Löwen: Blasorchester des TV Hergershausen spielt in der Langfeldsmühle

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Der Serenadenabend füllte den komplette Hof der Mühle.

Eine La-Ola-Welle bei Sportveranstaltungen kennt jeder. Aber beim Blasorchester? Am Sonntagabend beim Serenadenkonzert der Musiker des TV Hergershausen in der Langfeldsmühle wurde man eines besseren belehrt: La Ola ist auch in diesem Kontext möglich.

Hergershausen – Zwar gab es beim Stück „Böhmisch Ola“ nicht den üblichen Domino-Effekt, trotzdem riss das Publikum regelmäßig die Arme nach oben. Damit war, neben dem Hörgenuss, ein besonderer Spaß garantiert.

2007 übernahm die Familie Winter, die gleich mit mehreren Generationen im Orchester spielt, die Langfeldsmühle. Seitdem findet alljährlich in heimeligen Ambiente ein Serenadenabend statt. Er gehört, neben dem Weihnachtskonzert, zu den beiden jährlichen Höhepunkten im Terminkalender. Für den Auftritt am Sonntag im voll besetzten Hof der Mühle, hatte Dirigent Patrick Günther ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das klassisch und damit anspruchsvoll begann.

Davon zeugten die Werke „Sympatria“, „Invicta“, „Wiener Praterleben“ oder „Intermezzo Sinfonica“ aus „Cavaleria Rusticana“. Sie unterstrichen die Herausforderung sowie die Attraktivität sinfonischer Blasmusik. Das Stück „Elisabeth“ aus dem gleichnamigen Musical, welches das erfolgreichste deutschsprachige Musical der Welt darstellt, war das I-Tüpfelchen. Mit Walzerkönig Johann Strauß ging es in die Pause.

Danach wurde dem Publikum der Marsch mit einem Stück aus dem Repertoire der Egerländer Musikanten samt Tenorhornsolo geblasen. Nach dem „Montana Marsch“ durften sich die Zuhörer bei „Böhmisch Ola“ aktiv einbringen. Der Komponist des Stücks, Wilfried Rösch, feiert seit 1987 große Erfolge mit gleich zwei Orchestern unter seiner Regie. Im letzten Jahr war er sogar Gast in Hergershausen: Über zwei Tage trat er als Dozent beim Workshop der Akademie für Böhmisch-Mährische Blasmusik Hessen auf.

Dirigent Patrick Günther

Zum Ende des Konzerts erreichten die Musiker die Moderne mit zwei Medleys von Michael Jackson und Udo Jürgens. Solche Arrangements regen stets zum Staunen an, was aus einem Pop-Stück werden kann, wenn es geblasen daherkommt. Der rote Faden des Konzerts war an der Stadt Wien festgemacht, wofür die Anlehnung an Elisabeth, Johann Strauß aber auch die österreichische Herkunft von Udo Jürgens sprachen.

Ebenfalls auffällig war der Bezug im zweiten Teil zum Löwen und damit zu einem der stärksten Vertreter aus der Tierwelt. Sowohl bei der Filmmusik „König der Löwen“ als auch im Stück „The Lion sleeps tonight“ rückte er in den Mittelpunkt. Dem letztgenannten Arrangement liegt ein traditionelles Zulu-Lied zugrunde. Mit ihm machen sich die Einheimischen abends am Lagerfeuer Mut: Je länger sie singen, desto größer ist die Zuversicht, dass der Löwe schläft und man nichts zu befürchten hat. In den 1950er Jahren kam das Lied nach Amerika und 1961 fertigten „The Tokens“ einen Welthit daraus. Aufgrund des großen Schlussapplaus bestand keine Furcht, dass die Zuschauer ohne Zugabe nach Hause gehen müssen. Mit „Wien bleibt Wien“ konnte beschwingt der Rückweg angetreten werden.

Die Moderation des Abends lag in den Händen von Christel Winter. Früher war sie selbst aktives Orchestermitglied, mittlerweile hat sie sich in den Musikerruhestand zurückgezogen. Vier Stunden hatte sie am Tag zuvor ihre Erläuterungen zu den Stücken handschriftlich niedergeschrieben. Diese Mühe war dem Orchester ein Geschenk wert, das Kilian Kumpf stellvertretend überreichte.

VON MICHAEL JUST

Quelle: op-online.de

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