Fund an einer Wasserleitung

Bombe lag 70 Jahre in der Erde

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Babenhausen - Um 18.25 Uhr am Mittwochabend war die Gefahr gebannt. Die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes hatten die im Wohngebiet Ost gefundene Weltkriegsbombe entschärft. Aufatmen bei insgesamt 208 Einsatzkräften und Hunderten von Evakuierten. Von Norman Körtge 

Aus einem US-amerikanischen Bomber abgeworfen, 50 Kilogramm schwer, versehen mit einem Kopf- und Bodenzünder: Sieben Jahrzehnte schlummerte das Weltkriegs-Überbleibsel im Erdreich im Nordosten Babenhausens. Einst Acker, jetzt Wohngebiet. Bei den Erschließungsarbeiten in den siebziger Jahren wurde der Blindgänger nicht entdeckt, obwohl dort, an der Ecke Finken- und Storchenweg, Wasserleitungen verlegt wurden. Erst jetzt, am Mittwochvormittag, kam das Relikt bei Bauarbeiten wieder ans Tageslicht.

Die 50-Kilogramm-Fliegerbombe nach der Entschärfung.

45 Minuten brauchten die angerückten Experten des Kampfmittelräumdienstes schließlich, um die Bombe – ohne größere Probleme, wie Dieter Ohl vom Regierungspräsidium Darmstadt berichtet – zu entschärfen. Sie setzen die sogenannte Raketenklemme an, es gab zwei laute Knallgeräusche und die Bombenzünder waren unschädlich gemacht worden. Um 18.25 Uhr war die Aktion beendet. Der Anfang vom Ende eines mehrstündigen Ausnahmezustandes.

Der hatte für Anwohnerin Ute Hehner um 12 Uhr Mittag begonnen, als sie beim Briefkastenleeren auf Polizisten traf. Die berichteten über den Bombenfund und informierten über die beginnende Evakuierung im Umkreis von 500 Metern um die Fundstelle. Hehner, die in der Geschäftstelle des TV Babenhausen in der Ziegelhüttenstraße arbeitet, schnappte sich Tochter Hannah, den Hund und fuhr an ihren Arbeitsplatz. Dort wollten sie bleiben, bis sie wieder zurück in ihr Haus können. Nicht wissend, dass sie und ihre Tochter zu einer wichtigen Anlaufstelle werden sollten. Denn in die TV-Halle wurden die Kinder aus den evakuierten Kitas Wichtelwald und Danziger Straße gebracht. „Die Erzieherinnen haben einen tollen Job gemacht“, lobte Hehner. Und sie, ihre Tochter, die Übungsleiterin ist, und eine weitere TV-Trainerin handelten, bauten ruckzuck eine Spielelandschaft für die Kinder auf: „Für die war es ein toller Nachmittag“, berichtete Hehner und lacht. Sie war sehr froh, dass sie abends wieder in ihre gewohnte, häusliche Umgebung durfte. „Da merkt man erst einmal, wie wichtig einem das ist.“

Weltkriegsbombe in Babenhausen gefunden: Fotos

Es sind Menschen wie Hehner, die Bürgermeister Joachim Knoke am Morgen danach meint, wenn er die vielen, uneigennützig handelnden Helfer für ihr Wirken lobt. „Das macht eine Gesellschaft aus“, so Knoke. Dazu gehöre auch der Wirt des Restaurants „Goldener Engel“ in der Stadthalle, der Pommes ausgab. Die Halle an der Bürgermeister-Rühl-Straße war zum Notquartier gemacht worden, um den Evakuierten ab 14 Uhr Obdach geben zu können. Mehr als 350 Bürger nahmen dies auch in Anspruch, wie der Rathaus-Chef berichtete. Betreut wurden sie dort unter anderem von Mitgliedern des Betreuungszuges des Deutschen-Rotes-Kreuzes und der Johanniter Unfallhilfe. Knoke lobte auch das umsichtige Handeln der Babenhäuser: „Wenn Ruhe bewahren erste Bürgerpflicht ist, dann war das ein Paradebeispiel.“ Nur vereinzelt hätten sich Bürger zunächst geweigert, die Evakuierungszone zu verlassen.

Da Babenhausen im Zweiten Weltkrieg wegen des Güterbahnhofs, des Kasernengeländes und des Flugplatzes sowohl primär als auch sekundär Ziel für Luftangriffe der Alliierten gewesen sei, sind weitere Blindgängerfunde im Stadtgebiet nicht auszuschließen. Deshalb rät Dieter Ohl vom Regierungspräsidium Darmstadt, bei größeren und tiefergehenden Erdarbeiten, wie etwa beim Zisternenbau, den Kampfmittelräumdienst zu kontaktieren. Der kann anhand von alliierten Kriegsluftbildern Auskunft geben, ob auf dem Grundstück mit Kampfmitteln zu rechnen sein kann. Anfragen mit genauem Lage-, Flur-, oder Detailplan gehen an kmrd@rpda.hessen.de.

Quelle: op-online.de

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