Auch Langstädter Fußballplatz ist Vermächtnis

Heute wird Bürgermeister a.D. Kurt Lambert 80: „Ich hatte ein vielseitiges, erfüllendes Leben“

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Leidenschaftlich drücken Kurt Lambert und seine Frau Mechthild der Babenhäuser Germania die Daumen. Heute wird der Bürgermeister a. D. 80 Jahre.

Grund zum Feiern hat Kurt Lambert gerade reichlich: Nach einer schweren Operation 2019 ist er inzwischen weitgehend genesen; am gestrigen Montag feierten seine Frau Mechthild und er ihren 55. Hochzeitstag; am heutigen Dienstag schließlich wird der frühere Babenhäuser Bürgermeister 80 Jahre.

Babenhausen – Ein Jubiläum, über dem zwar ein wenig der Schatten von Corona liegt, zumal das Virus dem einstigen Rathaus-Chef derzeit die zwei liebsten Hobbys nimmt: „Ich kann im Moment leider weder freitagabends Skat spielen noch sonntags auf den Fußballplatz“, lacht Lambert, und man merkt, dass er eigentlich so gar nicht ins Jammern verfällt. Wohl auch, weil der gebürtige Bad Kissinger, dessen familiäre Wurzeln im Saarland liegen, mit sich und seinem Werk im Reinen ist: „Ich hatte ein vielseitiges, erfüllendes Leben, für das ich dankbar bin. Was jetzt noch kommt, liegt in der Gunst des Herrgotts.“

Eben dieses wahrlich bewegte Leben begann am 19. Mai 1940, mitten im Zweiten Weltkrieg. In den 50-ern reifte Kurt Lambert zum jungen Mann heran, schloss zunächst eine Lehre zum Industriekaufmann ab und sattelte dann eine als Verwaltungsangestellter im Rathaus von Hassel an der Saar, seinem Heimatort, drauf. Dort arbeitete er sechs Jahre lang, ehe es ihn 1966 ins Rhein-Main-Gebiet verschlug.

„Die Bezahlung war hier doppelt so hoch“, blickt Lambert auf seinen Umzug und seinen Einstieg bei der Offenbacher Firma Heberer zurück. Beides fand kurz nach der Hochzeit mit Mechthild, mit der er einen heute 52-jährigen Sohn hat, statt. Der Bezug von Frau und Kind zur neuen Heimat sollte später auch entscheidend für seine Kandidatur in Babenhausen werden.

Doch der Reihe nach. Kurt Lambert machte in den neuen Gefilden, wo er sich zunächst im Heusenstammer Ortsteil Rembrücken niederließ, Karriere: Nach sechs Jahren bei Heberer – parallel verdingte er sich ab 1967 auch 17 Jahre lang als freier Mitarbeiter verschiedener regionaler Tageszeitungen – wechselte er 1972 ins Rathaus von Weiskirchen. Dort wurde er nicht nur Leiter des Sport-, Kultur- und Sozialamts. „Ich war auch der kreisweit erste Bürgerbeauftragte“, blickt Lambert zurück. „Das hat mir damals – wie auch die Lokalberichterstattung über den Kreis Offenbach – viel Erfahrung im Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen und ihren Anliegen gebracht.“ Ein Schatz, den er in gleich zwei Kommunen als Verwaltungschef einbringen sollte.

Denn der langjährige Christdemokrat, der die CDU „bis heute auf Kreis-, Landes- und Bundesebene“ wählt, nach internen Querelen 2005 aber aus dem Babenhäuser Stadtverband austrat, wurde vor seinen beiden Amtszeiten in Babenhausen zunächst Bürgermeister von Hirschhorn am Neckar. „Ich hatte bei einem CDU-Seminar ein paar Leute von dort kennengelernt“, erzählt er. „Auf die hatte ich wohl einen guten Eindruck gemacht.“

Lambert setzte sich in Hirschhorn 1984 durch, zog mit seiner Familie um und stand 1990 vor seiner zweiten Periode. Zeitgleich fiel jedoch zusammen, dass sich Frau und Sohn ins lebendigere Rhein-Main-Gebiet zurücksehnten – und die Babenhäuser CDU einen Kandidaten für die Wahl 1990 suchte. „Kulturpapst“ Klaus Lötzsch überzeugte Lambert letztlich „bei einem Geheimtreffen im Odenwald“, als Nachfolger von Christdemokrat Norbert Schäfer zu kandidieren. Lambert siegte in der Wahl des Parlaments, wo neben der CDU auch die Liberalen für ihn votierten. Im selben Jahr zog die Familie nach Babenhausen um, wo Lambert 1996 zudem die erste Direktwahl durch den Bürger für sich entschied. Trotz dreier Gegenkandidaten vereinte er mehr als 60 Prozent der Stimmen auf sich. Ein drittes Mal trat er 2002 aus Altersgründen und wegen Hörproblemen nicht mehr an.

Die politische Arbeit und die vielen ehrenamtlichen Aktivitäten Lamberts (zum Beispiel als Vorsitzender der Fördervereine des SV Germania und der Sozialstation Babenhausen-Schaafheim oder den Beisitz am Darmstädter Sozialgericht) lückenlos darzustellen, ist an dieser Stelle aus Platzgründen kaum möglich. Nach Vermächtnissen aus zwölf Jahren Babenhäuser Bürgermeister befragt, die ihm persönlich besonders wichtig seien, nennt der nun 80-Jährige exemplarisch: „Unser Seniorenprogramm war einmalig, darum haben Babenhausen damals viele beneidet. Leider ist davon nicht mehr viel übrig, weil man der Meinung ist, man müsste vieles wegsparen“, sagt das Mitglied in vielen Vereinen und Ehrenmitglied des TV Hergershausen, der auf seine älteren Tage ein politisches Comeback bei den Freien Wählern feierte. Stolz sei er auch auf ein einstiges Pilotprojekt mit der hessischen Polizei, mit dem man die – heute vielerorts längst zum Standard gewordenen –Stadtpolizisten einführte.

An einer Sache, an der er maßgeblich mitwirkte, kann sich Kurt Lambert unterdessen bis heute jedes Mal erfreuen, wenn er ein Heimspiel der SG Langstadt/Babenhausen besucht: Auch dank seines Engagements – und damals gegen großen Widerstand der Forstbehörde – durfte der TSV Langstadt seinen zweiten Fußballplatz errichten.

VON JENS DÖRR

Quelle: op-online.de

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