„Wenn ihr ruft, kommen wir“

Continental: Mitglieder der IG Metall versammeln sich in der Stadthalle

Kämpfen für den Erhalt der Arbeitsplätze: Jochen Homburg (links) von der IG Metall und Continental-Betriebsratsvorsitzender Roland Weihert. Foto: Körtge
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Kämpfen für den Erhalt der Arbeitsplätze: Jochen Homburg (links) von der IG Metall und Continental-Betriebsratsvorsitzender Roland Weihert.

Ganz in der Hand von Continental-Beschäftigen ist gestern den ganzen Tag die Stadthalle gewesen. Zumindest, wenn sie Mitglied der IG Metall sind. Die Gewerkschaft hatte, um allen Schichtarbeitern die Teilnahme zu ermöglichen, zu drei Sitzungsrunden geladen.

Babenhausen –  In der nicht-öffentlichen Versammlung bekamen sie exklusiv Eckpunkte eines Gegenentwurfs zu dem von der Unternehmensführung verkündeten massiven Stellenabbaus von 2 250 Arbeitsplätzen zu hören.

„Mit einer Verbesserung in den Produktionsabläufen kann der Standort deutlich profitabler sein“, berichtet Jochen Homburg, Chef der IG Metall in Darmstadt, aus dem Wirtschaftsgutachten, das die Gewerkschaft zusammen mit dem Betriebsrat, den Beschäftigen und einer Beratungsfirma erstellt hat. In der Vergangenheit seien die Abläufe nicht mehr so effizient gewesen, wie sie einmal waren. Dadurch sei viel Geld verloren worden“, meint Homburg. Den Schuh dafür müsse sich allerdings die Führungsetage anziehen, sagt dazu Continental-Betriebsratsvorsitzender Roland Weihert. Statt selber Arbeit und Energie in solch eine Analyse zu stecken, haben die Konzernbosse den „einfachsten Weg“ gewählt: Stellenabbau und Verlagerung der Produktion in Niedriglohnländer.

Mit in die Tiefe gehenden Details halten sich Homburg und Weihert aber weitestgehend zurück. Schließlich wollen sie den ein oder anderen Trumpf noch ziehen, wenn es in die Verhandlungen mit der Unternehmensführung geht. Das erste Spitzengespräch soll noch vor der geplanten Betriebsversammlung Mitte März stattfinden. Ganz oben im Forderungskatalog: Der Erhalt aller Arbeitsplätze. Derzeit sind es zirka 3 700 Beschäftigte.

Eines habe das Wirtschaftsgutachten jedenfalls gezeigt: Der Versuch, den Standort schlecht zu reden und das Bild eines veralteten Zeigerwerks zu erzeugen, sei „totaler Quatsch“, so Weihert und betont in aller Deutlichkeit: „Babenhausen ist ein Hochtechnologiestandort.“

Mit der Analyse und dem daraus resultierenden Konzept jedenfalls fühlen sich Homburg und Weihert gut vorbereitet für die Verhandlungen. Noch groß ist bei den beiden der Ärger darüber, dass sie im September mit der Nachricht des Stellenabbaus überrumpelt und vor vollendete Tatsachen gestellt worden sind. Breite Unterstützung für den eingeschlagenen Kurs erhalten sie aus der Belegschaft: „Wenn ihr ruft, kommen wir“, sei ein immer wieder zuhörendes Signal von den Conti-Arbeitern. Das spürt auch die IG Metall, die in den vergangenen Wochen massiven Zulauf hatte. Mittlerweile sei mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer bei Continental Mitglied. „Sie wollen abgesichert und auf die Konfrontation vorbereitet sein“, sagt Homburg. Zum einen durch den gebotenen Arbeitsrechtsschutz. Zum anderen durch das Zahlen von Streikgeld.

VON NORMAN KÖRTGE

Quelle: op-online.de

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