Interview

Stadtverwaltung in Zeiten des Coronavirus: „Wir priorisieren“

Die Stadtverwaltung von Babenhausen arbeitet wegen des Coronavirus seit Tagen im Krisenmodus.
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Die Stadtverwaltung von Babenhausen arbeitet wegen des Coronavirus seit Tagen im Krisenmodus.

Die Stadtverwaltung von Babenhausen arbeitet wegen des Coronavirus seit Tagen im Krisenmodus. Interview mit dem Bürgermeister Joachim Knoke.

Babenhausen – Das Rathaus ist angesichts der Coronavirus-Pandemie für den Publikumsverkehr weitestgehend geschlossen. Bürgermeister Joachim Knoke und seine Mitarbeiter arbeiten seit Tagen im Krisenmodus.

Wie muss man sich die Arbeit der Verwaltung derzeit vorstellen? Alles im Krisenmodus?

Die Umstellung des Zugangs zum Rathaus auf „Termin-Praxis“ hat die Arbeit auf den Schreibtischen nur unwesentlich reduziert. Anfragen der Bürger kommen telefonisch und per E-Mail weiterhin. Die Schutzmaßnahmen für Menschen mit Vorerkrankungen oder Über-60-Jährige haben den vor Ort tätigen Personalstand signifikant reduziert. Der Krisenstab tagt täglich und hat die Aufgaben, dass Tagesgeschäfts auch noch zu bewältigen. Damit ist die Verwaltung im Krisenmodus.

Was funktioniert, was noch nicht so gut? Was bleibt erst einmal liegen?

Der Betrieb der Kläranlage ist ebenso sichergestellt wie der Brandschutz. Allerdings könnte unsere Feuerwehr durchaus noch mehr aktive Einsatzkräfte gebrauchen. Ich selbst werde die Ausbildung auch absolvieren. Die zur eigenen Sicherheit laut Verordnung des Landes daheimbleibenden Kollegen führen in allen Bereichen zu Staus in der Abarbeitung, die Aufgaben müssen wir priorisieren und manches bleibt liegen. Das Hauptamt hält Organisation und Prozesse aufrecht, ermöglicht wo machbar Homeoffice. Im Finanzbereich bezahlen wir Rechnungen und erarbeiten mit sehr karger Besetzung Strategien für den Fortgang der Krise. Das hat Einfluss auch auf unsere Finanzströme. „Sicherheit und Ordnung“ muss die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren und die Überwachung der Sperrmaßnahmen ebenso stemmen wie die Aufrechterhaltung von Meldeamt, Standesamt mit Eheschließungen und dem Bestattungswesen. Das Bauamt kann im Bereich der Stadtplanung derzeit kaum hinterherkommen, fristgerechte Stellungnahmen zu Anfragen der Bauaufsicht sind nicht mehr möglich. Straßen, Kanäle, Spielplätze, Immobilienunterhaltung und Vermietung/Verpachtung können nur auf kurze Sicht bedient werden. „Soziales und Familie“ arbeitet die Sondersituationen zu Kitas und Tagespflege mit ab, kümmert sich nach Kräften um Hilfsmöglichkeiten für gefährdete Personengruppen, ist aber auch deutlich über das Limit hinaus unterwegs. Die Kinder- und Jugendförderung muss mit den Absagen von Veranstaltungen umgehen. Der Bauhof arbeitet allen Maßnahmen zu, stellt Spender für Handdesinfektion bereit, Hausmeister- und Reinigungsarbeiten sind den Gegebenheiten anzupassen, an den Schaltern im Rathaus wurden Scheiben gegen Tröpfcheninfektion angebracht. Es bleibt einiges liegen. Das wirklich Wichtige halten wir unter großem persönlichen Einsatz aller Kräfte aufrecht.

Wie haben Sie die Babenhäuser in den vergangenen Tagen erlebt?

Bis auf einige Merkwürdigkeiten in den sozialen Medien und Hamsterkäufen ist das Verständnis für die Maßnahmen und die ruhige Reaktion unserer Babenhäuser, die Solidarität und das Miteinander großartig. Ich bin stolz auf meine Stadt. Wir haben Bomben, Stürme, Absagen von Umzügen und Flüchtlingsthemen hervorragend gemeistert und werden gemeinsam auch diese Krise bewältigen.

Stillstand auch in der Lokalpolitik: Wie geht es weiter vor allem hinsichtlich der Offenlage des Bebauungsplans für die Kaisergärten?

Den Bauausschuss zur Vorbereitung der Beschlüsse haben wir versucht bis zur letzten Sekunde durchzuführen. Mit den letzten Fakten aus Berlin und Wiesbaden ergab sich eine Lage, dass eine vernünftige Diskussion und Beschlussfassung trotz ausreichenden räumlichen Abstandes auch bei Verlegung in die Stadthalle nicht mehr möglich schien. Wir müssen nun sehen, welche Optionen sich noch bieten, unter den besonderen Umständen dieses Jahrhundertprojekt nicht ins Stocken zu bringen. Ob nach all den Gesprächen in Dutzenden von Ausschuss-Sitzungen, der Vorlage exzessiv vieler Dokumente und Gutachten ein Offenlagebeschluss auch ohne erneute Diskussion in den Ausschüssen möglich ist, entscheidet sich politisch. Da aber weitreichende Mehrheiten dieses Projekt voranbringen wollen, bin ich hier zuversichtlich, dass wir gemeinsam Lösungen finden werden.

Die Kasernen-Infoveranstaltung am 25. März wird nicht stattfinden können.

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Die Fragen stellte Norman Körtge.

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Quelle: op-online.de

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