Aus Pfarrei St. Josef

Langfinger klauen Krippenfiguren

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Einen leeren Fleck entdeckte Gemeindereferentin Claudia Czernek nun beim Aufschließen der Kirche von St. Josef: Zwei Figuren wurden von der Krippe entwendet.

Babenhausen - Langfinger haben die Krippenfiguren in der katholischen Pfarrei St. Josef geklaut. Gibt es nun eingeschränkte Öffnungszeiten für die Kirche? Von Michael Just 

„Manchen Menschen ist aber auch gar nichts heilig. “ – Diese Aussage fällt oft, wenn Vandalismus oder Diebstahl jeglichen Respekt vor Dingen vermissen lassen, die anderen Menschen viel bedeuten. Nun kommt dieser Spruch aus dem Mund von Gemeindereferentin Claudia Czernek. Wenn in wenigen Tagen in der katholischen Pfarrei St. Josef die Krippe neben dem Altar im Gotteshaus abgebaut wird, dann bleibt im Karton der Heiligen Drei Könige ein Platz übrig. Waren noch am 6. Januar alle Könige, ihre stattlichen Kamele sowie die Kameltreiber pünktlich an der Krippe angekommen, so fehlt seit Freitag ein Kamel samt Diener. „Sie wurden entwendet. Man kann´s auch etwas deutlicher mit gestohlen formulieren“, bringt es Claudia Czernek betroffen auf den Punkt.

Geklaut: Das Kamel mit der Dienerfigur links daneben.

Als sie am Freitagmorgen die Kirche aufschloss, bemerkte sie den Verlust. Ob der Diebstahl am Donnerstag oder früher stattfand, steht nicht genau fest: „Man schaut natürlich nicht jeden Tag, ob alle Figuren noch an ihrem Platz sind“, führt die engagierte Gemeinde-Mitarbeiterin an. Vor allem jene Person mit den langen Fingern versteht sie nicht: „Wer macht so etwas? Wer stiehlt aus der Kirche – und dazu noch von der Krippe weg?“, fragt sie. Eine Antwort darauf gab es bisher nicht. Auch wenn die 23 bis 28 Zentimeter große Plastiken aus Gips aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts stammen, ist sich Czernek relativ sicher, dass sie bei einem Wiederverkauf kein großes Geld einbringen. Dafür sei der ideelle Wert für die Gemeinde umso größer.

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Erst vor drei Jahren bekam die Pfarrei die komplette Krippe mit Figuren und Stall von einem Ehepaar geschenkt, das zu Hause nicht den nötigen Platz dafür hatte. Für St. Josef war die Schenkung ein glücklicher Umstand, da man lange Zeit für das große Gotteshaus nur über eine relativ kleine „Tischkrippe“ verfügte. Die Babenhäuser Katholiken beklagen nun in ihrer Kirche bereits den zweiten Diebstahl innerhalb weniger Monate: Schon im Frühsommer 2013 entwendete jemand von der portugiesischen Fatima-Madonna eines der drei Kinder zu ihren Füßen. Ähnlich dem Hummel-Stil gefertigt, zeigen sie die berühmte Marienerscheinung in dem südeuropäischen Land. „Das Seherkind Franciso stellt auch hier einen besonderen ideellen Wert dar“, weiß Claudia Czernek.

„Ist jetzt auch in Babenhausen der Kirchraum nicht mehr sicher und Überwachungskameras vonnöten?“, ziehen bereits einige Gemeindemitglieder in Betracht. Oder sollte die Kirche, die jeden Tag von morgens bis abends durchgehend für Gläubige zum Gebet offen steht, eingeschränkte Öffnungszeiten erhalten? „Wir werden über das Thema im Pfarrgemeinderat sprechen“, kündigt die Gemeindereferentin an. Zur Polizei will sie nicht gehen: „Das nützt doch nichts. Die Aufnahme beansprucht nur Papier und füllt die Statistik.“ Stattdessen hoff sie, dass der Langfinger ein wenig über seine Tat sinniert und vielleicht die beiden Figuren auf dem selben Weg zurückbringt, wie er sie mitgenommen hat. Dann wäre die Geburtsszene Christi wieder vollständig.

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Quelle: op-online.de

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