Zwei Babenhäuser stehen zur Wahl

Erneuter Anlauf auf den Bundestag

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Direktkandidat der Freien Wähler: Heinz Schumacher

Babenhausen - Vor vier Jahren ist Heinz Schumacher einer von neun Bewerbern um das Direktmandat für den Deutschen Bundestag im Wahlkreis 187 gewesen, zu dem auch Babenhausen gehört. Von Jens Dörr

Nun will es der selbsternannte Querdenker, der auch schon für den hessischen Landtag und das Babenhäuser Bürgermeisteramt kandidierte, erneut wissen. Ebenfalls zur Wahl für ein Direktmandat steht Milena Scinardo von der FDP. Vor wenigen Wochen nominierten die Freien Wähler – die dafür erst Anfang April die Voraussetzung durch die Gründung einer Vereinigung für den Kreis Darmstadt-Dieburg geschaffen hatten – den 63-jährigen Heinz Schumacher als Frontmann. Er verspricht: „Ich trau mich was.“

Der gebürtige Schlierbacher und verheiratete Vater zweier erwachsener Töchter lebt schon länger in Babenhausen als einst in seinem Geburtsort, brachte sich wie seine Frau Ingrid bereits über ein Parlamentsmandat in die Stadtpolitik ein.

„Ich gehe nach vorn und kandidiere der Sache wegen, wenn andere zurückweichen“, sagt Schumacher. Er agiere „finanziell und ideologisch unabhängig, unbestechlich“, betont der selbstständige Bilanzbuchhalter und seit Kurzem auch Rentenbezieher. Stolz sei er überdies darauf, Sachentscheidungen unbeeinflusst von Sympathie und Antipathie treffen zu können: „Ich bin Technokrat, das ist meine Prägung. Ich überprüfe alles auf Meinungen und Fakten.“ So sei er in der Lage, richtig und falsch auch abseits von Emotionen zu erkennen und voneinander zu unterscheiden.

Zur Politik gebracht hatte ihn in jungen Jahren allerdings etwas anderes: „Die Unwissenheit des Rathaus-Chefs in Schlierbach war mein Schlüsselerlebnis“, blickt Schumacher zurück. Er spielt damit auf die Zeit vor der Verwaltungsreform an, als der heutige Schaafheimer Ortsteil noch selbstständig war und einen eigenen Rathaus-Chef hatte. Der habe ihn final dazu gebracht, sich intensiv mit dem politischen Geschehen zu befassen. „Ich hätte damals gar nicht zur Bundeswehr eingezogen werden dürfen – mein Bruder war schon vor mir dort gewesen, mein Vater schwerbehindert“, erzählt er. Das habe er selbst erst Jahre später erfahren, als der Dienst längst abgeleistet war. „Der Bürgermeister kannte die Gesetze nicht.“

Zudem sei man damals „als Jugendlicher sowieso nicht gehört worden. Du konntest nur rebellieren.“ Die politische Nachwuchsgruppe, die Schumacher in Schlierbach zu Beginn seiner politischen Laufbahn gründete, wurde alsbald von den Jungsozialisten (Jusos) geschluckt. Er selbst war bald darauf raus: „Dort habe ich erstmals die politischen Seilschaften kennengelernt.“ Mit denen müsste sich das Mitglied des Keller’schen Männergesangvereins in Dieburg sowie des Turnvereins und Volkschor-Sängerbunds in Babenhausen freilich auch im Falle seiner Wahl für Berlin auseinandersetzen.

Bilder vom Kirchenfest in Babenhausen

Davor hat der Konkurrenzkampf hohe Hürden gesetzt: Der Babenhäuser muss es in seinem Wahlkreis unter anderem mit den Politprofis Patricia Lips (CDU, 2013 Gewinnerin des Direktmandats mit 46,9 Prozent der Stimmen) und Jens Zimmermann (SPD) aufnehmen. Dies will er in den kommenden Wochen mit einem engagierten Wahlkampf tun, dabei insbesondere mit seiner Persönlichkeit und seinem Selbstverständnis als Frei- und Querdenker punkten.

Heute (20. Juni) stellt sich Heinz Schumacher um 19 Uhr im Gasthof „Zur Krone“ im Bad Königer Ortsteil Zell zusammen mit den jungen Spitzenkandidaten der Landesliste der Freien Wähler und einem weiteren Direktkandidaten allen Interessierten näher vor.

Nur ganz Spitzfindige dürften ihn dann mit einer Aussage aus der jüngeren Vergangenheit konfrontieren, die nicht so ganz zu seinem erneuten Antritt passen will: „Die Bürgermeister-Kandidatur ist der Abschluss meines politischen Lebens“, sagte er während des lokalen Wahlkampfs 2014 unserer Zeitung. Doch bekanntlich währt nichts für die Ewigkeit – und ab und an noch nicht mal für drei Jahre.

Quelle: op-online.de

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