Wald bietet Herausforderungen

Erste Freiluft-Kita eröffnet: Wegen Nachfrage zweite Gruppe angedacht

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Asha Scherbach (roter Schal) begrüßte die Gäste bei der offiziellen Eröffnung des Waldkindergartens „Die bunten Vielfalter“.

Seit November 2019 gibt es den Waldkindergarten „Die bunten Vielfalter“, in dem derzeit 14 Kinder zwischen drei und sechs Jahren von 7. 45 bis 15. 15 Uhr betreut werden. Jetzt wurde die Einrichtung im Wald bei Harpertshausen eröffnet.

Harpertshausen –  Der offizielle Akt finde „bei jedem Wetter am Waldplatz der Gruppe statt“ war in der Einladung zu lesen. Denn das ist wohl der deutlichste Unterschied zu anderen Kindertagesstätten: Die Kinder und ihre Betreuerinnen spielen bei fast jedem Wetter draußen, und zwar ohne vorgefertigtes Spielzeug.

Mit einem lauten „Ho“, das die Gäste, die Kreis standen, in die Welt riefen, begann die Feier, zu der Asha Scherbach von der „SenseAbilityAcademy“ (freie Trägerin der Einrichtung) begrüßte. Kommunalpolitiker, Vertreter der Verwaltung, Försterin, Eltern, Großeltern und jede Menge Kinder hatten sich auf dem Platz mit dem Bauwagen eingefunden.

Asha Scherbach, Psychologin, Erzieherin und Waldorfpädagogin, dankte allen, die den ersten Waldkindergarten in Babenhausen ermöglicht haben. Allen voran nannte sie Regina Lange, Fachbereichsleiterin Soziales und Familie, und ihre Mitarbeiterinnen Jessica Elvert-Schumacher und Jutta Groß. Für Lange geht mit der Eröffnung ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, „ein andersartiges Angebot der Lernerfahrung“ in Babenhausen zu schaffen. Sie habe im Januar einen Tag mit den Kindern und Erzieherinnen verbracht und „die Ruhe, Schlichtheit und Verbundenheit zu der Natur erlebt“, sagte Lange. Sie sei überzeugt, dass „die Naturerfahrungen mit allen Sinnen die Fantasie und Kreativität fördern.“ Der Wald bietet Herausforderungen für die Motorik und die frische Luft begünstigt die Gesundheit.

Für viele Eltern und Kinder geht mit Eröffnung der Waldkita ein Wunsch in Erfüllung. ©Grimm

Ein besonderer Dank Scherbachs ging auch an Revierförsterin Tanja Wöber für ihre unbürokratische Hilfe und ans Harpertshäuser DRK für seine Gastfreundschaft. Denn wenn das Wetter arg schlecht ist oder wenn es, wie kürzlich bei Sturmtief Sabine, im Wald zu gefährlich ist, können die „bunten Vielfalter“ ins DRK-Heim ausweichen. „Das ist unser zweites Zuhause. Hier finden auch die Elternabende statt und wenn es sehr kalt ist das Mittagessen“. Scherbach dankte den Mitgliedern des Sozialausschusses und ihrem Team, das derzeit aus Sozialpädagogin Larissa Romann und drei Erzieherinnen in Ausbildung besteht. Dass darunter auch zwei Mütter sind, deren Kinder im Waldkindergarten betreut werden, freue sie besonders, sagte Scherbach, die selbst einen Tag bis zwei Tage wöchentlich im Wald dabei ist. Sie dankte den Eltern „für ihren Mut“. Man wolle Menschen „mit einem eigenen Willen und eigener Identität“ formen, sagte sie. Ganz ohne Vergleiche, Konkurrenz oder Wettbewerb untereinander wolle man jeder Person ihren Wert und Platz geben.

Das pädagogische Konzept verbunden mit der Naturnähe kommt offensichtlich gut an. Im Sommer wird die Gruppe mit 20 Kindern voll sein. Sie habe sogar einige Anmeldungen mehr, als Plätze durch Schulkinder frei werden, sagte Scherbach.

Mit Blick auf die Nachfrage und angesichts des Mangels an Kita-Plätzen in der Stadt scheint die Idee, eine zweite Waldkindergartengruppe zu gründen, nicht die schlechteste. Der Ball, darüber zu entscheiden, liegt bei den Stadtverordneten. Für Scherbach wäre eine zweite Gruppe einfach realisierbar.

Für viele Eltern und Kinder, die bei den Vielfaltern einen Platz bekommen haben, geht ein großer Wunsch in Erfüllung. So erzählte Thomas Kammel, sein Sohn sei mit Begeisterung sechs Stunden an der frischen Luft und seither auch noch nicht krank gewesen. „Das Wetter ist ihm völlig egal. Er ist der Erste, der hier morgens in einer Pfütze liegt“.

VON PETRA GRIMM

Quelle: op-online.de

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