"Sie sind umgezogen!"

Der erste Mieter im Sudhaus Michelsbräu: Medizin statt Bier

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Baustelle im Erdgeschoss: Dort wo jetzt noch eine Holzwand ist, entsteht der Haupteingang. Blickfang wird ein alter Generator sein, der unter der grauen Plane verborgen ist. Eine bleibende Erinnerung an die Bierproduktion. Fotos: körtge

In das Sudhaus der Michelsbräu ist diese Woche der erste Mieter eingezogen: ein Apotheker. Bis kommenden April sollen alle vier Geschosse bezugsfertig sein. Diskussionsbedarf gibt es bei der der Bebauung des rückwärtigen Geländes. Es geht um die Stellplätze für das seniorengerechte Wohnen.

Babenhausen – „Sie sind umgezogen!“ Eine Aussage, die Peter Grob und seine Mitarbeiter in der Löwen-Apotheke diese Woche mehrmals von eintretenden Kunden hörten. Nicht mehr an der Ecke der Fahrstraße/An der Stadtmauer, sondern etwa 100 Meter weiter nördlich hat die Apotheke eine neue Heimat gefunden. Und ist damit eine Art Pionier. Sie ist die erste Mieterin im ehemaligen Sudhaus der Michelsbräu.

Dank der Hilfe vieler fleißiger „Heinzelmännchen“, so Maria Grob, ist die Apotheke übers vergangene Wochenende in die neuen und modernen Räume im Erdgeschoss eingezogen. Es sei zwar noch einiges zu machen, aber sie könnten den gewohnten Service vollumfänglich anbieten, berichtet sie. Nachbessern möchten Grobs auf jeden Fall noch an der Beschilderung. Zwar ist am Baugerüst provisorisch das markante rote Apotheken-A montiert worden, mit einem zusätzlichen Banner soll aber noch auf den neuen Standort hingewiesen werden. Großer Pluspunkt an diesem seien die Parkplätze direkt am Eingang.

Und diese Stellflächen werden demnächst auch noch gepflastert, wie die Eigentümer Kevin und Markus Aumann bei einem Vororttermin berichten. Während die Räume der Apotheke seit wenigen Tagen bezugsfertig sind, dominieren im Rest des viergeschossigen Gebäudes noch unverputzte Außen- und eingezogene Trockenbauwände, roher Betonboden sowie Handwerker die Szenerie. Zu den großen Neueinbauten gehört ein Aufzugsschacht, der einen barrierefreien Zugang zu allen Stockwerken ermöglichen soll. Bis März oder April soll zumindest im Inneren alles fertiggestellt sein, hoffen die Aumann-Brüder. Erfreulich für beide, dass bis auf eine 130 Quadratmeter große Fläche, für die es aber auch schon einen Interessenten gibt, alles vermietet ist. Neben der Apotheke halten in den Ziegelsteinbau ein Augenarztzentrum, ein Pflegedienst, eine Bewegungstherapie-Praxis und eine Steuerberaterkanzlei sowie ein Steuerhilfeverein Einzug. Im Erdgeschoss wird es gleich zwei Blickfänge geben. Eine historische Maschine aus der Zeit der Bierproduktion an der Fahrstraße sowie mit einem Beauty-Café ein neues Geschäftsmodell in der Babenhäuser Kernstadt.

Bis sich allerdings im Michelsbräu-Gebäude der Schönheit gewidmet werden kann, wird Daniele De Tina dort noch etliche Stunden verbringen. Der Architekt des Hanauer Büros „Urban Concept“ leitet den Umbau des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes und hat dabei schon einige Herausforderungen zusammen mit den Handwerkern gemeistert. Dazu gehört das Trockenlegen des nassen und nach Jahrzehnten der Bierherstellung mit einem hohen Salzgehalt versehenen Ziegelsteinmauerwerks. Dafür sei eine sogenannte Horizontalsperre im Erdgeschoss eingebaut worden. Was so einfach klingt, bedeutet nichts anderes, als dass das komplette Gebäude einmal horizontal durchgesägt worden ist und mit einem Kunststoffplatten-System abgedichtet wurde. Mit der ebenfalls neuen Bodenplatte bilde diese Konstruktion nun eine Art Wanne, so De Tina.

Während im Gebäude alles seinen vorgegebenen Weg geht, gibt es beim Bebauungsplan „Michelsbräu“ (siehe Infokasten „Michelsbräu-Gelände“) noch Fallstricke. Einer davon ist die Stellplatzsatzung. Dort gibt es zwischen der Stadt und der K&S-Gruppe noch keine Einigung. Wie K&S auf Anfrage berichtet, beruft sie sich auf den aktuellen städtische Stellplatzschlüssel, der für Altenwohnungen pro Wohneinheit 0,2 Stellplätze vorsieht. Mache bei 27 Apartments aufgerundet sechs Stellplätze. Die Pläne von K&S sehen bereits 15 Plätze vor, doch die Stadt fordere 27, da das Bauprojekt nicht als rein altengerechtes Wohnen eingestuft werde.

Wie Bürgermeister Joachim Knoke auf Nachfrage berichtet, lasse eine Klausel in der Satzung eine größere Stellplatzzahl zu, gerade weil eben davon ausgegangen werden müsse, dass es pro Wohneinheit ein Auto geben wird. Die Zahl von 0,2 Stellplätzen resultiere aus einer anderen Zeit. Auch deshalb sei eine neue Stellplatzsatzung in Arbeit, die im kommenden Jahr verabschiedet werden soll. Für die aktuelle Diskussion beim Michelsbräu-Gelände setzt er weiter auf gemeinsame Gespräche, um eine Lösung zu finden.

Die wünscht sich auch die K&S-Gruppe, macht aber auch deutlich, dass sie im Zweifelsfall das Vorhaben fallen lassen wird. Sie verweist darauf, dass sie das Grundstück mit einem vertraglichen Rücktrittsrecht erworben habe, das beansprucht werden kann, wenn sich das Projekt nicht, wie von der K&S-Gruppe geplant, umsetzen lasse.

VON NORMAN KÖRTGE

Das Wohngebiet Kaisergärten auf dem ehemaligen Kasernenareal in Babenhausen nimmt weiter Formen an.

Im Frühjahr soll der Bebauungsplan endlich Rechtskraft erlangen.

Quelle: op-online.de

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