Übung an Lkw ist kein Tagesgeschäft

Feuerwehr befreit eingeklemmte Person

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Für die Feuerwehr ist es schwer, an Unfallfahrzeuge von Lkw heranzukommen, um üben zu können. Dieses Führerhaus gab es bei Ebay.

Babenhausen - Das instabile Lkw-Führerhaus wird mit einem langen Gurt gesichert, ehe die Feuerwehrleute vorsichtig die Scheibe des ramponierten Unfallfahrzeugs entfernen. Sie stehen dabei auf einer Rettungsplattform, um auf einer Höhe mit der Beifahrerscheibe des Lkw zu sein. Von Petra Grimm

Ziel ist, das verbeulte Fahrerhaus so weit mit einem Rettungsspreizer und einer Schere zu öffnen, dass die darin eingeklemmte Person befreit werden kann. Je nachdem wie der Notarzt die Lage einschätzt, muss das im Ernstfall sehr schnell gehen, die Tür und möglicherweise auch das Dach entfernt werden. Ausbilder Achim Frankenberger, der gemeinsam mit Wehrführer Florian Sawallich diese Übungsstation betreut, zeigt den Feuerwehrleuten, wo und wie die verschiedenen Rettungsgeräte angesetzt werden müssen, dass der eingeklemmte Fahrer durch die Befreiungsaktion keinen zusätzlichen Schaden nimmt.

Am Freitag und Samstag übten über 40 Babenhäuser Einsatzkräfte, kulinarisch unterstützt von ihrem Küchenteam, zwei verschiedene Szenarien in Theorie und Praxis. Neben der technischen Hilfeleistung am Lkw auf dem Hof des Stützpunktes ging es in Langstadt in der ehemaligen Sargfabrik um eine erschwerte Atemschutzübung, bei der in dem verrauchten, weitläufigen Gebäude vermisste Menschen zu finden waren. An dieser Station waren Stadtbrandinspektor Mario Wörner und Bernd Wagner als Ausbilder im Einsatz.

Um den Herausforderungen des Ernstfalls möglichst nahe zu kommen, waren die Atemschutzmasken sogar zugeklebt. „Denn auch in der Realität gibt es Situationen mit null Sicht, und die Rettungskräfte müssen sich auf dem Boden kriechend und tastend auf die Suche nach Vermissten machen“, erklärte Pressesprecher Werner Flechsenhar. Zur Überraschung der Teilnehmer gab es in Langstadt am Nachmittag noch einen erweiterten Übungsteil. Zu diesem großen Brandangriff wurden zusätzlich Langstädter und Harpertshäuser Kameraden alarmiert.

Katastrophenschutz und Feuerwehr üben in Babenhausen

Während Rettungsarbeiten an Pkw nach einem Unfall oder bei einem Übungsszenario durchaus zum „Tagesgeschäft“ der Babenhäuser Feuerwehr gehören, sind Übungen an einem Lkw wegen fehlender Trainingsobjekte kaum möglich. „Hier stehen wir aber ganz anderen Materialien und Dimensionen gegenüber als bei einem Auto“, sagte Flechsenhar.

„Wir haben heute allgemein das Problem, an Unfallfahrzeuge heranzukommen, an denen wir üben können. Und wenn wir welche bekommen, sind die Fahrzeuge meistens so alt, dass das Material und die Technik nicht den heutigen Autos entsprechen. Wir hinken als Feuerwehr bei unseren Übungen dadurch immer hinterher. Fahrerkabinen von Lkw bekommen wir eigentlich überhaupt nicht überlassen“, sagte Florian Sawallich und erzählte von dem Glücksfall, der jetzt dazu führte, dass die Truppe ein Lkw-Führerhaus zerlegen konnte: „Wir haben dieses Fahrerhaus bei Ebay für einen Euro bekommen und in der Nähe von München abgeholt“.

Quelle: op-online.de

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