Einzige Feuerwehrfrau unter 71 Männern

Immer da, um zu helfen

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Ihren Piepser trägt sie Tag und Nacht bei sich. Als Feuerwehrfrau scheut Pia Flechsenhar keine Gefahren. Bei der Feuerwehr aktiv sein können nicht nur Männer. Pia Flechsenhar behauptet sich dort unter 71 Männern.

Babenhausen - Es ist 3 Uhr in der Früh. Plötzlich schrillt der kleine Piepser neben ihr auf dem Nachttisch. Pia Flechsenhar ist sofort hellwach, zieht sich innerhalb weniger Minuten an. Adrenalin schießt durch ihren gesamten Körper, sie weiß: Jetzt muss es schnell gehen. Von Corinna Hiss

Einsätze wie solche sind für die 22-Jährige nichts Ungewöhnliches. Und auch wenn sie mitten in der Nacht mit der Feuerwehr ausrückt, kann sie sich danach nicht mehr ausruhen. Tagsüber arbeitet sie als Wirtschaftsprüferin bei Nintendo in Großostheim, abends und nachts rettet sie, wenn nötig, als Feuerwehrfrau Leben. „Es ist ein gängiges Klischee, dass diese Arbeit reine Männersache ist“, sagt sie selbstbewusst. Tatsache ist aber, dass bei der Freiwilligen Feuerwehr Babenhausen nur zwei Frauen aktiv sind. Dabei ist sich Pia Flechsenhar sicher: „Wir können genauso helfen wie das stärkere Geschlecht.“ Der Dienst bei der Feuerwehr hat bei den Flechsenhars Tradition, Vater Werner ist selbst seit Jahren aktiv und zudem Pressesprecher. Pia selbst hat mit zehn Jahren bei der Jugendfeuerwehr angefangen, wurde dann 2008 in die Einsatzabteilung befördert. Regelmäßig nimmt sie an professionellen Schulungen teil, um noch besser auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. „Gefahr ist immer gegeben, deshalb ist Wachsamkeit beim Einsatz oberstes Gebot“, sagt sie.

Retten, Bergen, Löschen, Schützen

Retten, Bergen, Löschen, Schützen – Pia Flechsenhar ist überall dabei, soweit es ihre Arbeit als Wirtschaftsprüferin zulässt. Dabei ist sie nicht nur für Menschen da, auch für Tiere rückt die Feuerwehr aus. „Einmal haben wir ein Pferd gerettet, das bis zum Hals in Gülle eingesunken war“, erzählt sie, so als ob es sich um etwas Alltägliches handelt. Erst am Montag haben mehrere Männer einen Graureiher aus der Gersprenz gezogen, der sich zwei Mal den Flügel gebrochen hatte. Nicht selten kommt es auch vor, dass besorgte Anwohner anrufen, weil sie eine Schlange in ihrem Garten entdeckt haben.

Wenn der Piepser geht, füllt sich die Stützpunkt, der für die Kernstadt zuständig ist, binnen weniger Minuten. Die Männer strömen in die große Umkleidekabine, die der einer Sporthalle ähnelt. Pia Flechsenhars Kabine liegt direkt daneben, ähnelt von der Größe aber eher einer Abstellkammer. Jeder hat seinen eigenen Spint, seine eigene feuerfeste Hose und Einsatzjacke. Damit es im Ernstfall schneller geht, sind die Stiefel und die Hose bereits so positioniert, dass sie nur noch reinschlüpfen und sie hochziehen muss. Es dauert keine zwei Minuten, dann ist die Babenhäuserin fertig zum Ausrücken. Mit offenen Stiefeln rennt sie zum Einsatzauto Nummer 1-46, die Schuhe werden auf der Fahrt zugeschnürt.

Feuerwehr und Katastrophenschutz im Einsatz

Feuerwehr und Katastrophenschutz im Einsatz 

Besonders angespannt ist die Stimmung, wenn sie zu einem Autounfall fahren. „Sind Personen eingeklemmt, kommen die Rettungsschere und der Spreitzer zum Einsatz“, sagt sie. Verletzte Personen, Blut, im schlimmsten Fall Leichen – auf solche Szenarios müssen die Feuerwehrleute gefasst sein. „Mit solchen Situationen lernen wir, umzugehen“, erzählt die junge Frau, denen diese Bilder keine Albträume mehr bereiten. Was nach einem Einsatz bleibt, ist trotz mancher erschreckender Momente, trotz Anstrengung und möglicher Gefahren die Gewissheit, alles für die Rettung getan zu haben. „Ich bin da, um zu helfen, und das ist das Schönste Gefühl überhaupt“, strahlt Pia Flechsenhar.

Quelle: op-online.de

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