LSC befürchtet das Aus einer fast 100-jährigen Tradition

Ist die Fliegerei noch zu retten?

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LSC-Vorsitzender Wulf Heintzenberg (kleines Foto, links) und langjähriges Mitglied Michael Reining hoffen, dass die Segelflieger-Tradition in Babenhausen nicht zu Ende geht.

Babenhausen - Des einen Freud, des anderen Leid: Während sich fast ganz Babenhausen freut, dass das Kasernengelände nun nach und nach eine zivile Nutzung erfährt, bangt der Luftsportclub nach wie vor um seine Existenz.

Eine von mehreren Motormaschinen des Luftsportclubs Babenhausen.

Auf dem „Exert“, wie das Gelände hinter der Kaserne im Volksmund genannt wird, ist seit 1923 die Fliegerei zu Hause. Der Flugplatz in Babenhausen wurde bereits 1923 von der Akaflieg Darmstadt für erste Flüge genutzt. Der 1951 gegründete Luftsportclub Babenhausen (LSC) nutzt diesen seit mittlerweile 66 Jahren.
Die Tage auf dem Gelände scheinen allerdings gezählt. Wie berichtet, ist dem LSC von der Bundesanstalt für Immobilienaufgabe im Vorfeld des Verkaufs an die Investoren das Nutzungsrecht gekündigt worden. Die Kündigung kam für den Club nicht überraschend, da ein Nebeneinander von Wohn- und Gewerbeflächen von vornherein erst einmal ausgeschlossen worden war. Die Investoren – die Unternehmen Aumann aus Babenhausen und Revikon aus Gießen – haben wiederum für den LSC das Nutzungsrecht verlängert. Gekündigt worden ist zum 30. Juni 2018.

„Es ist nicht so einfach, etwa 200 Mitglieder und die vorhandene Flugzeugflotte unterzubringen“, sagt LSC-Vorsitzender Wulf Heintzenberg. So habe beispielsweise der Betreiber des Flugplatzes Großostheim keine Möglichkeit gesehen, dem LSC langfristig eine neue Heimat zu geben. „Die Fliegerkollegen von nebenan haben uns in einer Notsituation Hilfe zugesagt, sodass wir sicher vorübergehend einige Flugzeuge abstellen können, aber einem ganzen Verein samt Flotte eine neue Heimat zu geben, ist eben doch etwas anderes,“ ergänzt Michael Reining, seit fast 50 Jahren aktives Mitglied des Vereins und tätig in der Arbeitsgruppe, die nach Ausweichmöglichleiten sucht. Zur Vereinsflotte gehören nach Auskunft von Heintzenberg neun Motorsportflugzeuge, drei Motorsegler, drei Ultraleichtflugzeuge und acht Segelflieger.

Da ein Umzug aus Platzgründen auf einen benachbarten Flugplatz wohl nicht mehr in Frage kommt, bleiben dem LSC nach derzeitigem Stand nur zwei Alternativen. Optimal wäre es, das bestehende Gelände weiter nutzen zu können. „Wir sind uns natürlich klar darüber, dass der Erfolg der Kasernenkonversion dadurch nicht gefährdet werden darf. Aber wir können uns schon vorstellen, dass wir mit reduzierten Flugzeiten, besonderen Schallschutzmaßnahmen und einer Begrenzung der Anzahl an Flugbewegungen eine Lösung finden können, die für alle Beteiligten akzeptabel ist“, sagt Heintzenberg.

Die andere Option wäre, ein neuen Fluggelände zu erschließen. In Betracht käme nach Auskunft des LSC-Vorsitzenden ein Gebiet bei Harreshausen. Ob dies realisiert werden könne, hänge unter anderem an naturschutz- und baurechtlichen Bestimmungen und letztendlich wäre es auch eine Frage der Finanzierung. Schlimmstenfalls müsse damit gerechnet werden, dass der Verein aufgelöst werden muss, weil viele Mitglieder mangels Alternative ausscheiden um zu anderen Vereinen zu wechseln, sagt Heintzenberg.

Der Verein hat sich deshalb an die im Stadtparlament Babenhausen vertretenen Partei- und Fraktionsvorsitzenden gewandt und hofft auf breite Unterstützung für den traditionsreichen Verein. Bislang gebe es zumindest von einer Fraktion die Bereitschaft zu einem Gespräch, berichtet der Vorsitzende.

Im Ortsbeirat der Kernstadt konnte der LSC in der vergangenen Woche die Problematik ausführlich schildern, Ergebnisse gab es nicht. Auch im am vergangenen Donnerstagabend tagenden Kasernenausschuss war der Flugplatz kurz Thema. Wie Heintzenberg dort aber noch einmal ausdrücklich sagte, sollen erst einmal die Stadt beziehungsweise die Lokalpolitik eine Entscheidung treffen, inwiefern sie den LSC unterstützen möchten oder können.

Flugsicherung warnt vor Drohnen-Gefahren für den Luftverkehr

Bis Mitte 2018 werde der LSC Babenhausen auf jeden Fall weiter fliegen und wie bisher die Ausbildung zum Privatpiloten anbieten, so Heintzenberg. Mitglied Michael Reining, der seit 48 Jahren in Babenhausen seine Fliegerheimat hat, würde jedenfalls nur zu gerne in gut eineinhalb Jahren sein Jubiläum als aktiver Pilot in Babenhausen begehen – und wenn dann noch geflogen wird, könnte die Stadt in sechs Jahren, also 2023, 100 Jahre Fliegerei in Babenhausen feiern.

„Babenhausen ist eben nicht nur eine Pferdestadt, sondern auch eine Fliegerstadt. Die Fliegerei ist untrennbar mit Babenhausen verbunden“, ist die gemeinsame Meinung von Wulf Heintzenberg und Michael Reining. (nkö)

Mehr Informationen: www.lsc-babenhausen.de.

Quelle: op-online.de

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