Auf postalischer Spurensuche

Frühjahrstagung von Thurn und Taxis  

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Eine Ansichtskarte mit dem Babenhäuser Schloss. Verschickt worden ist sie im Jahr 1902.

Babenhausen - Zu ihrer Frühjahrstagung hat sich die Arbeitsgemeinschaft Thurn und Taxis in Babenhausen getroffen. Der Verein, der sein 50-jähriges Bestehen seit der Wiedergründung feiert, befasst sich mit der Erforschung der Postgeschichte und der Philatelie der Thurn- und Taxisschen Zeit. Von Petra Grimm  

Mit dabei ist Heimatforscher Harald Heckwolf. Der spannenden Historie der Post in Babenhausen und dem Engagement von Harald Heckwolf ist es geschuldet, dass die Frühjahrstagung der Arbeitsgemeinschaft Thurn und Taxis in der Gersprenzstadt stattgefunden hat. „Wir haben rund 180 Mitglieder in ganz Deutschland, den benachbarten europäischen Ländern und den USA“, berichtet der Hergershäuser, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Inge die dreitägige Veranstaltung für die 40 angereisten Mitglieder vorbereitet hatte. Neben der Jahreshauptversammlung, einem Fachvortrag und der vereinsinternen Auktion gehörten ein Ausflug nach Seligenstadt und eine von Heckwolf geführte Tour durch die Babenhäuser Altstadt zum abwechslungsreichen Programm.

Im Vordergrund stand dabei die von Heckwolf recherchierte Geschichte der Post in Babenhausen. Denn schon lange bevor Franz von Taxis im 15. Jahrhundert auf Anordnung von Kaiser Maximilian I. begann, das heutige Postwesen in Europa aufzubauen, finden sich ab 1385 in Babenhausen erste postalische Spuren. Im Frankfurter Botenbuch wird ein Bote für den Gang nach Babenhausen genannt. 1685 werden die herrschaftlichen Botengänger Konrad Klein und Christian Ethner erwähnt.

Philipp Rose, ein Vorfahre der ehemaligen Stadtarchivarin und Ende 2015 verstorbenen Ehrenbürgerin Ria Fischer, wurde im November 1811 zum ersten Postexpeditor in Babenhausen ernannt. Sitz der neuen Postexpedition war das Gebäude in der Amtsgasse, in dem heute das Territorialmuseum untergebracht ist. Neben der neuen Aufgabe war Philipp Rose Gaylingscher Fruchtspeicherverwalter. Auch sein Nachfolger, Apotheker Gravelius, betrieb diese Postexpedition im Nebenerwerb, so die Recherchen von Heckwolf.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Bis zur Auflösung der Thurn und Taxisschen Post vor 150 Jahren erfolgte die Verteilung der Post in der Region zu Fuß durch Botengänge, die durch den Landrat organisiert wurden. „Dabei gab es einen straffen Zeitplan, wie Unterlagen aus dieser Zeit zeigen“, so der Heimatforscher. Die „Dienstsachen“ öffentlicher Einrichtungen, beispielsweise der Städte und Kirchengemeinden, wurden kostenlos transportiert. Privatleute zahlten Porto und Botenlohn. Beim Postkutschenkurs, der zwischen Seligenstadt und Dieburg verlief, war Babenhausen eine von vier Stationen. Gewechselt wurden die Pferde nur in Dieburg und in Seligenstadt.

Der Stadtrundgang der Tagungsteilnehmer in Babenhausen endete an der heutigen Gaststätte „Hanauer Tor“. Hier war eine Wachstube, wo die Witwe Bassermann das städtische Wegegeld kassierte. „Das wurde für die Nutzung der Straßen und auch für die Bewachung der Kutschen erhoben“, erklärt Heckwolf.

Mit der Eröffnung der Rhein-Main-Bahn und der Odenwaldbahn endete diese Postkutschenverbindung endgültig. Die Post wurde dann mit der Bahn transportiert. „Nach der Auflösung der Thurn und Taxisschen Post im Jahr 1867 wechselte die postalische Zuständigkeit über Preußen, Norddeutscher Postbezirk, Deutsches Reich bis hin zur Deutschen Post“, sagt Heckwolf, der sich wie die anderen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft nicht nur für Briefmarken und Poststempel begeistert, sondern auch für die weiteren Facetten der Postgeschichte. Zwei Mal im Jahr trifft sich die Arbeitsgemeinschaft. In diesem Jahr wird auch an den 500. Todestag von Franz von Taxis erinnert.

Quelle: op-online.de

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