Corona-Krise

Babenhäuser Gastronomen: Rumgeeiere geht an die Substanz

Rund um „Antje‘s Café und Pfannkuchenhaus“ sind die Tische mit rot-weißem Flatterband eingebunden. Die Besitzerin sehnt dem Start der Außengastronomie entgegen.
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Rund um „Antje‘s Café und Pfannkuchenhaus“ sind die Tische mit rot-weißem Flatterband eingebunden. Die Besitzerin sehnt dem Start der Außengastronomie entgegen.

Die Gastronomen in Babenhausen sind verunsichert. Einige haben sich schon gefreut, ihren Außenbereich wieder öffnen zu dürfen – jetzt bleibt doch alles zu.

Babenhausen – Allmählich wird das Wetter besser, der Frühling macht Appetit auf Neues – und auf Leckeres. Eis-essen – die Kugeln aus dem Topf direkt auf die selbstgebackene Waffel in der Hand wie im Babenhäuser „Gleis 20“ – ist wieder möglich. Die Außengastronomie, die eigentlich ab Montag öffnen sollte, bleibt jedoch dicht. Zu hoch sind den Politikern die Inzidenzen.

„Es ist eine riesige Katastrophe“, meint Antje Ritzel von „Antje‘s Café und Pfannkuchenhaus“. Insbesondere das Rumgeeiere zerre ihr an den Nerven. Denn planen könne sie als Gastronomin so nichts. In verfrühter Freude auf gefüllte Tische vor ihrem Lokal in der Babenhäuser Bummelgass‘ habe sie etwas mehr Ware bestellt als für ihren Corona-Abhol-Service nötig – aber nichts war’s. Durch weise Voraussicht seien wenigstens nur haltbare Zutaten wie Mehl zu viel.

Babenhäuser Gastronomen in Sorge – „Mädels warten auf Wiedereinstellung“

„Meine Mädels warten auf Wiedereinstellung“, spricht sie ein anderes Thema an, dass ihr Sorgen bereitet. Ihre drei Mädels sind ihr festangestelltes Personal, dem sie Corona-bedingt kündigen musste. Trotz Kurzarbeit hätte sie die Lohnnebenkosten weitertragen und die Löhne bis zur Zahlung durch die Agentur für Arbeit vorschießen müssen. Sie sagt: Das hätte der Laden über so lange Zeit nicht gepackt – nicht allein durch das Mitnahmegeschäft am Wochenende, für das sich der Pfannkuchen-Profi entschlossen hat. So muss sie allein backen und machen, nur die Familie hilft. „To go unter der Woche hätte sich nicht rentiert“, erklärt sie ihre Entscheidung für Samstag und Sonntag zwischen 12 und 17 Uhr. Und von Ausliefern sei sie kein Fan. Zu lange dauerten solche Touren, bis der Einzelne sein Essen bekäme. Darunter leide die Qualität – gerade bei gefüllten Pfannkuchen im Pizzakarton. Noch kann man bei „Frau Antje“ neben Pfannkuchen, Porridge und Torten Frühstücksboxen für Ostersonntag und Ostermontag bestellen – einmal mit Lachs und einmal mit Wurst.

Gastronom aus Babenhausen versucht es mit Kreativität

Boxen – die sind genauso das Stichwort für den Hergershäuser Wirt Simo Il Mqadem, der „Simos Restaurant“ im Schützenhaus betreibt. Der aus Marokko stammende und in Frankreich gelernte Koch versucht mit Kreativität das Beste aus der Situation zu machen. Und im Moment setzt er dabei auf immer neu gefüllte Boxen. Zum Valentinstag gab es eine Luxusbox mit Rosen und Champagner, an Ostern plant er drei Menüs zur Auswahl: ein klassisches mit Osterbraten, ein marokkanisches und eins mit Fisch für Karfreitag, zählt er auf. Und bis Samstag ist vegetarische Woche mit entsprechenden Box-Füllungen.

Il Mqadem ist froh, auf dem Dorf zu arbeiten, sagt er. Er erfahre viel Hilfe. Zum Beispiel habe ihm der Schützenverein die Miete fürs Restaurant ausgesetzt. Wie Kollegin Ritzel lässt er seine Boxen nur vom Kunden selbst abholen, zu groß ist die Angst, mit gelieferten kalten Speisen zu enttäuschen. Und obwohl der seit Corona gar mit eigenem YouTube-Kanal für den Blick in die Küche ausgestattete Koch seine Gerichte immer gut loswird, kann er geradeso überleben. Denn 38 Prozent des Umsatzes kämen von den Getränken, die jetzt ja wegfallen.

Gastronom aus Babenhausen: „Ohne Getränkeausschank läuft nichts“

„Ohne Getränkeausschank läuft nichts“, bestätigt Marijo Colak, Chef vom „Goldenen Engel“ in der Stadthalle. Er biete seinen Abholdienst nur an, damit die Stammgäste seine deutsch-kroatische Küche in Erinnerung behalten, nicht, weil er finanziell ausreiche. Colak hofft, dass die Außengastronomie bald nach Ostern wieder öffnen darf – mit Getränken selbstverständlich. Dann hat er eine neue Brauerei an der Hand. Michelsbräu ist passé, Schlappeseppel aus Großostheim ist der Nachfolger. Auf zwei Terrassen kann also der Gerstensaft demnächst – so Corona es will – im „Goldenen Engel“ genossen werden, außer montags jeden Tag. Damit es bis dahin weitergeht, ist die Stadt dem Gastwirt mit der Miete entgegengekommen, erzählt dieser dankbar. Im Gegensatz zu Il Mqadem und Ritzel habe er auch schon die November- und Dezemberhilfe komplett erhalten, für die ersten drei Monate in 2021 erst einen Abschlag.

Im „Roten Hahn“, einem der Restaurant-Urgesteine in der Bummelgass’, hat man schon aufgehört zu hoffen. Man nimmt es, wie’s kommt – „was anderes kann man nicht machen“, sagt Angestellte Ena Topoljaka. So haben sie gar nicht wirklich erwartet, jetzt ihren Biergarten zu öffnen. Frühestens Mitte Mai rechnet Topoljaka mit der Rückkehr zum Normalbetrieb. Bis dahin können sich ihre Kunden die Leibspeisen abholen oder bringen lassen – ob Burger, Schnitzel, Pizza oder Cevapcici mit Djuvecreis. Auf Spezialitäten wie etwa argentinische Steaks müssen sie allerdings warten, bis wieder regulär auf ist. Als Trost-Schmankerl serviert das Restaurant zu Corona dafür auch mittags die Speisen auf Aluteller und Karton – vorher war erst ab 17 Uhr Betrieb in der Küche. Abends allein hätte sich nicht gelohnt, meint Topoljaka. Trotz aller Mühen sei es ein deutlicher finanzieller Unterschied zum Geschäft vor der Pandemie.

Im „Zum Hanauer Tor“ gibt es Mittagstisch. Was Michelsbräu nachfolgt, wird man sehen.

Corona hin oder her: Mit Unsicherheit leben muss „Der Elephant“ sowieso. Das Billardcafé inklusive gemischter Küche aus Pizza, Schnitzeln und einer von Chef Raghvir Sandhu indisch geprägten Küche soll im Zuge der Abrissarbeiten auf dem ehemaligen Iroplast-Gelände verschwinden – ein schon seit zwei Jahren angedachtes Szenario. Sandhu wird sich erst nach einer neuen Lokalität in Babenhausen umschauen, wenn es soweit ist, sagt er. Die zusätzliche Unsicherheit durch Corona beunruhigt ihn nicht. Sein Lieferservice läuft, zwischen 16 und 23 Uhr kann ebenfalls abgeholt werden. Die staatliche Dezemberhilfe hat er bereits erhalten, auf die für dieses Jahr wartet er noch.

Einige Gastronomen aus Babenhausen sind nicht traurig, dass Außengastronomie nicht öffnen darf

Im Gegensatz zu seinen Kollegen ist Tobias Metzler, Besitzer des Langstädter Landhotels „Zur Bretzel“ mit Restaurant, gar nicht traurig, dass die Außengastronomie nun doch nicht durchstarten darf. „Im Normalfall haben wir in unserem Biergarten an die 30 Plätze, durch die Corona-Regeln nur maximal die Hälfte – das hätte sich nicht rentiert“, findet er. Und die Anschaffung von umweltunfreundlichen Heizpilzen? Da hätte er eh nicht mitgemacht. Sein Glück ist, dass der Hotelbetrieb die Kosten deckt. Dadurch hat Metzler die Muße, sich im Restaurant um eine Umstrukturierung zu kümmern: Bei erlaubter Wiedereröffnung – er vermutet in Mai oder Juni – wird es mehr regionale Produkte geben: Fleisch vom Bauern im Odenwald und Eis von der Manufaktur Coccola in Benzheim.

Und für Karfreitag und Ostersonntag wechseln Drei-Gänge-Menüs in Vakuumbeuteln den Besitzer. Daheim ins Wasserbad – und fertig ist das Sonntagsfestessen. (zkn)

Bereits seit dem 15. März werden im Medizinischen Versorgungszentrum von Dr. Abrar Mirza in Babenhausen auf dem Michelsbräu-Gelände, Fahrstraße 83, kostenlose Corona-Schnelltest angeboten. Und das jeden Tag, auch am Wochenende, jeweils von 8 bis 18 Uhr.

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