Gewerbeverein und Einzelhändler optimistisch

Impuls durch Frequenzbringer

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An den Gewächshäusern deutlich zu erkennen – das Areal der Gärtnerei Grünewald entlang der geschwungenen Straße An der Stadtmauer. Auf dem Areal möchte ein Investor sowohl Mehrfamilienhäuser bauen als auch Flächen für Gewerbe anbieten. Rechts ist die katholische Kirche St. Josef, links oben die evangelische Stadtkirche mit dem davor liegenden Marktplatz zu sehen.

Babenhausen - An der Ecke der Martin-Luther-Straße mit der Straße An der Stadtmauer will ein Investor Platz für Wohnen und Gewerbe schaffen. In der Lokalpolitik ist das Projekt umstritten. Der Einzelhandel gibt sich gelassen. Von Norman Körtge 

Neuer Einzelhandel und Gewerbe auf dem Gelände der Gärtnerei Grünewald könnte die bestehenden Geschäfte in der Babenhäuser Altstadt, vornehmlich in der Bummelgass’, in die Bredouille bringen, gar die Existenz kosten. Dies ist einer der Kritikpunkte, die in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung dazu geführt haben, dass der Tagesordnungspunkt „Vorhabenbezogener Bebauungsplan Kirchgärten – Alte Gärtnerei“ nicht abgestimmt und schließlich auf die am Donnerstag, 1. Februar, stattfindende Sitzung verschoben wurde. Wie berichtet, kann Bürgermeister Joachim Knoke nicht nachvollziehen, warum kein Beschluss gefasst worden ist. SPD und Grüne kritisieren CDU und Freie Wähler für ihr Verhalten (siehe unten stehenden Bericht).

Der Einzelhandel in der Altstadt scheint das Neubauvorhaben in unmittelbarer Nähe zur Bummelgass’ aber überwiegend positiv zu sehen. Zum Beispiel Kati Mehler, Inhaberin eines direkt am Marktplatz gelegenen Dessous-Geschäftes. Eigentlich könne dies Babenhausen nur bereichern, meint sie, schiebt allerdings ein „aber“ hinterher: Wenn dort ein weiteres Wäschegeschäft aufmachen würde, fände sie das gar nicht gut. Es müssten dort Geschäfte rein, die es in der Bummelgass’ noch nicht gibt. Ein weiterer Optiker oder eine Bäckerei wären demnach ebenfalls kontraproduktiv.

So sieht es auch Gewerbevereinsvorsitzende Silke Kasamas. „Es muss darauf geachtet werden, dass kein Einzelhandel mit einem Sortiment einzieht, das es so bereits in der Altstadt gibt“, sagt sie. Spontan falle ihr – auch wenn sie nicht weiß, ob es sich überhaupt realiseren lasse – ein Fachgeschäft für den Reitsport ein. Babenhausen rühme sich ja, Pferdestadt zu sein. „Da wäre dies ein gutes, weiteres Aushängeschild“, meint Kasamas. Und es würde auch Kundschaft von außerhalb anziehen. Sie würdigt, dass der Gewerbeverein bereits früh über das Vorhaben informiert worden sei und auch sehr offen kommuniziert wurde. Grundsätzlich findet sie es gut, wenn die Altstadt einen Impuls bekommt, vor allem wenn es in Form eines sogenannten Frequenzbringers wäre.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Der Eingang zur Bummelgass’ aus Richtung Bahnhof kommend.

Dies könne die Filiale einer großen Drogeriemarktkette sein, fällt Hans Merx nach kurzem Überlegen ein. Der Inhaber des gleichnamigen Schuhgeschäftes in der Bummelgass’ sieht das Bauvorhaben allerdings skeptisch. Nicht, weil er Konkurrenz scheut. Er hätte am liebsten Deichmann direkt auf der anderen Straßenseite, da dieser Laufkundschaft bringe und er sowieso anders aufgestellt sei. Merx ist skeptisch, ob überhaupt Geschäfte reinkommen. „Gibt es schon Interessenten oder gar Zusagen?“ – mit dieser Frage im Hinterkopf wird er jedenfalls am kommenden Montag zur Bürgerversammlung in die Stadthalle gehen. Dass dort viel Wohnraum geschaffen werden soll, begrüßt er zwar, aber es wird wohl nicht der so oft geforderte „bezahlbare“ sein, glaubt er. Und Merx fürchtet die Optik der Neubauten. Die sollen zirka 16 Meter hoch werden. „Passt das wirklich da hin?“, fragt er. Sicherlich eine der wichtigen Dinge, die auf der Bürgerversammlung angesprochen werden.

Zur Bürgerversammlung hat Stadtverordnetenvorsteher Friedel Sahm für kommenden Montag, 22. Januar, um 19 Uhr in die Stadthalle, Bürgermeister-Rühl-Straße, eingeladen. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Entwurfsplanung.

Quelle: op-online.de

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