Babenhausen

Heidegalerie: Jäten für die Blütenpracht

Bis es im Staudenbeet (oben) so blüht, dauert es noch gut einen Monat. Regelmäßig jätet Heide Jakob dort Unkraut, damit die Pracht gedeihen kann. Fotos: Körtge/Jakob
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Bis es im Staudenbeet (oben) so blüht, dauert es noch gut einen Monat. Regelmäßig jätet Heide Jakob dort Unkraut, damit die Pracht gedeihen kann. Fotos: Körtge/Jakob

Der Garten der Heidegalerie in Sickenhofen ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Damit es aber an allen Ecken blüht und summende Insekten ein Paradies vorfinden, muss viel Arbeit und Zeit investiert werden.

Babenhausen – Kaum tritt man ans Tor der Heidegalerie in Sickenhofen, steigt dem Besucher süßlicher Frühlingsduft in die Nase. Die Blüten des imposanten Schneeballstrauchs, der so heißt, weil die Dolden Schneekugeln gleichen, verströmen den lieblichen Geruch. „Normalweise hängen wir dort viele Ostereier auf. Aber in diesem Jahr war uns nicht danach“, erzählt Heide Jakob. Es sei jedenfalls nicht wegen der Coronavirus-Pandemie, beteuert sie. Die 71-Jährige ist bekannt für ihre natur-realistischen Gemälde und ihren wunderschön und vielfältig gestalteten Garten an der Harpertshäuser Straße.

Und diesen bearbeitet sie zusammen mit ihrem Mann Carl-Heinz seit fast auf den Tag genau 33 Jahren. „Wir sind in der komfortabeln Situation, dass wir viel Zeit haben“, sagt die malende Gärtnerin wohlwissend, dass ganz viel Arbeit und damit auch Zeit in das kleine Paradies gesteckt werden muss. Letztendlich ist es für die auch tennisspielenden Eheleute ein forderndes Fitnessprogramm mit strecken, heben und knien.

Letzteres vor allem beim regelmäßigen Unkraut jäten. „Ja, es gibt Unkraut“, erklärt die Naturliebhaberin und widerspricht damit einer oft getätigten Aussage, dass alles was wächst willkommen sei. Wer eine große Vielfalt haben möchte, der müsse das Entfernen, was irgendwann allen anderen den Platz wegnehme. Das in gut vier Wochen und dann bis in den Herbst hinein in voller Blüte stehende Staudenbeet ist der Beweis dafür. Nicht nur ein Augenschmaus, sondern Lebensraum und Nahrungsquelle für Bienen und Insekten. Bereits jetzt, wo unter anderem ein paar Narzissen, unzählige Traubenhyazinthen und Blausternchen den Frühling verkünden, tummeln sich dort bereits etliche Erdbienen.

Apropos Zeit: Auf Anregung unserer Zeitung hat Jakob ein Gartenpflege-Tagebuch geführt. „Das hat mir erst bewusst gemacht, wie viel Stunden ich im Garten verbringen“, berichtet Jakob und lacht. Der erste Eintrag datiert vom 16. Januar, als sie begonnen hat, trockene Stiele im Sonnenbeet zu entfernen und zum Beispiel Rispenhortensien zurückzuschneiden. Eine Arbeit, die auch in den folgenden Tagen und den ganzen Februar ansteht. „Ich lasse das über den Winter stehen, da dort Vögel Futter finden“, erklärt Jakob. Auch der März steht ganz im Zeichen des Zurückschneidens, Stutzens, Jätens und auch Düngerausbringens. „Es gibt sogenannte Starkzehrer, die brauchen zusätzliche Nahrung, sonst werden sie mickrig“, erzählt Jakob. Dabei fallen die Blicke auch auf Schneelinge, Krokusse, Christrosen und die Forsythie, die Ende Februar angefangen haben zu blühen.Schließlich auch die vielen Kamelien, für die Jakob ebenfalls bekannt ist. „Es ist eine Sucht“, meint Jakob und meint damit das Pflanzen, Pflegen und dann Bestaunen der Blütenpracht. Teilweise war es aber in diesem Jahr Trauerspiel. Die Frostnächte im März haben der Pracht geschadet. Aber noch gibt es etliche verschlossene Blüten, allen voran bei der Vorzeige-Kamelie „Blood of China“, die erst jetzt im April in voller Blüte stehen wird.

Nichts für zarte Gemüter und vermeintliche Gartenromantiker ist das Entleeren des Thermokomposters. Denn die bis zu fünf Zentimeter langen Würmer, die die Küchen- und Gartenabfälle zersetzen, müssen aufgesammelt und wieder in den Behälter gesetzt werden. Schwerstarbeit bedeutet das für den Ehemann, der die großen Kübel mit Komposterde an die Beete bringt, wo sie Heide Jakob einarbeitet.

Beigebracht hat sich Jakob übrigens alles selbst. Durch das Lesen von Büchern, viel ausprobieren und sich auf die Pflanzen- und Blumenwelt einlassen. Geprägt hat sie beim Lesen das „Das geheime Leben der Pflanzen“. Das Buch beschreibt Pflanzen als Lebewesen mit Charakter und Seele. „Ich rede nicht unbedingt mit Pflanzen, aber ich entschuldige mich, wenn ich Pflanzen in die Biotonne gebe“, sagt Jakob und schmunzelt.

Ein Besuch des Gartens wäre beim traditionellem Tag der offenen Tür „Kunst und Kamelien“ möglich, der für Sonntag, 26. April, geplant ist. Abgesagt haben ihn die Jakobs noch nicht, auch wenn die Wahrscheinlichkeit fürs Stattfinden sehr gering ist.

VON NORMAN KÖRTGE

Quelle: op-online.de

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