Es blühen und brummen lassen

Ökumenisches Dekanatsprojekt setzt sich für mehr Natur ein 

+
Der Eingangsbereich zum Gemeindezentrum St. Josef soll naturnaher gestaltet werden: Über Möglichkeiten referierte Biologin Eva Distler (links).

Beim Blick in viele private, öffentliche oder kirchliche Gärten und Grünanlagen offenbart sich zunehmend gepflegte Langeweile in Form von manikürten Rasenflächen oder bunten Betonplatten und gefärbtem Kies.

Babenhausen – In früheren Jahren musste man nach einer Fahrt über Land die Frontscheibe des Autos mühsam von den daran zerschellten Insekten befreien, heute bleibt die Scheibe sauber, weil es kaum noch Insekten gibt.

Die natürliche Pflanzen- und Insektenumwelt hat sich, zunächst kaum bemerkbar, jetzt aber unübersehbar, verändert. Bewirkt haben diese Veränderungen menschliche Eingriffe in natürliche Abläufe und die daraus resultierenden Zerstörungen altbewährter Nahrungsketten. Letztlich bedeuten weniger Pflanzenarten auch weniger Insekten, die wiederum lebenserhaltende Futtergrundlagen für viele Vogelarten sind. Geht diese Grundlage zurück oder gar verloren, schwindet auch so manche Vogelart.

Zunehmend findet man Aktionen, die den Bau von „Insektenhotels“ propagieren, um die bisherige Artenvielfalt in der Natur zu bewahren. Neuerdings sind sogar Entwicklungen erkennbar, wie Änderungen der Bauleitplanungen von Gemeinden und Städten, die eine weitere Bodenversiegelung in Vorgärten eindämmen sollen. Auch wenn es so erscheinen mag, naturnahe Gärten entstehen nicht, wenn man vorhandenes Unkraut einfach wuchern lässt. Was aber ist Unkraut? Was ist zu tun, um vorhandene Grünflächen zu erhalten, oder in eine naturnahe Grünfläche zu verwandeln? Das Evangelische Dekanat Vorderer Odenwald und das Katholische Dekanat Dieburg haben eine Aktion „Lasst es blühen, lasst es summen“ ins Leben gerufen und bemühen sich darum, Kirchengemeinden und andere Interessierte dafür zu gewinnen, Flächen nachhaltig zum Blühen zu bringen.

Sowohl beide Dekanate als auch der Landkreis und das Hessische Ministerium für Umwelt bieten hierzu finanzielle Unterstützung an. Fachliche Beratung haben sich die Dekanate in Person von Eva Distler gesichert. Die Biologin ist im Landkreis Darmstadt-Dieburg beheimatet und beriet am Dienstagabend die Teilnehmer an der öffentlichen Begehung des Geländes um die katholische Kirche St. Josef. Der Referent des Dekanats Dieburg, Andreas Reifenberg, begrüßte gemeinsam mit Margit Binz vom Dekanat Vorderer Odenwald die 20 Teilnehmer, unter denen auch Pfarrer Ferdinant Winter und Pfarrer Frank Fuchs weilten. Der mit Regenwolken bedeckte Himmel hielt sich geschlossen, während Distler den Teilnehmern Informationen darüber gab, was grundsätzlich bei einer Gestaltung von Grünanlagen zu berücksichtigen ist.

Neben der Bodenbeschaffenheit (mager oder fett) und bereits vorhandenen Pflanzen sind natürlich die Zielvorstellungen der Planer wichtig. Antworten auf Fragen wie „sollen die Grünflächen begeh- und bespielbar sein, oder sollen es abgegrenzte Flächen werden“ müssen ebenso beantwortet werden wie die Art der geplanten Bepflanzung (Wiese, Bäume, Sträucher), die wiederum abhängig von der Beschaffenheit des Bodens ist.

Nicht vergessen werden darf, dass es zur Umsetzung von Plänen auch „Macher“ braucht, möglichst auf freiwilliger Basis, damit die Kosten überschaubar bleiben. Konkrete Möglichkeiten wurden von der Biologin den Zuhörern aufgezeigt, auch solche, wo es „nur“ einer Ergänzung der vorhandenen Bepflanzung bedürfe. Verschiedene Möglichkeiten der Randbepflanzungen von Wegen oder entlang von langen, großen Mauern (Wildblumensäume) wurden ebenfalls angesprochen.

Konkrete Pläne zur Umgestaltung des Geländes um die Kirche St. Josef gibt es noch nicht, wie Pfarrer Winter betonte, „aber dieser Rundgang hat viele Möglichkeiten aufgezeigt“. Etwas weiter ist man in der Kirchgemeinde St. Wolfgang in Dieburg, wo noch in diesem Monat erste Maßnahmen umgesetzt werden sollen.

Infos zum Projekt

Margit Binz: Telefon: 0176/80546432, oekumene- vorderer-odenwald@ekhn-net.de;

Andreas Reifenberg: Telefon: 06071/8815885, dekanatsbuero@kath-dekanat-dieburg.de

VON PETER PANKNIN

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare