Peace-Ride

Jetzt geht's in den Knast

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Thomas Draxler auf der Papst-Harley: Der Peace-Ride-Initiator fuhr auf dem Kapellplatz in Altötting eine kleine Runde auf dem „Weißen Unikat“.

Mit dem Peace-Ride haben Jesus-Biker Thomas Draxler und seine Mitfahrer die Papst-Harley noch einmal nach Rom gebracht. Nun steht die Versteigerung an.

Schaafheim/Babenhausen – Nach der Pilgerfahrt ist vor dem Pilgern. Thomas Draxler hat in den vergangenen Tagen auf zwei ganz unterschiedliche Arten seinen Glauben zelebriert. Als Jesus-Biker führte der Schaafheimer den von ihm initiierten Peace-Ride mit der Papst-Harley nach Rom an und direkt im Anschluss ging es auf Schusters Rappen nach Walldürn. Zumindest von Draxlers Seite aus waren die zwei Fußetappen – 35 und 25 Kilometer lang – nach dem knapp 2 000 Kilometer-Motorradritt zum Petersplatz nicht vorgesehen. Ein Reifenplatzer am sechsten Tag der Friedensfahrt bedeutete für ihn, dass der im Anschluss geplante Motorradurlaub ausfallen musste. „Ich frage mich, warum etwas passiert“, erzählt Draxler im Nachgang und gibt die Antwort: „So bin ich zum ersten Mal zu Fuß nach Walldürn gepilgert.“

Thomas Draxler ist kein Mensch, der sich lange mit Vergangenem aufhält. Wer ihn nach Eindrücken und Erlebnissen des gut einwöchigen Peace-Rides von Schaafheim nach Rom befragt, dann erstrahlt zwar sein Gesicht mit einem vielsagendem freundlichen Lächeln, aber Antworten gibt es kaum. Auch, weil die Mission noch nicht abgeschlossen ist.

Ein Erinnerungsfoto der Peace-Ride-Fotografen: Die Babenhäuser René Pinto Goncalves (links) und Reinhold Blaha vor dem Kolosseum in Rom.

Das eigens bei Harley-Davidson Würzburg Village für den Peace-Ride konstruierte, mit christlichen Symbolen verzierte und von Papst Franziskus Ende Mai auf dem Petersplatz bereits signierte Motorrad, muss noch versteigert werden. Dafür haben Village-Geschäftsführer Christian Repp und die Jesus-Biker das internationale Auktionshaus Bonhams gewinnen können. Nicht in Paris, wie ursprünglich gedacht, sondern im Oktober in England wird die Versteigerung stattfinden, erzählt Draxler diese Woche. Bonhams sei gerade dabei, ein Exponat zu erstellen und dann in das Bewerben zu gehen. „Man hat uns abgeraten, ein Mindestgebot festzulegen“, erzählt Draxler. Umso größer ist nun die Mischung aus Vorfreude und Anspannung, ob der Wunsch nach einem Erlös von über 200 000 Euro zustande kommt. Denn damit soll ein Waisenhaus in Uganda errichtet werden. Als weiterer Anreiz stehe derzeit die Idee im Raum, das Waisenhaus nach dem Höchstbietenden zu benennen. „Wenn er das denn will“, so Draxler.

Die Messe in der Papstbasilika Sankt Paul vor den Mauern mit Pater Wallner gehörte zu den Höhepunkten der Friedensfahrt.

Der Medienrummel um die Papst-Harley und den Peace-Ride der Jesus-Biker bringen Draxler nun aber in den Knast. Unabhängig voneinander haben sowohl die Justizvollzugsanstalten in Dieburg und Aschaffenburg angefragt, ob er nicht zu Vorträgen kommen könnte. „Nach dem Peace-Ride kommt jetzt der Prison-Ride“, scherzt Draxler, der wie eigentlich bei allem auf Nachhaltigkeit setzt und an einem Konzept für die Gefängnisbesuche feilt. „Ich weiß zwar noch nicht wie und wann ich das alles leisten soll, aber es wird sich alles ergeben“, ist sich der gläubige Katholik sicher.

Einer der bewegendsten Momente für Fotograf Reinhold Blaha: Bei einem Gottesdienst in Assisi singen und beten die Peace-Ride-Teilnehmer. „Gelebte Gemeinschaft“, meint der Babenhäuser.

Jemand, der vom Peace-Ride auch Tage danach noch tief bewegt ist, ist Fotograf Reinhold Blaha. Der Babenhäuser, bekannt auch unter seinem Künstlernamen The Matrixer, war von Anfang an in das Projekt involviert, hat den Bau der Papst-Harley dokumentiert und nun auch den Peace-Ride. „Ich bin nicht zum Heiligen geworden, aber diese gelebte Gemeinschaft hat mich im Inneren zutiefst bewegt“, erzählt Blaha. In so vielen Kirchen und Gottesdiensten wie in der Friedensfahrt-Woche sei er in seinem Leben zuvor noch nicht gewesen. Besonders in Erinnerung, neben der brütenden Hitze, ist ihm eine Andacht in Assisi, dem letzten Etappenziel vor Rom. Nach einem Rundgang gab es einen Gottesdienst, in dem am Ende die Peace-Rider zusammenstanden, sich an den Händen hielten, Gebete sprachen und bei Gitarrenmusik das Lied „Hallelujah“ erklang. „In diesem Moment wurde mir richtig bewusst, wo ich mich befand und dass all diese Menschen vom Peace-Ride nur eines im Sinn haben: Helfen. Bei einigen liefen die Tränen. Für mich persönlich der ergreifendste Moment.“

Der Peace-Ride ging unter die Haut: Pressesprecher Thomas Sell hat sich eine bleibende Erinnerung stechen lassen.

Peace-Ride-Pressesprecher Markus Sell, der sich den Spruch „Thank the Lord for a sheltered Peace-Ride“ („Danke Gott für eine beschützte Friedensfahrt“) auf den Oberarm tätowieren ließ, fasst in seinem abschließenden Bericht zusammen: „Zwölf Tage gemeinsames Fahren, Beten und Feiern hat die Gemeinschaft wachsen lassen. Zwischenmenschlich, spirituell und im Überwinden von Grenzen wurden neue Maßstäbe gesetzt, die es nun gilt, am Leben zu erhalten und weiter zu pflegen.“

VON NORMAN KÖRTGE

Quelle: op-online.de

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