Kein Warten auf den Musen-Kuss

Poetry-Slamer Moritz Schnur textet übers Aufwachen und eine Liebe

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Texten am Laptop: Moritz Schnur hat den Poetry-Slam für sich entdeckt und feilt nun an Beiträgen.

Poetry-Slam ist in. Moritz Schnur aus Babenhausen textet übers Aufwachen und eine Liebe.

Harpertshausen – Den Moment, wenn man neben einem vertrauten und geliebten Menschen aufwacht zu beschreiben und die dabei dem Gehirn entspringenden Gedanken kunstvoll und detailreich in Worte zu fassen, ist schon nicht einfach.

Diese Intimität dann auch noch in aller Öffentlichkeit, auf einer Bühne stehend, sowohl lautstark als auch leise und gefühlvoll vorzutragen, können sich wohl nur die Wenigsten vorstellen.

Poetry-Slamer aus Babenhausen: Moritz Schnur für Text ausgezeichnet

Moritz Schnur hat es getan. Für den Harpertshäuser bedeutet dieses Gefühl von Geborgenheit beim Erwachen, zu Hause zu sein. Heimat eben. Und unter diesem Schlagwort lud die Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt zum Poetry-Slam-Wettbewerb „Südhessen slammt“. Schnur nahm erfolgreich daran teil. Die Jury zeichnete den 18-Jährigen für den selbst geschriebenen Text „Erinnerungen“ aus: „Ein sehr poetischer Beitrag über Familien- und Landidylle“, heißt es in der IHK-Mitteilung.

Knapp anderthalb getippte Seiten lang ist Schnurs Erstlings-Poetry-Slam-Werk. Der angehende Abiturient an der Dieburger Alfred-Delp-Schule hat zwar zuvor schon etliche Texte und auch Gedichte verfasst, aber an einen Vortragswettbewerb noch nicht teilgenommen. Doch dann entdeckte er den aufgehängten IHK-Flyer für „Südhessen slammt“ inklusive Workshop mit dem aus dem Odenwald stammenden hessischen Poetry-Slam-Meister Finn Holitzka. Mit Übungen und Beispielen führte dieser die Teilnehmer an den Dichterwettstreit heran. „Nicht auf den Musen-Kuss warten, sondern einfach drauf los legen“, sei eine Herangehensweise gewesen, erzählt Schnur.

Moritz Schnurs Liebe zum Formulieren und Spielen mit Worten wird deutlich

„Man muss auch mal total übertreiben, schnell und laut reden“, beschreibt Schnur eine der Herausforderungen, denen sich der eher ruhige und mit Bedacht äußernde junge Harpertshäuser stellen musste. Ebenso das detailreiche Beschreiben. Da stehe eben nicht nur ein Glas mit Wasser auf einem Tisch. Die Struktur des Glases wird beschrieben, es steigen Bläschen auf, der kleine Wasserfleck wird genannt, der beim Einschenken entstanden ist und nun auf dem von der Sonne ausgebleichtem Holz schimmert. Schnur findet mehr und mehr Einzelheiten und Facetten.

Seine Liebe zum Formulieren und Spielen mit Worten wird deutlich. Kein Wunder, dass ihm in der Schule die Fächer Philosophie und Ethik am Herzen liegen, auch noch der Leistungskurs Deutsch. Aber der zweite LK Biologie fällt aus dem Raster. Er macht keinen Hehl daraus, dass das nicht seine große Liebe ist. Sehr wohl aber Musik und Bewegung. Er spielt Schlagzeug beim Blasorchester Babenhausen, hat Gefallen gefunden an elektronischer Musik, tanzt gerne Standard und jobbt in einem Fitnessstudio.

Dazu gibt es aber eben auch das Kontrastprogramm: „Ich liebe die Ruhe“, sagt er. Die brauche er, wenn er schreibe. Zum Beispiel für einen erneuten Poetry-Slam. Holitzka hat ihn eingeladen, bei den geplanten Wettstreits in der „Krone“ in Darmstadt mitzumachen. Schnur kann es sich sehr gut vorstellen. Er hat Geschmack an der künstlerischen Freiheit gefunden.

VON NORMAN KÖRTGE

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Quelle: op-online.de

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