Kampf den Steinwüsten

Prüfantrag soll „Gärten des Grauens“ unter die Lupe nehmen

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Statt Steinwüsten wünscht sich die SPD-Fraktion blühende, insektenfreundliche Pflanzen in den Vorgärten Babenhausens.

Der NABU meint damit den bereits seit Jahren wahrnehmbaren Trend, Vorgärten mit Schotter, Kies und Steinen zu bedecken, anstatt sie zu bepflanzen.

Babenhausen - Modern, unkrautfrei und pflegeleicht sind die genannten Attribute zu den versteinerten Flächen vor den Häusern. Zum einen sicherlich eine Geschmackssache, zum anderen gibt es auch Widerstand: Einige Umweltminister der Länder haben im Mai bereits Kampagnen gegen die sterilen Steinvorgärten angekündigt. In Babenhausen hat sich nun die SPD-Fraktion dem Thema angenommen, unter dem Titel „Verbesserung des Stadtklimas“ einen entsprechenden Antrag formuliert und ihn in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung vorgestellt.

Demnach sollen zur Verbesserung des städtischen Mikroklimas sowie zum Arten- und Naturschutz in künftigen Bebauungsplänen vorgeschrieben werden, dass Vorgartenflächen, die nicht für Stellplätze in Anspruch genommen und entsprechend versiegelt werden, zu bepflanzen sind. „Das Anlegen von Steingärten ist nicht zulässig“, heißt es im Antrag. Außerdem soll das Begrünen von Carports und in Gewerbegebieten eine Fassaden- und/oder Dachbegrünung vorgeschrieben werden. Als Begründung führt die SPD-Fraktion unter anderem an, dass sich gerade im Sommer durch die Steine Flächen zusätzlich aufheizen würden und die Wärme in die eigentlich kühlende Nachtluft abstrahlt. Auch gehe Lebensraum für Insekten, insbesondere Bienen, verloren, so die Sozialdemokraten.

Weitere Abgeordnete signalisieren Zustimmung

Die CDU-Abgeordnete Heidrun Koch-Vollbracht signalisierte ihre Zustimmung, brachte allerdings auch Ergänzungen ins Spiel. Unter anderem, dass eine gleichlautende Regelung auch für bestehende Wohngebiete gefunden werden müsse. FDP-Abgeordnete Anja Geißler ergänzte, dass es sich um blühende und insektenfreundliche Pflanzen handeln soll und CDU-Politiker Reinhold Gottstein meinte, da es bereits Kommunen gebe, die solche Satzungen beschlossen haben, könne man sich dort informieren.

Von Christian Heinemann, Fachbereichsleiter Bauwesen, kam der Hinweis, dass bei neuen Bebauungsplänen es relativ einfach sei, solche Vorgaben zu machen, bei bestehenden Wohngebieten müsse man erst eine Rechtsform eruieren, die das möglich mache. Deshalb bat er auch darum, aus dem Antrag einen Prüfantrag zu machen, damit die Verwaltung entsprechende Möglichkeiten sondieren kann.

Es gibt auch Kritik

Kritik gab es aber auch. Zum einen von FWB-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Heil, der hinterfragte, wer das denn überhaupt alles kontrollieren solle und CDU-Politiker Horst Grimm, der vor einem Überreglementieren warnte. Zum anderen, zur Überraschung von SPD-Fraktionsvorsitzenden Jörg Kurschildgen, von Grünen-Fraktionschef Kurt Gebhardt, der von einem Scharmützel sprach, das nichts bringe. Es gebe viel größere Umweltprobleme: Als Beispiel nannte er die Feinstaubbelastung.

Ein redaktioneller Hinweis kam von Hermann Glaser, Ortsbeiratsmitglied aus Harreshausen: Echte und dementsprechend bepflanzte Steingärten seien eine sehr schöne Sache, reine Steinwüsten aber nicht.

VON NORMAN KÖRTGE

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