Investitionsstau

Sieben Brücken weniger - Stadtverordnete beschließen Abriss

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Die Westringbrücke über die Lache: Der für 2020 geplante Neubau kostet zirka 610 000 Euro.

Für 77 Brücken in Babenhausen und den Stadtteilen zeichnet die Stadtverwaltung verantwortlich. In den kommenden Jahren werden es weniger Fluss- und Bachquerungen sein.

Babenhausen – Nicht, weil die Fließgewässer kein Wasser mehr führen und man trockenen Fußes auf die andere Seite kommt, sondern weil sich die Stadt die Reparaturen beziehungsweise notwendigen Sanierungen nicht mehr leisten kann. In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung beschlossen die Lokalpolitiker, dass sieben Brücken zurückgebaut werden sollen, sobald sie auch von Fußgängern und Radfahrern nicht mehr gefahrlos genutzt werden können.

Bereits demontiert worden ist Anfang des Jahres der marode Holzsteg über den Richer Bach an der Bachstraße in Sickenhofen. Seitdem führt an dieser Stelle nur noch ein Balken mit einem Stromkabel über den Bach. „Kann entfallen, da über das vorhandene Wege- und Straßensystem die Erreichbarkeit gegeben ist“, heißt es in der Drucksache. Abgerissen werden sollen auch Gersprenzbrücken bei Harreshausen und Sickenhofen, eine Richer-Bach-Querung in Hergershausen, zwei Fußgängerstege über den Schüttgraben in Langstadt (beide bereits gesperrt) und die Wirtschaftswegbrücke über den Semmbach in Hergershausen.

Das Brückengeländer an der Fahrstraße soll dieses Jahr noch repariert werden.

Wie groß der Investitionsstau bei den Brückenbauwerken in Babenhausen ist, geht aus einem kürzlich erstellten Prioritätenverzeichnis eines Ingenieurbüros hervor. Für Neubauten, Sanierungen und Reparaturen wird eine Summe von 12,2 Millionen Euro genannt. Da derzeit jährlich 200 000 Euro für Brückenneubauten und 200 000 Euro für Reparaturen an Haushaltsmitteln zur Verfügung gestellt werden, beläuft der theoretische Abbaupfad für Investitionen (Neubau) bis ins Jahr 2028, für Reparaturen bis ins Jahr 2055. Generell rät die Stadtverwaltung dabei von einem starren Ablaufplan ab, sondern plädiert dafür flexibel und nach jeweiligen Einzelfallentscheidungen Reparaturen und Neubauten anzugehen.

Bereits im Bau befindet sich die neue Feldchenbrücke. In den vergangenen Wochen wurden Spundwände eingesetzt und vor wenigen Tagen der Überbau der alten Querung über die Gersprenz demontiert. Mit einem Kran wird der neue Überbau, der in zwei Teilen angeliefert werden soll, „eingeschwebt“, wie es im Fachjargon heißt. Voraussichtlich soll dies in der zweiten Augusthälfte geschehen. Abgeschlossen sein sollen die Bauarbeiten an der für die Landwirtschaft wichtigen Brücke allerdings erst gegen Ende des Jahres.

Die Brücke über den Richer Bach in Sickenhofen ist bereits abgebaut und wird nicht durch eine neue ersetzt.

Ebenfalls noch in diesem Jahr soll das Brückengeländer an der Fahrstraße über die Lache repariert werden. Genauer geprüft werden soll noch die Gersprenzbrücke am Schlossweg. Außerdem werden die Planungen für den Neubau der Westringbrücke über die Lache vorangetrieben, heißt es aus dem Rathaus. Auf 610 000 Euro werden die Kosten geschätzt. Die derzeit an der Fahrstraße aufgestellten Schilder („Westringbrücke gesperrt“) haben allerdings nichts mit dem Zustand des Bauwerks zu tun. Vielmehr werden im Westring Versorgungsleitungen erneuert.

VON NORMAN KÖRTGE

Quelle: op-online.de

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