Handwerk und Kreativität

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Handgebundene Bücher gehören ebenfalls zum Repertoire von Horst Käse.

Babenhausen - Seine Wohnung gleicht einer Galerie. Es gibt kaum ein Fleckchen an den Wänden, an dem kein Gemälde hängt. Von Petra Grimm

Über 1000 Bilder, darunter etwa 300 Ölgemälde, außerdem Aquarelle, Bleistift-, Kreide- und Kohlezeichnungen hat Horst Käse im Laufe seines Lebens gemalt und in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt.

Der gebürtige Frankfurter, der seit November letzten Jahres in Babenhausen zuhause ist, malt und zeichnet naturalistisch, und zwar fast alles, was das Leben so zu bieten hat. Landschaften, Tiere, Gebäude, Stillleben und Porträts bilden den Schwerpunkt. 25 Arbeiten des 72-jährigen Pensionärs, der seine Brötchen zuletzt als Dienststellenleiter der Steinbacher Post verdiente, sind derzeit in den Schaufenstern des früheren Tengelmann-Marktes in der Platanenallee zu sehen.

Mit zwölf nahm er erstmals an einer Austellung teil

Horst Käse mit einem neuen Bild.

Er hat früh begonnen, seine Kreativität auszuleben. Bereits im Alter von neun Jahren begeisterte er sich für das Zeichnen. Als zwölfjähriger Schüler nahm er erstmals an einer Ausstellung teil. „Das war ein Wettbewerb der Frankfurter Schulen. Ausgewählte Tierzeichnungen waren dann im Frankfurter Zoo-Gesellschaftshaus ausgestellt. Von mir war ein Bild mit einem Ochsenkopf dabei“, erzählt der Künstler, der mit 14 Jahren, während seiner Ausbildung zum Postbeamten, Unterricht bei dem Bad Homburger Kunstmaler Sebastian Muche nahm. Danach bildete er sich autodidaktisch weiter.

1977 war er an seinem damaligen Wohnort Mitbegründer des „Steinbacher Werkstattkreises“. In dieser Künstlergruppe, die jährlich eine Ausstellung macht, ist er immer noch aktiv. Auch dem Babenhäuser Künstlerstammtisch hat er sich gerne angeschlossen und freut sich über die Kontakte zu anderen Kreativen.

Horst Käse schreibt auch Bücher

Und der Mann kann nicht nur malen, sondern auch schreiben. Ein ganz besonderes Kleinod sind die neun, in niedriger Auflage von ihm selbst hergestellten Bücher, mit denen er seit 2006 seine Einzelausstellungen dokumentiert. In diesen handgebundenen Werken sind neben Abbildungen seiner Bilder auch dazu passende selbst geschriebene Gedichte zu lesen.

Dabei entdeckt man neben zeitlosen Themen, beispielsweise frühe Texte und Bilder über das Meer, die von Nordsee-Urlauben inspiriert wurden, auch tagesaktuelle politische Arbeiten. So hat er die Euro-Krise schreibend und malend „verarbeitet“ und spannt dabei einen Bogen von der griechischen Mythologie bis heute.

Zwei Bilder und Gedichte über Mütter und Kinder sind von seiner Wut inspiriert. „Die Amerikaner haben im Irak-Krieg eine ihrer Bomben als ´die Mutter aller Bomben´ bezeichnet. Das ist doch wohl unmöglich, den Begriff Mutter mit einer Bombe in Zusammenhang zu bringen. Das hat mich unheimlich aufgeregt damals“, erzählt Horst Käse.

„Die bildende Kunst besteht für mich aus einer handwerklichen und einer kreativen Ebene“, sagt Käse. Im Handwerklichen hat er sich auch durch das Kopieren von Bildern, vor allem in seiner Jugend, geübt. Der spanische Maler Salvador Dalí ist für Horst Käse einer der bedeutendsten Maler. „Bei ihm kommen handwerkliches Können und verrückte Ideen zusammen“, sagt er und zeigt ein eigenes Bild, auf dem er ein berühmtes Werk des großen Surrealisten kopiert und gleichzeitig verändert hat, indem er ein Porträt von Dalí integriert hat.

Horst Käses Schaffensdrang scheint enorm. Ein Kinderbuch hat er in jüngerer Zeit auch illustriert, ein zweites ist in Arbeit. Und aus Bildern mit Motiven seiner neuen Heimatstadt Babenhausen ist eine kleine Mappe mit sieben Postkarten entstanden, die im I-Punkt im Rathaus zu kaufen ist.

Quelle: op-online.de

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