Pflege muss sein

Infotafeln sollen auf wichtige Blühstreifen hinweisen

An einem Roggenfeld nahe der Ziegelhütte haben Kyra und ihr Vater Ralf Geißler eines der Schilder aufgestellt. Fotos: Grimm
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An einem Roggenfeld nahe der Ziegelhütte haben Kyra und ihr Vater Ralf Geißler eines der Schilder aufgestellt.

Es gibt gute Gründe, warum Blühstreifen an Feldrändern regelmäßig gemäht werden müssen. Kyra und Ralf Geißler haben Infotafel aufgestellt. 

Babenhausen – Blühstreifen an Weg- und Feldrändern erfreuen Auge und Gemüt und bieten Insekten Heimat und Nahrung. „Auch für Vögel, Hasen und Rehen sind sie wichtig. Denn sie finden hier Deckung und eine Rückzugsmöglichkeit“, sagen der Babenhäuser Ortslandwirt Ralf Geißler und seine Tochter Kyra. Gemeinsam haben sie in den vergangenen Tagen an vier verschiedenen Stellen in der Gemarkung – vor der Ziegelhütte, hinter der Edward-Flanagan-Schule, hinter dem Schloss und am Bahnübergang bei Sickenhofen Richtung Hardtsee – Informationstafeln aufgestellt, um die Bevölkerung über diesen besonderen Lebensraum aufzuklären.

Denn dass die Blühstreifen an Weg- und Feldrändern von den Landwirten gepflegt und deshalb gelegentlich auch gemäht werden, sorge bei manchen Bürgern für Unverständnis und habe im vergangenen Jahr sogar zu einem Brief mit Beschimpfungen gegen die Landwirte geführt, erzählt die angehende Agrarbetriebswirtin Kyra Geißler. Der Vorwurf: Durch das Abmähen würden die Landwirte die Biodiversität zerstören. „Wir wollen keine Insekten töten, wir brauchen die Bienen ja auch“, widerspricht die 22-jährige Babenhäuserin, die in wenigen Wochen an der Agrarfachschule in Griesheim ihre zweijährige Ausbildung abschließt.

Sie hat das Thema und den Brief in ihre Klasse getragen, wo andere Schüler über ähnliche Erfahrungen berichteten. Gemeinsam haben die angehenden Landwirte dann vier verschiedene Schilder entworfen, um aufzuklären, was sie bei der Wegrandpflege eigentlich tun und warum.

Damit immer ein Stück Blühstreifen für Insekten und andere Tiere stehen bleibt, wird abschnittsweise gemäht.

An 17 Standorten in ganz Hessen sind die großen Info-Tafeln inzwischen aufgestellt. Spaziergänger erfahren auf ihnen unter anderem, dass ein wichtiger Grund für das Mähen der blühenden Wegränder die Gefahr für das Getreide durch Giftpilze und Ähnliches ist. „Wenn beispielsweise der Roggen blüht und gleichzeitig auch Gräser, kann er durch die Gräserpollen befruchtet werden und es kann Mutterkorn entstehen. Dieses Mutterkorn ist hochgiftig für Mensch und Tier“, erklärt Kyra Geißler Deshalb müssten die Gräser am Feldrand zu bestimmten Zeiten gemäht werden, um ein Einwandern von Pflanzenkrankheiten auf die Ackerfläche zu verhindern und die Qualität des Getreides zu sichern.

„Wir mähen die Wegränder aber im Wechsel, sodass immer ein Stück für die Insekten und die anderen Tiere stehen bleibt“, erläutert Ralf Geißler die Pflegemaßnahme, bei der abschnittsweise gemäht wird, und zeigt im Feld nahe der Ziegelhütte auf nebeneinander oder gegenüber liegende gemähte und ungemähte Wegränder. Außerdem bräuchten die Pflanzen auf den Grünstreifen regelmäßig Erneuerung und auch die Verkehrssicherheit, beispielsweise die Einsehbarkeit in Wegkreuzungen, werde durch das Mulchen verbessert, argumentieren die Landwirte.

Eine Maßnahme zur Förderung der Biodiversität sind auch sogenannte Lerchenfenster, die Familie Geißler auf ihren Äckern anlegt. Die ungefähr drei mal zwei Meter großen Leerstellen in den Feldern dienen den Lerchen, die in Deckung des Getreides brüten, als sicherer Start- und Landeplatz.

Für Kyra Geißler, die im Sommer in den elterlichen Betrieb einsteigt und spürbar Freude an ihrer Tätigkeit hat, ist es wichtig, Vorurteile gegen die landwirtschaftliche Arbeit abzubauen und mehr Verständnis zu schaffen. „Ich bin offen für Fragen“, sagt sie lachend und fordert Spaziergänger ausdrücklich dazu auf, sie anzusprechen, wenn sie sie bei ihrer Arbeit auf dem Feld sehen: „Ich freue mich, wenn jemand nachfragt, denn es gibt viele falsche Vorstellungen.“

Quelle: op-online.de

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