Geht nicht, gibt’s nicht

Interims-Kita in Babenhausen - 60 Plätze müssen schnellstmöglich her

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Im Innenhof des Boarding House laufen bereits die Arbeiten für einen Spielplatz. 

In der Interims-Kita auf dem Kasernengelände wird kräftig gewerkelt, damit in wenigen Wochen dort die ersten Kinder betreut werden können. Die Lokalpolitik hat mit einem Beschluss eine der letzten Hürden aus dem Weg geräumt. 

Babenhausen – Monika Heinlein ist orientierungslos. Aber nur für einen kurzen Moment. Sie steht im Erdgeschoss des Boarding House und erkennt die Räume nicht wieder – weil Bauarbeiter seit ihrer letzten Visite in dem Kasernengebäude neue Wände eingezogen und vorhandene Türen zugemauert haben. Ein Zeichen dafür, in welchem Tempo die Arbeiten im Südflügel des Hauses vorangehen, um sie als Kindertagesstätte herzurichten, die spätestens im November ihren Betrieb aufnehmen und in den kommenden Monaten 60 Plätze (eine U3- und zwei Ü3-Gruppen) bieten soll. „Ich hätte am liebsten noch die Zehn davor“, sagt die CDU-Politikerin und Sozialausschussvorsitzende Heinlein und meint damit den Oktober als Eröffnungsmonat.

Nach wie vor gehört sie zu den Triebfedern hinter dem Projekt „Interims-Kita“, das schnellstmöglich Kita-Plätze schaffen soll. Mit Andreas Heymann hat sie einen kongenialen Partner an der Seite, der in den zurückliegenden Monaten seine Freizeit opferte, um die Gründung einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH) als Kita-Betreiberin voranzutreiben und vertraglich festzuzurren. Ganz nach dem Motto: Geht nicht, gibt’s nicht. Der Dank vieler Eltern ist ihm sicher.

Babenhausen: „Viel Herzblut“ in Vorhaben geflossen 

Und auch der Lokalpolitik: „Ich danke Ihnen im Namen aller Abgeordneten“, sagte Stadtverordnetenvorsteher Friedel Sahm (CDU) in der jüngsten Parlamentssitzung in Richtung des auf den Zuschauerrängen sitzenden Heymann, nachdem die Lokalpolitik – nach viel Diskussion – mit großer Mehrheit eine der letzten Hürde für den Start der Interims-Kita aus dem Weg geräumt hatte. Denn es galt einen Weg zu finden, den zukünftigen Kita-Betrieb in den Kaisergärten zu realisieren, ohne ein aufwendiges, teures und langes Vergaberechtsverfahren starten zu müssen, wie Bürgermeister Joachim Knoke (SPD) erklärte. Beteiligt gewesen seien Verwaltungsmitarbeiter, Juristen und eben ehrenamtliche Kräfte, die „viel Herzblut“ in das Vorhaben haben fließen lassen, mit dem Babenhausen „einen neuen Weg in der Kinderbetreuung“ gehe.

Neue Wände werden in die groß dimensionierten Bestandsräume eingezogen.

Im Kern geht es in der Beschlussvorlage darum, dass die Stadt vertraglich nur noch als Zuschussgeber fungiert. Die Kasernenkonversionsgesellschaft tritt als Vermieter der Immobilie auf, die wiederum einen freien Träger, in diesem Fall die gGmbH, mit dem Betrieb der Kita beauftragt. Mit dem Vertragskonstrukt kann die gGmbH auch ohne europaweite Ausschreibung Betreiber der in der ehemaligen Kasernen-Grundschule vorgesehenen regulären Kita „Kaisergärten“ werden.

Angesichts der Tragweite des Beschlusses – die Stadt wird mit steigender Gruppenzahl 2020 knapp 700 000 Euro, 2021 1,1 Millionen Euro, 2022 1,5 Millionen Euro und ab 2023 1,7 Millionen Euro zahlen – hätte Grünen-Politiker Manfred Nodes den kurzfristig eingereichten Antrag „sinnvollerweise“ gerne erst noch im Ausschuss besprochen und diskutiert. „Das ist wie eine OP am lebenden Herzen“, drückt er sein Unbehagen aus. Auch FWB-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Heil kritisierte fehlende Informationen und nicht nachvollziehbare Daten. Seine Fraktion sei für die Kita, aber sie wolle auch alle Infos. FDP-Fraktions-Chef Manfred Willand teilte die Bedenken der Grünen und der FWB.

„Viel Gelb und Grün – freundliche Farben“

CDU-Fraktionsvorsitzender Stephan Sawallich konnte die genannten Gründe nachvollziehen, da aber Neuland betreten werde, sei auch Mut und Vertrauen notwendig. Für Monika Heinlein war der Beschluss wichtig, damit Verträge mit Erziehern unterzeichnet werden können und eben zeitnah der Betrieb aufgenommen werden kann. SPD-Fraktionschef Jörg Kur-schildgen sprach von einem Vertrauensvorschuss, um den innovativen Weg zu beschreiten. CDU, SPD, FDP und eine Stimme aus den Reihen der Grünen (insgesamt 25 Angeordnete) votierten für den Antrag, Nodes (Grüne) stimmte dagegen, während sich FWB und ein Grüner enthielten. Der fraktionslose Adolf Breer nahm nicht an der Abstimmung teil.

Im Erdgeschoss des Boading-House-Südflügels entsteht die Interims-Kita.

„Viel Gelb und Grün – freundliche Farben“, verspricht Heinlein den zukünftigen Kindern und Eltern in der Interims-Kita, während sie durch die staubigen Räume läuft und Handwerkern ausweicht. Auch ein Elterncafé werde es geben. Heinlein vergisst nicht die wertvolle Arbeit von Beate Lüders zu erwähnen. Die Erziehungswissenschaftlerin, die 23 Jahre den Fachbereich Soziales in der Stadt Butzbach leitetet und in dieser Zeit am Umbau einer ehemaligen US-Kasernen-Schule in eine Kindertagesstätte mitwirkte, ist als freiberufliche Beraterin involviert und managt zusammen mit der bereits feststehenden Kita-Leiterin und zwei weiteren Erzieherinnen die Vorbereitungen. Dazu gehört Möbel bestellen und im ständigen Kontakt mit den Behörden wegen notwendiger Genehmigungen bleiben. Nach den Ferien soll eine erste Begehung stattfinden.

NORMAN KÖRTGE

Quelle: op-online.de

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