Vor 725 Jahren

Freiheitsrechte wie in Frankfurt

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König Adolf von Nassau überreichte diese Urkunde am 28. März 1295 dem Edlen Ulrich von Hanau.

Heute vor 725 Jahren verlieh König Adolf von Nassau dem Edlen Ulrich von Hanau Stadtrechte für das Dorf Babenhausen.

Babenhausen – Über der Eingangstür des nach dem Zweiten Weltkriegs wieder aufgebauten Rathauses ist die Zahl eingemeißelt: 1295. Es ist eine denkwürdige Zahl und ein wichtiges Jahr für das kleine Dorf Babenhausen, das schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein eigenes Gotteshaus aufweist. König Adolf von Nassau überreicht dem Edlen Ulrich von Hanau die Urkunde, dass das Frankfurter Recht jetzt auch für Babenhausen gilt. Künftig kann unter dem Schutze des Reiches mittwochs ein Markt abgehalten werden. Damit war die Grundlage für die Stadtwerdung Babenhausens gelegt.

Es ist der 28. März 1295. In der Kanzlei des deutschen Königs in Mainz wird die Urkunde auf Pergament angefertigt. Das Siegel zeigt eine männliche Figur mit Krone, Zepter und Reichsapfel, die auf einem zeitgenössischen Thron sitzt. Die Umschrift lautet: ADOLFUS DEI GRACIA ROM EX SEMPER AUGUSTUS (Adolf, von Gottes Gnaden Römischer König, allzeit Mehrer). Die Figur war 1995 auch das Logo des Festjahres „700 Jahre Stadtrechte“ und unter anderem auch in einen Stempel der Post integriert. König Adolf von Nassau hielt sich an diesem Tag des Jahres 1295 wegen eines Hoftages im Mainz auf und gewährte dem Edlen Ulrich von Hanau ein Privileg für dessen Ort Babenhausen.

Der Historiker Prof. Friedrich Battenberg, er wollte heute über dieses Privileg während der aus aktuellem Grund abgesagten Feierstunde „725 Jahre Stadtrechte Babenhausen“ sprechen, dazu: „Gewährt wurde ihm für diesen Ort die Einrichtung eines Wochenmarktes, der jeweils an einem Mittwoch stattfinden sollte, und zwar mit der Maßgabe, dass diejenigen, die dort Handel treiben wollten, unter dem Schutz des Reiches stehen sollten. Außerdem sollte dieses Dorf diejenigen Freiheitsrechte genießen, die der Königlichen und des Reiches Stadt Frankfurt zustehen.“ Und Battenberg fährt fort: „Dieser Freiheitsbrief wurde also nicht dem damaligen Dorf Babenhausen unmittelbar erteilt, sondern einem in der Gegend begüterten Vertreter eines hochadeligen Geschlechtes, dessen Dienste für den König damit belohnt werden sollten.“ Damit wurde der rechtliche Rahmen zur Verfügung gestellt, auf dessen Grundlage im Falle einer Umsetzung eine Stadt im Rechtssinne entstehen könnte. Die historische Situation war günstig, da sich hier drei alte Handelsstraßen kreuzten, nämlich solche in Richtung Aschaffenburg, Darmstadt, Frankfurt und Michelstadt.

„Mit dem Privileg“, so der Historiker weiter, „für seinen Stützpunkt Babenhausen in seinem Herrschaftsbereich südlich des Mains hatte er ohnehin seine Rechte in einem Teil des Bachgaus mit königlicher Autorität stabilisieren können. Er konnte damit zugleich die Grundlage für die spätere Grafschaft Hanau-Babenhausen beziehungsweise Hanau-Lichtenberg legen.“

Bei der Mehrzahl der „Stadtrechtsverleihungs-Urkunden“ in der Region ist auf das Frankfurter Recht verwiesen. Sie alle bilden zusammen die „Frankfurter Stadtrechts-Familie“. Einige Jahre später, es wurden bereits Mauern und Türme gebaut, erhielt Babenhausen sein Stadtwappen. Dieses Stadtsiegel wurde an 16. Januar 1310 durch Ulrich II., Herrn von Hanau, anlässlich seiner Vermählung mit Agnes von Hohenlohe gestiftet.

Alle Abbildungen von Adolf von Nassau sind keine wirklichen Bildnisse. Sie stellen oftmals nur einen Königstyp dar. Die älteste bekannte Darstellung aus Jahres 1556, sie befand sich in der Wiesbadener Mauritiuskirche, ist im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Jetzt hat der Archivar Rouven Pons vom Hessischen Landesarchiv eine noch ältere Darstellung von Adolf von Nassau in Südtirol entdeckt. Im Bischofssaal des Castello in Trient sind alle Trienter Bischöfe ab dem Jahre 1000 bis ins 16. Jahrhundert dargestellt. Und darüber sind gleichzeitig die regierenden deutschen Kaiser abgebildet. Interessant ist, dass auch Adolf von Nassau als König in die Reihe der deutschen Kaiser aufgenommen wurde. Er wird zwischen seinem Vorgänger Rudolf von Habsburg und seinen Nachfolger Albrecht von Österreich mit der Jahreszahl seines Amtsantritts 1292 sowie der Unterschrift „ADOLVUS REX COMES DE NASAV“ mit Königskrone, Kette und rosafarbenen Umhang dargestellt. Das Bildnis stammt von dem Hofmaler Marcello Fogolino und ist in den 1530er Jahren entstanden.

Nur wenige Jahre war Adolf von Nassau die Königswürde gegönnt. Am 5. Mai 1292 war er gewählt worden, im Jahre 1298 setzten ihn die Fürsten ohne den Bannspruch des Papstes ab. Wahrscheinlich hatten sie ihr „Bestechungsgeld“ nicht erhalten. Es wurde ein Gegenkönig aufgestellt: Albrecht von Habsburg. In der Folgeschlacht am Hasenbühl bei Göllheim fand Adolf von Nassau am 2. Juli 1298 den Tod.

Adolf von Nassau wurde zunächst im Zisterzienserkloster Rosenthal bestattet. Erst 1309 veranlasste König Heinrich, dass Adolf von Nassau im Dom zu Speyer neben dem 1308 verstorbenen Albrecht, seinem Nachfolger, zur endgültigen Ruhe gebettet wurde.

Der Domkapitular von Speyer, Johann Geissel, hat im Jahre 1835 eine 114 Seite starke Monografie über „Die Schlacht am Hasenbühl und das Königskreuz zu Göllheim“ veröffentlicht. Über den Tod von Adolf von Nassau schreibt er: „So fiel König Adolph in der Feldschlacht am Hasenbühl. Ein finstres Geschick riß den lebenskräftigen Helden und biderbritterlichen Fürsten seiner trüben Stunde entgegen, und stieß ihn, in der Vollkraft des männlichen Alters, von dem ersten Throne der Welt in die Gruft einer einsam gelegenen Klosterkirche, während es seinen Gegner, an seiner Stelle, zu Macht und Ehren erhob. Im Vergleiche zu Letzterem wäre er wohl eines besseren Looses werth gewesen.“

VON GEORG WITTENBERGER

Quelle: op-online.de

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