Ideen gibt es genug 

Jugendforum arbeitet emsig an einem besseren Lebensumfeld

Die Aktivisten vom Jugendforum mit Michael Spiehl (rechts) und Lara Kresz (Zweite von rechts) von der Kinder- und Jugendförderung. Foto: Grimm
+
Die Aktivisten vom Jugendforum mit Michael Spiehl (rechts) und Lara Kresz (Zweite von rechts) von der Kinder- und Jugendförderung. Foto: Grimm

Und es gibt sie doch: Junge Menschen, die sich unabhängig von einer Partei politisch engagieren und über ihren eigenen Tellerrand hinaussehen, um etwas zu verändern.

Babenhausen - Im Fall des Jugendforums Babenhausen lautet die Mission: Die Heimatstadt für Jugendliche attraktiver machen. Die Jugendvertretung, die anders als ein Jugendparlament kein gewähltes Gremium ist, sondern jedem offen steht und immer Mitstreiter sucht, besteht seit 18 Jahren und wird quasi „volljährig“.

„Wir wollen mitreden, mitentscheiden und etwas bewegen“, sagen die 14- bis 27-Jährigen. Der harte Kern besteht aus zwölf Leuten, die sich jeden Montag um 17 Uhr im Jugendzentrum treffen. „Weitere Jugendliche arbeiten projektbezogen mit“, erzählen sie beim Pressetermin, von dem sie sich auch einen größeren Bekanntheitsgrad erhoffen. „Wir haben festgestellt, dass viele Kommunalpolitiker gar nicht wissen, dass es uns gibt“, erzählt Steffi Roth empört.

Dabei organisiert die ehrenamtliche Truppe regelmäßig Kulturveranstaltungen, darunter Konzerte und Bildungsfahrten, außerdem in Zusammenarbeit mit der Band Precipitation „Das Freitagsding“, eine Veranstaltungsreihe mit wechselndem Motto. Ältere Babenhäuser profitieren seit vielen Jahren von der kreativen Tatkraft durch regelmäßige Handyworkshops für die Generation 50 plus. „Die sind immer schon lange im Vorfeld ausgebucht“, sagt Lara Kresz, die bereits als Teenager im Jugendforum mitgemischt hat und jetzt als Mitarbeiterin der städtischen Kinder- und Jugendförderung bei den Treffen dabei ist.

In diesem Jahr steht zudem das Thema Müll im Fokus. „Wir haben 5 000 Flyer drucken lassen, mit denen wir wilder Müllentsorgung und verdreckten Wertstoff-Sammelstellen entgegenwirken wollen. Außerdem arbeiten wir daran, dass die Stadt sich wieder an der kreisweiten, jährlichen Müllsammelaktion des ZAW beteiligt“, erzählen die Jugendlichen, die im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Nabu Bäume gepflanzt haben.

Ideen zur Verbesserung ihres Lebensumfelds haben sie offensichtlich genug. Und auch soziale Anliegen. So hat das Jugendforum in der Vergangenheit mehrere Freizeitanlagen durchgeboxt, darunter das Beachvolleyball-Feld im Schwimmbad, den Dirt-Park „Im Riemen“ oder auch den Bolzplatz im Erloch – oft gegen Widerstände und bürokratische Bremsen. Im Moment bemühen sie sich um einen neuen Platz für die vor einigen Jahren im Schwanengraben neben dem Schloss abgebauten Basketball-Körbe. Dabei lernen sie, dass konstruktive Vorschläge manchmal nicht ausreichen, um schnell zum Ziel zu kommen. Diverse Gremien und Zuständigkeiten gehören zum Wesen der Demokratie. Da heißt es, am Ball bleiben.

Eins ihrer Kernanliegen sei der regelmäßige Austausch mit dem Bürgermeister. Den Rathauschef brauchen sie, um ihre Anliegen und Ideen in die verschiedenen politischen Gremien zu tragen, sozusagen als Multiplikator. Dass Joachim Knoke sämtliche, eigentlich monatlich geplanten Treffen zwischen Februar 2019 und dem jüngsten Treffen vor einigen Tagen abgesagt hat, wird nur leise kritisiert.

Kein Zufall ist, dass in den Anfangsjahren Freizeitflächen im Fokus standen. Denn begonnen hat alles im Herbst 2002 mit einer Umfrage der städtischen Kinder- und Jugendförderung an den Babenhäuser Schulen („Was vermissen Jugendliche in Babenhausen?“) und einer Diskussionsrunde im Jugendcafé mit den damaligen Bürgermeisterkandidaten zu diesem Thema. Im Zuge dieser Aktionen hat sich auf Initiative des städtischen Jugendpflegers Michael Spiehl das Jugendforum gebildet. Kaum zu glauben, dass nach 18 Jahren noch einer der ersten Aktivisten dabei ist. Lukas Ankenbrand (27) gehörte als Grundschüler bereits dazu und engagiert sich seither „mit kurzen Unterbrechungen“, erzählt er. Auf der anderen Seite der Skala ist als neues Mitglied vor einem halben Jahr Leon Korthaus (16), der Schulsprecher der Gesamtschule, dazugestoßen.

Eine inhaltliche Neuausrichtung wurde bei der Klausurtagung Anfang Januar beschlossen: Politische Themen sollen in Zukunft mehr auf der Agenda stehen. Dazu passt, dass vor der Bürgermeisterwahl am 27. September wieder eine Gesprächsrunde mit den Kandidaten geplant ist.

Die nächste Bildungsfahrt, die auch Nicht-Forums-Mitgliedern offen steht, wird vom 11. bis 14. Juni nach Nürnberg führen. Thema: 75. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus.

VON PETRA GRIMM

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare