Blumenpracht und Trockengesteck Sechs Juroren suchen das Haus, das am schönsten mit Pflanzen dekoriert ist

Blumenpracht und Trockengesteck

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Ein Teil der Jury des Wettbewerbs Blühende Altstadt im Einsatz.

Babenhausen - Zum vierten Mal nehmen die Juroren des Wettbewerbs Blühende Altstadt die Pflanzen in Babenhausen unter die Lupe. Von Michael Just

„Insgesamt sehen wir, dass die Bereitschaft etwas weniger geworden ist, die Häuser zu schmücken. Dafür haben die, die einen grünen Daumen haben und für sich und andere etwas kreieren wollen, tolle Ergebnisse geschaffen.“ So lautet das Fazit von Wilhelm Spiehl, dem Initiator des Wettbewerbs Blühende Altstadt.

Zum vierten Mal macht er sich jetzt zusammen mit fünf weiteren Juroren, darunter Walter Herbert als Vertretung von Ortsvorsteher Adolf Breer, in den Bereich der sanierten Altstadt auf. Die Wochen zuvor wurden jeweils zweimal Flyer verteilt, um auf den Wettbewerb hinzuweisen.

Es geht darum, Bürger mit einem kleinen Preis auszuzeichnen, die ihre Häuser mit Pflanzen und Blumen verzieren. Bis zu 30 Punkte können pro Haus vergeben werden. Bewertet werden Pflege, Üppigkeit, Farb- und Pflanzenkombinationen, das Blattgrün sowie sonstige eingebrachte Ideen. Eine Bank vor dem Haus gibt Extrapunkte.

Die beste Jahreszeit, damit alles schön blüht

„Eigentlich ist jetzt die beste Jahreszeit, dass alles schön blüht. Das geht, bis der erste Frost kommt“, sagt Jurymitglied Beatrice Fischer-Duttine. Sie muss es wissen, denn als Inhaberin einer Gärtnerei stellt sie eine echte Expertin in der Runde dar.

Was die Jury zu sehen bekommt, ist nicht immer erquickend: Hier Halterungen ohne Blumenkästen, da ein Trockengesteck, das zu einem solchen wurde, weil es schon lange nicht mehr gegossen wurde.

„Wir sind gerade aus dem Urlaub gekommen“, entschuldigt sich eine Frau in der Sackgasse für die hängenden Blumenköpfe. Wie sie sagt, könne sie für die kargen Fenster ihrer Mieter nichts.

Gerne würde sie noch mehr tun, da sich gerade an einem Fachwerkhaus doch viel herausholen lasse. Und das nicht nur mit Blumen: „Spitzengardinen würden sich hinter dem Fenster ebenfalls gut machen.“ Sie komme aus einem kleinen Ort bei Würzburg. Dort sehe es jeder Einzelne als seine Aufgabe an, mit Blumen für eine entsprechende Optik seines Hauses zu sorgen.

Wenige Meter weiter spricht eine andere Frau Klartext: „Wir haben für sowas keine Zeit.“ Ohnehin könne sie keine Blumenkästen auf die Fensterbank stellen, da sonst die Fensterläden nicht mehr zugingen. Die dienten im Sommer auch als Sonnenschutz.

Einfach, aber wirkungsvoll präsentierte sich die Adresse Am Hexenturm 19. Ein Weinstock hangelt sich am Haus hoch, die Trauben passen zu den blauen Fensterläden. Direkt gegenüber steht das wohl blühendste Haus der Altstadt. Das jährliche Abo auf den Sieg hat die Familie Willand bereits dazu bewogen, nur noch außer Konkurrenz mitzumachen.

Engagement wird weniger

Dass das Engagement und die mögliche Blütenpracht weniger geworden sind, führt die Jury auf das schlechte Wetter der letzten Wochen zurück und darauf, dass viele Geschäfte im Altstadtbereich vermietet sind. „Da die Ladeninhaber nicht hier wohnen, fehlt vermutlich der persönliche Bezug.“ Das Argument schlechtes Wetter entkräftet Beatrice Fischer-Duttine. „Das hängt von der Pflanze ab.“ So mache der Geranie viel Regen kaum etwas aus. Anders die Petunie: „Sie fällt zusammen. Dann muss man die Blüte entfernen, aber dann kommt sie wieder.“

Laut Blühende Altstadt-Initiator Wilhelm Spiehl könnten 196 Häuser beim Wettbewerb mitmachen. In der Regel bewerte man 60, von denen 15 reelle Chancen auf den Sieg hätten. Aufgrund der Vollständigkeit erschienen auch jene Häuser auf den Bewertungsbögen, die oft nur einen winzigen Blumentopf vor dem Haus haben.

Das Ergebnis des Wettbewerbs wird wieder beim Altstadtfest bekannt gegeben und der Sieger mit einem Teller prämiert (siehe linkes Foto). Auch wenn in diesem Jahr die Jury bereits durchgelaufen ist, hofft Spiehl, dass die Altstadtbewohner weiter ihr Haus mit Blumen verzieren. Damit könne jeder selbst und die Stadt in Sachen Tourismus nur gewinnen. Derzeit ist es für den Ruheständler unverkennbar, dass immer mehr Touristen kommen, vor allem Radfahrer aus der näheren Umgebung, um die wunderschöne Altstadt von Babenhausen zu bewundern.

Quelle: op-online.de

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