Kindergartenplätze reichen nicht

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Sofie-Kehl-Haus kann weiterhin genutzt werden Starke Nachfrage und Baugebiete erfordern weitere Kapazitäten. 126 Mädels und Jungs werden zusätzlich erwartet. Viel Spaß haben diese Jungs in der Hergershäuser Kita. Auch im größten Stadtteil müssen noch zusätzliche Plätze her.

Babenhausen - Erstmals im Februar 2013 hatten die Stadtverordneten ein Konzept zur Kinderbetreuung in Babenhausen verabschiedet.

Der Schwerpunkt lag darin auf der Bewältigung des Rechtsanspruchs für die unter Dreijährigen, der damals auf Landes- und Bundesebene auf 35 Prozent geschätzt wurde. „Wie groß die Nachfrage tatsächlich sein würde, war damals unklar“, sagt Bürgermeisterin Gabi Coutandin. Das Konzept sah verschiedene Maßnahmen vor: ein Containeranbau in Hergershausen für U3-Plätze, die Umwandlung von Ü3- in U3-Plätze in mehreren Einrichtungen, Wiederaufnahme des Betriebs der Kita Harpertshausen, die Eröffnung der Kita Kunterbunt in der Kernstadt mit 30 zusätzlichen Krippen-Plätzen und die Schaffung einer Anlaufstelle Kindertagespflege.

Inzwischen verwirklicht, versorgen diese Maßnahmen aktuell 50 Prozent aller Kleinkinder eines Jahrgangs mit Betreuungsplätzen. Neueste statistische Erhebungen und Prognosen haben den Magistrat nun dazu veranlasst, das städtische Kinderbetreuungskonzept fortzuschreiben. Die Zahlen zeigen eine deutliche Zunahme von Mädels und Jungs zwischen drei und sechs Jahren sowie stabile hohe Werte bei den Ein- bis Zweijährigen. Das neue Konzept gehe von einem Platzbedarf im U3-Bereich von 50 Prozent aus, im Ü3-Bereich von 100.

Demografische Auswirkungen neuer Baugebiete

„Zudem wollen wir die demografischen Auswirkungen der neuen Baugebiete in die Berechnungen einbeziehen,“ sagt Coutandin. „Der Dietweg in Harpertshausen, die Lachewiesen in der Kernstadt, das Baugebiet in Hergershausen sowie die Entwicklung in Langstadt bringen in den nächsten Jahren Zuwachs und Nachfrage nach Kita-Plätzen. Deshalb müssen wir die Konsequenzen ziehen, unsere Berechnungsgrundlagen verändern und unser Konzept anpassen.“

Die Hochrechnungen für die nächsten Jahre prognostizieren einen Mehrbedarf von rund 100 Plätzen für Ü3 sowie 26 für U3. Dazu schlägt das neue Konzept verschiedene Maßnahmen vor, um die zusätzlich erforderliche Betreuung zu gewährleisten. „So können wir weiterhin das Sofie-Kehl-Haus als Kita nutzen. Das Haus wurde in der Zeit des Neubaus der Kita Kunterbunt kindgerecht ertüchtigt und fungierte als Ersatz-Kita für 100 Kinder. Mittlerweile sind die Kunterbunt-Kinder in ihr neues Domizil umgezogen, die Räumlichkeiten stehen leer. Hier könnten wir bequem drei Gruppen unterbringen – allerdings nur übergangsweise“, erläutert Coutandin.

Im Gespräch sei die Stadt auch mit der Evangelischen Kirche, die ihren Kindergarten ohnehin sanieren wolle und einer Erweiterung befürworte. Derzeit kläre die Kirche ihre Möglichkeiten. „Mit der Erweiterung des Evangelischen Kindergartens würde dieser Träger gestärkt, die Eltern hätten eine größere Wahlfreiheit zwischen zwei pädagogischen Konzepten.“ Die Errichtung einer dreigruppigen Kita in Hergershausen stehe ebenfalls auf der Vorschlagsliste.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

„Wir hatten versprochen, dass der Containeranbau in der Kita Hergershausen nur eine vorübergehende Lösung ist, bis der Bedarf im U-3-Bereich bekannt ist. Da sich die Nachfrage der Eltern stabil auf hohem Niveau hält, wollen wir auf der Freifläche hinter der Bachwiesenschule ein Betreuungsangebot für drei Gruppen schaffen“, sagt Coutandin. Ob ein Neubau – womöglich auch in modularer Bauweise – errichtet werden kann, soll in einem nächsten Schritt entschieden werden. Auch Erweiterungsmöglichkeiten an dafür geeigneten Kitas würden derzeit mit der Fachaufsicht und dem Eigenbetrieb geprüft. „Statik, Bausubstanz und die Größe der Freiflächen geben den Ausschlag dafür, ob Aufstockungen oder Erweiterungen sinnvoll und wirtschaftlich sind,“ stellt Coutandin fest.

Der prognostizierte Mehrbedarf und die daraus abgeleiteten Vorschläge zur Verwirklichung des Rechtsanspruchs haben massive Auswirkungen auf den städtischen Etat. „Im investiven Bereich schlagen die baulichen Maßnahmen zu Buche, und die Personal- und Betriebskosten könnten in den nächsten Jahren um rund 650.000 Euro steigen. Hier fordern wir im Verbund mit den anderen hessischen Kommunen eine deutliche Entlastung mit Landes- und Bundesmitteln. Alleine können wir die Erfüllung des Rechtsanspruchs nicht stemmen.“

( st)

Quelle: op-online.de

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