Kampf der „Wüstenei“

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Statt Schotterpiste Seniorenwohnungen, Arztpraxen und Platz für den Einzelhandel – so könnte das ehemalige Feuerwehrgelände bald aussehen.

Babenhausen - Das Projekt für eine Bebauung des alten Feuerwehrgeländes soll weiterentwickelt werden. Zu diesem Ergebnis kamen die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Donnerstag. Von Katharina Hempel

19 von ihnen stimmten mit „ja“, drei Grüne votierten dagegen, 14 Abgeordnete enthielten sich – darunter die komplette CDU-Fraktion sowie Stadtverordnete aus den Reihen der Grünen.

Seit fast 20 Jahren liegt das ehemalige Feuerwehrgelände an der Fahrstraße brach. Eine Arbeitsgruppe hat nun einen Entwurf vorgelegt, wie diese städtebauliche Lücke geschlossen werden könnte (wir berichteten). Die Babenhäuser Projektentwicklung Früchtenicht, das ortsansässige Büro Schlösser Architecture-Management sowie der Aschaffenburger Bauträger May und Eilbacher schlagen eine lockere Bebauung mit drei Häusern vor. In diesen sollen neben altersgerechten Wohnungen zwei Arztpraxen und eine 200 Quadratmeter große Ladenfläche untergebracht werden.

Denkmalbehörde mit bisherigen Planungen einverstanden

Die Denkmalbehörde ist mit den bisherigen Planungen einverstanden. Vorgestern Abend lag es nun an den Stadtverordneten darüber zu entscheiden, ob die Planungen für das Gelände hinter der Stadtmauer weitergehen können. Parkplatz und Ladenfläche beziehungsweise Frequenzbringer waren die Stichworte, um die sich die Diskussion drehte.

CDU und Grüne plädierten dafür, zunächst das Ergebnis der Einzelhandelsstudie abzuwarten, um zielgerichteter planen zu können. SPD und Freie Wähler erklärten, dass es nur darum ginge, ob überhaupt weitergeplant werden solle und darum, den Investor nicht zu verschrecken. Weiterhin betonten sie, dass Detailfragen noch im Laufe der Bauplanungen geklärt werden könnten.

Anzahl der Parkplätze strittig

Strittig war bei den Parkplätzen die Anzahl und wer deren Bau finanzieren müsse. Friedel Sahm, Fraktionschef der CDU, fand bedenklich, dass der Projektträger nur 27 Parkplätze stellen will und die restlichen 37 von der Stadt finanziert werden müssen. Bürgermeisterin Gabi Coutandin erwiderte darauf: „Wer die Parkplätze will, egal ob Ärzte oder Stadt, der muss sie bezahlen. Das ist doch ganz klar.“ Sie betonte auch, dass die Planungen noch längst nicht abgeschlossen seien, somit auch noch die endgültige Zahl der Parkplätze und andere Detailfragen beeinflusst werden könnten.

Beim Thema Frequenzbringer – Geschäfte, die Kunden in die Innenstadt locken – stritten die Stadtverordneten über die Bedeutung des Einzelhandelskonzept für die Projektplanung auf dem Grundstück an der Fahrstraße.

„Die Frequenz in der Bummelgasse schwindet weiter“

Frank Ludwig Diehl (Grüne): „Die Frequenz in der Bummelgasse schwindet weiter. Wenn wir das Feuerwehrhaus-Konzept ohne Wenn und Aber durchziehen, bleibt dort der Frequenzbringer aus, weil wir nicht wissen, was dort wirklich gebraucht wird. Deshalb muss erst das Einzelhandelskonzept stehen.“ Ähnlich sahen es die Christdemokraten. „Die CDU will die Bebauung und wir halten auch sehr viel von diesem Projekt, aber die Kernpunkte müssen erst noch geklärt werden. Das sind zum Beispiel die Parkplätze und die damit verbundenen Kosten für die Stadt, aber auch das bisher vorgesehene Ladenkonzept. Für einen Magnetpunkt ist die Fläche zu klein, sie muss größer werden“, erklärte Friedel Sahm.

Freier Wähler Oliver Bludau hielt dagegen, dass die Feuerwehr früher und die derzeitige „Wüstenei“ auch keine „Frequenzbringer“ seien. „Uns wurde eine perfekte städtebauliche Planung vorgelegt. Weitere Detailfragen können während der Bauplanungen verhandelt werden. Es geht darum, dass es jetzt mit dem Investor in weitere Planungen geht.“

Bürgermeisterin Gabi Coutandin: „Das Einzelhandelskonzept ist noch lange nicht so weit, dass es beraten werden kann. Es ist nur ein Entwurf. Die Frage ist jetzt nur, ob die Planungen fortgeführt werden sollen. Es handelt sich dabei noch nicht mal um einen Beschluss, sondern lediglich darum, das Projekt als Chance zu begreifen und fortzuentwickeln.“

Quelle: op-online.de

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