Perspektiven für alle Stadtteile

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Von Nahversorgung bis Belebung der Bummelgasse: Bürger formulierten ihre Wünsche für ihren Stadtteil.

Babenhausen - In Hergershausen kann es die Beleuchtung ortsnaher Radwege sein oder eine Arztpraxis; in Langstadt die Stärkung des Dorflebens oder ein Impuls für das Bahnhofsgebäude.  Von Stefan Scharkopf

In Sickenhofen ist es ein Mehrgenerationen-Spielplatz oder der Erhalt des alten Schulgebäudes; in der Kernstadt eine autofreie und belebte Bummelgasse. Die Liste ließe sich fortsetzen, auch für die anderen Stadtteile. Alle diese Wünsche haben Bürger beim Auftakt des Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzeptes (IKEK) am Dienstagabend am Ende der Sitzung in der gut besuchten Stadthalle formuliert, aufgeschrieben und an eine Stellwand geheftet. .

Babenhausen und seine Stadtteile wurden in das Dorferneuerungsprogramm des Landes Hessen aufgenommen. Zu Beginn des Verfahrens wird in den kommenden Monaten das IKEK erarbeitet. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist Ziel des IKEK, eine nachhaltige kommunale Gesamtstrategie für die Zukunft zu entwickeln, die unter anderem zur Stärkung der Innenentwicklung in den Stadtteilen und zur Verbesserung der Nahversorgung und Infrastruktur beiträgt.

Besonders wichtig ist die Beteiligung der Bürger. Maßgeblich durch die Mitarbeit der Bürgerschaft in allen Stadtteilen besteht die Chance, die Entwicklung der gesamten Stadt mitgestalten zu können. Oder wie es Bürgermeisterin Gabi Coutandin formulierte: „Vom Ich zum Wir.“ Nicht die Stadtteile stehen im Mittelpunkt, sondern die Gesamtstadt. Die Frage, die dahinter steckt: Wie kann der jeweilige Ortsteil sein eigenes Profil so stärken, dass die Gesamtstadt davon profitiert? IKEK ist sozusagen eine Fortführung des Dorferneuerungsprogramms, nur stärker in die Zukunft ausgerichtet. Können Freiflächen sinnvoll genutzt werden, soll mehr Geld in die Erhaltung von Mauern oder Brunnen fließen? Wie steht es um die Nahversorgung? Welche Gebäude sollen erhalten werden? Alle diese Fragen können in dem Prozess beantworte werden.

Erarbeitung von Perspektiven

Hilde Michelssen vom Amt für den ländlichen Raum, Abteilung Dorf- und Regionalentwicklung, des Landkreises Darmstadt-Dieburg und Hartmut Kind vom Büro SP Plus aus Bad Nauheim stellten das Prinzip des IKEK vor. Ziel ist die Erarbeitung von Perspektiven und einer Strategie für die künftige Entwicklung der Kommunen vor dem Hintergrund einer weniger und älter werdenden Gesellschaft. Das Durchschnittsalter in Babenhausen lag im Jahr 2000 bei 39,5 Jahren. 2030 wird es 47,4 ein. Hier gilt es, den demografischen Wandel aktiv zu gestalten, die Vielfalt dörflichen Lebens zu erhalten und die Innenentwicklung zu stärken.

Das IKEK ist die Grundlage für die Förderung im Rahmen der Dorfentwicklung. Denn es geht auch um Geld. Der Gesamtstadt stehen 750.000 Euro für zehn Jahre zu, denn solange läuft das Projekt. Die Summe kann aber noch erhöht werden. Mit diesem Geld werden gesamtkommunale und lokale Projekte finanziert. Die Förderquote beträgt aktuell 70 Prozent. Werden beispielsweise 100.000 Euro für eine Maßnahme ausgegeben, steuern Land, Bund und EU 70 .000 Euro bei, den Rest trägt die Stadt Babenhausen, die sich bei allen Vorhaben auch finanziell beteiligen muss. Welches Projekt erforderlich ist und welche Wertigkeit es für die Gesamtstadt hat, entscheidet eine Steuerungsgruppe, ein ehrenamtliches Gremium engagierter Bürger. Das Controlling obliegt der Abteilung Regionalentwicklung des Landkreises.

Ab Ende August wird es Veranstaltungen in den einzelnen Stadtteilen zum Entwicklungskonzept geben. Danach sollen sechs bis acht Personen als IKEK-Team ihren Ort auf den jeweiligen Veranstaltungen vertreten. In den Genuss öffentlichen Geldes können auch Privatleute kommen, etwa für Sanierungsarbeiten. Der Zuschuss beträgt maximal 30.000 Euro und ist losgelöst von den 750.000 Euro. Allerdings müssen die Vorhaben in einem noch auszuweisenden Fördergebiet liegen. Neu ist, dass auch Private, die ein Projekt am Laufen haben, das sich am Gemeinwohl orientiert, Geld erhalten können. Maximum: 150.000 Euro.

Kleines Manko: Private Förderung ist nur in Ortsteilen unter 6000 Einwohnern erlaubt, gilt also nicht für die Kernstadt. Hier müssten dann andere Fördertöpfe gefunden werden.

Quelle: op-online.de

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