Lena Spanuth hilft als Schlafcoach Eltern

Babys niemals schreien lassen

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Babenhausen - Viele junge Eltern kämpfen vor allem mit einem: Schlafmangel. Weil das Baby nicht in den Schlaf findet. Es kann dauern, bis Babys den „richtigen“ Rhythmus gefunden haben. Wenn es auf Dauer aber nicht gelingt, kann ein Schlafcoach helfen. Von Norman Körtge 

Die graue Theorie ist das eine, die Praxis das andere. Die Babenhäuserin Lena Spanuth hat das am eigenen Leib und mit einem bis zum äußersten strapazierten Nervenkostüm erlebt. Als gelernte Erzieherin war sie in einer U3-Betreuung in Langen von Eltern immer wieder gefragt worden, ob sie ihnen einen Rat oder Tipp wegen der Schlafprobleme ihres Kindes geben könne. In der Ausbildung hatte Spanuth am Rande etwas darüber erfahren – aber: „Als Nicht-Mama konnte ich das nicht nachvollziehen“, erzählt sie: „Warum haben die so Probleme?“ Das sollte sich mit der Geburt von Sohn Noah vor drei Jahren ändern.

Die ersten dreieinhalb Monate war alles gut. „Ein Anfängerkind“, wie Spanuth scherzhaft sagt und damit das zwar Fordernde, aber Unkomplizierte meint. Doch dann ändert sich alles. „Es dauerte ewig, bis er einschlief“, erinnert sie sich. Lange musste er auf dem Arm in den Schlaf geschaukelt werden, wachte aber permanent wieder auf. Irgendwann war Spanuth nervlich und körperlich am Ende. In eine Tiefschlafphase kam sie gar nicht mehr. „Schlafentzug ist ja nicht umsonst eine Foltermethode“, beschreibt sie rückblickend ihren Zustand. „Wir bekommen das nicht mehr alleine hin“, war sie schließlich überzeugt. Andere Mütter empfahlen ihr einen Schlafcoach – und zwar Bianca Niermann aus Seeheim-Jugenheim.

„Ich war sehr skeptisch“, gibt die heute 33-Jährige zu. Doch der Erfolg stellte sich nach dem Coachingtermin schnell ein. Keine Hexerei, wie Spanuth im Nachhinein feststellte. „Eigentlich sind es keine neuen Dinge, die wir erfahren und umgesetzt haben. Aber man muss konsequent sein“, erklärt Spanuth.

Konsequent umgesetzt hat die Babenhäuserin, wissend das die Nachfrage da ist, dann auch ihren Vorsatz, sich selbst zum Schlafcoach ausbilden zu lassen – nach der Methode von Bianca Niermann. Über drei Monate dauerte die Ausbildung. Bestandteil neben viel Theorie war es auch, mindestens eine Familie zu begleiten. Mit Erfolg: Seit wenigen Wochen hat sie das Zertifikat in der Tasche.

Zwei Dinge sind Spanuth wichtig. Erstens: „Nicht ich bringe das Kind ins Bett, sondern unterstütze die Eltern dabei, ihren Weg zu finden.“ Zweitens: „Die Kinder werden niemals alleine oder schreien gelassen.“ Beim Schlafcoaching gehe es darum, aufzudecken, was dazu führt, dass das Kind nicht den Schlaf bekommt, den es braucht. Um alles zu analysieren, müssen die Eltern nach einem Erstgespräch im Vorfeld des Coachingtermins über sieben Tage ein Protokoll führen, das nicht nur den Schlaf, sondern den gesamten Tagesablauf beinhaltet – auch das Stillen beziehungsweise die Mahlzeiten. Gemeinsam wird dann ein individueller Plan erarbeitet, mit dessen Hilfe die Eltern ihr Kind Schritt für Schritt in den Schlaf begleiten und es beim Durchschlafen unterstützen können.

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Auf die Frage, wie es die Generationen vorher geschafft haben, ihre Kinder ohne Schlafcoach ins Bett zu bringen, hat Spanuth keine direkte Antwort. „Vielleicht haben sie es einfach ausgehalten“, meint sie. Vergleichbar sei es jedenfalls nicht, sagt sie. Die Gesellschaft sei eine andere, auf den „Müttern laste ein großer Druck“. Außerdem: „Die heutigen Mamas hinterfragen sich zu oft selbst. Ist das richtig oder falsch“, weiß Spanuth von sich selbst und aus den Gesprächen mit anderen Müttern. Das führe zu Unsicherheiten.

Eines weiß Lena Spanuth allerdings auch aus eigener Erfahrung ganz genau: Wenn ihr dienstliches Handy klingelt, und am anderen Ende eine Mutter ist, ist deren Leidensdruck bereits sehr hoch.

Mehr Infos zu Lena Spanuth: www.schlafcoaching-spanuth.de

Quelle: op-online.de

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