Reitturnier Auf der Schwedenschanze

Schleifchen heiß begehrt

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Bei den Siegerehrungen hatte RuF-Vorsitzender Ingo Dries (links) zusammen mit den Richtern die so begehrten Schleifchen und Geldpreise für die Bestplatzierten bereit.

Babenhausen - Die Turniertage des Reit- und Fahrvereins (RuF) bestimmten am Wochenende das Geschehen in der Stadt. Von Michael Just 

Während sich am Freitag, Samstag und Sonntag die Teilnehmer aus der Region den Wettbewerben stellten, konnten die Babenhäuser eine Atmosphäre rund um die Vierbeiner genießen, wie sie nur der Pferdesport bietet.

Am Samstagnachmittag wartet die 15-jährige Renee Hüsemann gespannt mit ihren Eltern auf das Ergebnis der Wertungsrichter. Kurz zuvor war sie auf Fabrisca in der Dressurprüfung der Klasse A* (das Sternchen steht für einen erhöhten Schwierigkeitsgrad) gestartet. „Es wird bestimmt ein Schleifchen“, machen ihr Vater Sven und Mutter Eva Mut. Hinter den Geldpreisen sind Schleifchen das Erkennungsmerkmal für eine gute Leistung.

Die Familie kommt aus Traisa und reitet mit ihren beiden Pferden Fabrisca und Colorado beim RuF Waldhof Ober-Ramstadt. Eigentlich würde Mutter Eva ebenfalls im Sattel sitzen, wenn nicht gerade ein Unfall in ihrem Lieblingssport sie zur Pause zwingen würde. So wird Tochter Renee angefeuert. Die verpasst am Ende äußert knapp eine Platzierung und damit das Schleifchen an Trense oder Sattel.

Wie die Eltern sagen, geben die Ergebnisse nicht immer das Vermögen der Reiter wieder. Grundlage des Erfolgs sei oft das Pferd und damit das Portemonnaie, was man für einen Vierbeiner und dessen Anlagen ausgeben will. Für Familie Hüsemann ruhen die Hoffnungen nun auf dem Sonntagmorgen: Dann sitzt Renee auf Colorado beim Springen der Klasse A** ein weiteres Mal im Sattel.

Exakt 30 Wettbewerbe sind von Freitag bis zum heutigen Montag in der Dressur, im Springen oder in der Kombination angesagt. Bei über 1000 Nennungen beziehungsweise Anmeldungen bedeutet das Auf der Schwedenschanze rege Betriebsamkeit mit rund 500 Reitern und fast doppelt so vielen Pferden.

„Im Durchschnitt kommen die Teilnehmer mit zwei Pferden. Einige haben auch nur eines, andere vier oder fünf“, weiß Laura Oehl, zuständig für die Presse beim RuF. Der Altersschnitt der Aktiven reicht von sechs bis 60 Jahre. Während die ersten drei Tage Prüfungen der Klasse E (Einsteiger), über A (Anfänger) bis M (Mittelschwer) die Freizeitreiter forderten, steht am heutigen Montagabend der große Höhepunkt an: Beim Springen der Klasse S* (Schwer) treffen ab 18 Uhr jene aufeinander, die zwischen Amateur- und Profistatus ihren Sport betreiben.

Nach 40 Reitturnieren in Folge blickt man beim RuF auf eine Erfolgsgeschichte. „Von einst zwei Tagen sind wir auf vier gewachsen. Mit weitreichenden Investitionen, etwa in die Böden oder in eine neue Halle, schufen wir die Voraussetzungen, um überhaupt Prüfungen auf einem sportlich so hohen Niveau anbieten zu können“, erklärt Vorsitzender Ingo Dries.

Bilder: 37. Reitturnier an der Schwedenschanze

Eine weitere Grundlage sei die große Zahl von 150 ehrenamtlichen Helfern, die ihren Verein in unzähligen Schichten unterstützen. Darunter sind auch Kira Geissler und Ester Wogatzke. Für den Samstagabend organisierten sie die mittlerweile vierte, große Reiterparty mit DJ.

Fast alle Reiter kommen aus einem Umkreis von 50 bis 80 Kilometern und fahren abends wieder nach Hause. Für die Teilnehmer stehen ausreichend Wasserstellen, ein Hufschmied und sogar ein Tierarzt zur Verfügung. Beim Springen, und damit dem Hindernisaufbau, wird seit 20 Jahren auf die Kompetenz von Parcourchef Jürgen Laubach aus Wehrheim (Taunus) vertraut. „Je nach Leistungsklasse gilt es die Hindernisse so zu stellen, dass die Aufgabe lösbar ist“, erläutert der 70-Jährige. Bei den Anfängern sei es wichtig, zu vermeiden, dass viele ausscheiden. Denn das bremse die Motivation und den Spaß am Sport.

Für den Aufbau muss Laubach gleich mehrere Faktoren berücksichtigen: Dazu zählt die Platzgröße, die Bodenbeschaffenheit, das Hindernismaterial oder auch die Sonne. „Die steht um 11 Uhr anders als um 17 Uhr“, sagt er. So könnten Schatten die Pferde als klassische Fluchttiere verwirren. Auch ein opulenter Aufbau der Hindernisse, etwa mit großen Einhängeteilen oder Blumen, berge eine solche Gefahr. Sieht man in den unteren Wettbewerben von Masse bei den Hindernissen ab, seien sie im fortgeschrittenen Bereich ein wichtiger Bestandteil der Prüfung.

Großes Reitturnier in Babenhausen

Die 40-jährige Tradition der Reittage will Vorsitzender Ingo Dries auf alle Fälle fortführen. Dabei hat er in erster Linie die Jugend des Vereins im Fokus. „Mit dem Turnier eröffnen wir Perspektiven, auf die sich zusteuern lassen“, sagt er. Auch trage der Verein seine grundlegende Ausrichtung nach Außen, dass Reiten in Babenhausen Volkssport ist. Das Elitäre wolle man hier nicht haben. Für relativ kleines Geld komme man viermal die Woche aufs Pferd und könne jenen Bezug zu Natur, Tier oder Verantwortung erfahren, der für die Entwicklung von Kindern so unersetzlich ist.

Quelle: op-online.de

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