„Es geht um Daseinsvorsorge“

Lage bei Nahversorgung verschärft sich

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Ausnahme in der brachliegenden Nahversorgung in den Babenhäuser Stadtteilen: Der Markt von Heidi Micka in Langstadt.

Die Bedeutung der Nahversorgung wird in der Corona-Krise besonders deutlich – doch in den Babenhäuser Stadtteilen sieht’s düster aus. Während Langstadt die Ausnahme bildet, hofft Hergershausen auf das Bürgerhaus.

Babenhausen – Mit der Schließung der Bäckerei Klein, die auch einige andere Lebensmittel verkaufte, verschärfte sich zum Jahreswechsel die Lage in der Nahversorgung in Hergershausen (wir berichteten). Selbst im größten der fünf Babenhäuser Stadtteile kann man seither keine Dinge des täglichen Bedarfs mehr kaufen. Mit Ausnahme von Langstadt sieht es in den anderen Stadtteilen ähnlich düster aus. Die Bedeutung der wohnortnahen Einkaufsmöglichkeiten gerade für ältere, weniger mobile Menschen wird seit Ausbruch der Corona-Krise besonders deutlich. In Hergershausen bleibt das Bürgerhaus die größte Hoffnung auf Verbesserung.

Zunächst zur Orientierung: Nicht nur in Hergershausen, immerhin 2 300 Einwohner groß und zuletzt gerade durchs neue Wohngebiet gewachsen, fehlt ein Lebensmittel-Markt. Auch in Harpertshausen, mit etwas mehr als 700 Einwohnern (Tendenz: ebenfalls steigend) der kleinste Babenhäuser Stadtteil, gibt es seit der Schließung des Lädchens in der Altheimer Straße keine Einkaufsmöglichkeit mehr. In Harreshausen (1 100 Einwohner) sieht es genauso aus, in Sickenhofen (1 500 Einwohner) dank „Wagner’s Shop“ und einem Hofladen gegenüber der Friedel-Wiesinger-Halle einen Tick besser.

Einen Lebensmittel-Markt hat derzeit nur Langstadt. Mitten im 1 600 Einwohner zählenden Stadtteil gibt es unter dem Namen „Mein Markt“ eine Anlaufstelle für die täglichen Dinge. Diesen führt seit 2015 Heidi Micka. „Der Laden steht und fällt mit mir“, beschreibt sie, wie sie sich angesichts des überschaubaren Kreises der potenziellen Kunden und der Konkurrenz durch die großen Märkte in der nur vier Kilometer entfernten Kernstadt behauptet. Sie erweitere ständig ihr Sortiment und gehe auf Kundenwünsche ein. Nach einer heftigen Nachzahlung beim Strom setzt die Unternehmerin zudem auf das deutliche Reduzieren ihrer Betriebskosten, die neue Gefriertruhen und Kühltheken erreichen sollen. „Es sieht gut aus“, blickt sie optimistisch nach vorn, was die Anschaffung energiesparender Infrastruktur aus EU-Fördermitteln – und bei einem nur 20-prozentigen Eigenanteil an der Investition – betrifft. In Kürze, so hofft Micka, werde die Förderung bewilligt und der Austausch der Kühlgeräte könne realisieren werden. Schon umgesetzt hat die von der Babenhäuser Bäckerei Lautenschläger mit Backwaren beliefert wird. „Das wird gut angenommen“, sagt Micka zu den ersten Wochen.

Hergershausens Hoffnungsträger: Im Bürgerhaus könnte ein Nahversorger entstehen.

Ein Markt zumindest in der Größenordnung des Langstädters ist auch der Wunsch vieler Hergershäuser. Während ein größerer Lebensmittel-Markt am Ortsrand gen Sickenhofen auf absehbare Zeit als unwahrscheinlich gilt, ruhen die Hoffnungen weiter auf einer teilweisen Nutzung des Bürgerhauses für diesen Zweck. Bürgermeister Joachim Knoke (SPD) verneint Befürchtungen, ein innovativer Betrieb eines solchen Ladens etwa durch die Werkstätten in Roßdorf werde derzeit nicht aktiv verfolgt. „Wir sind nicht im Schlafmodus“, sagt Knoke. Man sei weiter im Gespräch und willens, in Hergershausen eine Einkaufsmöglichkeit zu schaffen. „Hier geht es um Daseinsvorsorge, nicht um Wirtschaftsförderung“, stellt er heraus. Die Stadt werde zwar „nichts finanziell unterstützen, was Kommerz ist“. Bei einer Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Gesellschaft aus Roßdorf, die in Hergershausen auch integrative Arbeitsplätze schaffen könnte, sei der Fall aber anders gelagert. „So etwas funktioniert allerdings nur in einer kommunalen Immobilie“, so Knoke, was beim Hergershäuser Bürgerhaus gegeben ist.

Mit Blick nach vorn sei für das Vorhaben im größten Stadtteil wichtig, „dass wir wissen, was es kostet. Dann wird sich die Politik mit dem Thema befassen und entscheiden.“

VON JENS DÖRR

Quelle: op-online.de

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