Wie weniger Lebensmittel verschwendet werden

Obst vor der Tonne retten

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Christiane Hucke (von links) vom DRIN-Projekt der evangelischen Kirchengemeinde, Karsten Heinrich von Foodsharing, Hans-Dieter Vogel vom „LebensMittelPunkt“ und Christine Keller vom DHB-Netzwerk Haushalt informierten über ihre Projekte und verteilten am Marktplatz Lebensmittel.

Babenhausen - Um der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzuwirken, kann an verschiedenen Stellen angesetzt werden. Von Petra Grimm 

Bei der Veranstaltung „Weniger is(s)t mehr: Lebensmittelverschwendung versus Genuss“ präsentierten sich vier Organisationen und Projekte: „DRIN“, eine Initiative der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Diakonie Hessen, das Netzwerk Haushalt des Deutschen Hausfrauenbundes, der „LebensMittelpunkt“ und der Verein Foodsharing.

In und vor den Räumen von „Fremde werden Freunde“ am Marktplatz waren Plakate aufgestellt, die statistische Zahlen lieferten. So verschwende jeder Bundesbürger im Jahr 82 Kilogramm Lebensmittel, fast die Hälfte davon sind Gemüse und Obst, das oft in die Tonne wandert, obwohl es noch genießbar ist. „Wir kaufen einfach zu viel ein“, brachte es Christiane Hucke auf den Punkt. Gemeinsam mit Christoph Kleinert betreut sie bei der evangelischen Kirchengemeinde Babenhausen das seit gut einem Jahr laufende Projekt „DRIN“ (Dabei sein, Räume entdecken, Initiativ werden, Nachbarschaft leben), das Armut und Ausgrenzung entgegen wirken und Netzwerke aufbauen will.

„Immer weniger Leute wissen, was man mit Essensresten noch anfangen kann oder wie man aus einfachen Lebensmitteln, wie der Kartoffel, etwas macht“, sagte Hucke. Ähnliche Erfahrungen hat Christine Keller vom Netzwerk Haushalt des Deutschen Hausfrauenbundes (DHB) gemacht. Verschwendung entstehe nicht nur aus Gedankenlosigkeit beim Einkauf und Umgang mit Lebensmitteln, die bei ihrer Herstellung ja auch Ressourcen wie Wasser und Energie verbrauchen. Es fehle den Menschen häufig an Kompetenzen in Sachen Haushaltsführung. „Da ist viel Wissen verloren gegangen. Es wäre gar nicht schlecht, wenn in den Schulen hauswirtschaftliche Themen zum Unterricht gehören würden“, sagte Keller, die aktuell das DHB-Projekt „Haushaltskompetenzen für Flüchtlinge“ leitet. Es gibt Geflüchteten Orientierungshilfen, erläutert beispielsweise die bei uns übliche Energiekostenabrechnung.

Genau an dieser Stelle setzt ein „DRIN“- Projekt von Hucke an, das im Frühjahr in der Flanagan-Schule Alltagskompetenzen an die Schulabgänger vermittelte. Dazu gehörten Informationen über Kostenfallen im Haushalt und ganz praktische Dinge: wie das Befüllen einer Waschmaschine und das gemeinsame Kochen und Essen.

Einen anderen Schwerpunkt setzt der Verein Food-sharing, der auf der gleichnamigen Internetplattform das Verteilen überschüssiger Lebensmittel organisiert. Er ruft dazu auf, „Lebensmittel zu retten“. Auf foodsharing.de können Privatpersonen, Händler oder Produzenten Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden, kostenlos anbieten oder abholen. Es werden sowohl Lebensmittel von privat zu privat weitergegeben als auch gewerbliche Ware abgeholt und von Aktivisten des Vereins verteilt. „Dafür fehlen uns aber leider oft die Räume“, sagte Karsten Heinrich von Foodsharing, der freitags in Groß-Zimmern im Jugendzentrum Lebensmittel verteilt. Und zwar an jeden, der etwas haben möchte. Niemand muss eine besondere Bedürftigkeit vorweisen. „Darum geht es uns gar nicht. Es kann auch ein Millionär etwas abholen. Wir wollen in erster Linie verhindern, dass Lebensmittel im Müll landen.“

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Die Vernichtung verhindert auch der 2011 gegründete Verein „LebensMittelpunkt“, der überschüssige, aber noch genießbare Ware bei Bäckern und Supermärkten abholt und in seinem Laden in der Babenhäuser Schlossgasse an nachweislich Bedürftige für einen symbolischen Betrag wieder abgibt. Hier steht allerdings die Unterstützung von Menschen mit schmalem Geldbeutel im Vordergrund. Die Hilfe geht über die Versorgung mit günstigen Lebensmitteln hinaus, wie Vorstandsmitglied Hans-Dieter Vogel betonte: „Das ist ein Unterschied zwischen uns und den Tafeln. Wir bieten den Menschen durch unser Café auch einen Treffpunkt an, um sich mit Leuten auszutauschen, die das gleiche Schicksal haben.“

Quelle: op-online.de

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