„Das ist der Jackpot“

Rechenzentrum und Kaisergärten auf der nächsten Planungsstufe

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Hier tut sich was: Die Babenhäuser Stadtverordneten haben mit breiter Mehrheit die Offenlage des Kaisergärten-Bebauungsplans – im Vordergrund ist das historische Kasernenareal zu sehen – und den Aufstellungsbeschluss für das direkt gegenüber der B26 geplante Rechenzentrum auf dem ehemaligen Betonwerkgelände Hauck&Nöth beschlossen.

Die Bedeutung der anstehenden Stadtverordneten-Beschlüsse spiegelte sich am Donnerstagabend (07.05.2020) gleich in mehreren Redebeiträgen der Lokalpolitiker wider. Dabei stand noch gar nichts Endgültiges auf der Agenda.

Babenhausen – Aber die Bauleitverfahren für das geplante Rechenzentrum und die Kaisergärten nahmen jeweils mit großer Mehrheit eine wichtige Hürde.

Serverfarm

Als ein „ausgesprochen unansehnliche Entree“ zur Stadt, zum Landkreis und für Hessen bezeichnete Bürgermeister Joachim Knoke das Areal des ehemaligen Betonwerks Hauk&Nöth an der Bundesstraße 26 aus Richtung Stockstadt kommend. Damit könnte es bald vorbei sein. Denn mit den Stimmen von CDU, SPD, Grünen und FDP beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Aufstellung des Bebauungsplans „Aschaffenburger Straße 50-58“ mit der Sonderbaufläche Rechenzentrum. Damit ist der erste Schritt getan, damit dort auf der gut fünf Hektar großen Fläche eine riesige Serverfarm entstehen kann, verborgen hinter einem, so das Versprechen der Planer, architektonisch ansprechenden Gebäudekomplex mit viel Grün drumherum (wir berichteten).

„Es ist der Jackpot“, meinte CDU-Abgeordnete Heidrun Koch-Vollbracht zu dem Projekt, das eine Dimension habe, die Babenhausen so noch nicht gesehen hat. Das noch inkognito bleibende amerikanische Unternehmen investiert alleine in den Bau und die Infrastruktur einen dreistelligen Millionenbetrag. Erworben hat es das Areal aus Privatbesitz bereits.

Als „einen Sechser im Lotto“ bezeichnete FDP-Fraktionsvorsitzender Manfred Willand das Vorhaben, der in der vorangegangenen Bauausschuss-Sitzung den Bürgermeister noch für seine aus Willands Sicht mangelhafte Informationspolitik in dieser Sache kritisiert habe. Dafür entschuldigte er sich nun.

Bei seiner bereits im Ausschuss geäußerten Kritik blieb FWB-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Heil. Neben dem Namen des Investors fehlen ihm auch schriftlich fixierte Aussagen zu den zu erwartenden Arbeitsplätzen und Gewerbesteuereinnahmen. In der Abstimmung enthielten sich daher die Freien Wähler.

Zuvor hatte Bürgermeister Knoke für das geplante Rechenzentrum geworben. Der Aufstellungsbeschluss sei der erste Schritt. Die aktuell zu klärende Frage ist: „Wollen wir an dieser Stelle ein Rechenzentrum?“ Die Antwort könne nur „Ja“ sein, meinte er. Dann könnten die Planungen beginnen. Und sicherlich werde dann das Unternehmen auch kein Geheimnis mehr um seinen Namen machen.

Dass der Investor überhaupt auf die Gersprenzstadt aufmerksam geworden ist, ist dem CDU-Fraktionsmitglied Michael Wolz zu verdanken. Der Langstädter hat seit Jahren berufliche Kontakte in die IT-Szene. 2013 gründete er in Berlin mit zwei Partnern ein Start-up zur Traffic-Analyse im Internet. Als eine Art „Cockpit für die Netzbetreiber“ bezeichnet Wolz das neu geschaffene Instrument, das das Ausliefern von Webinhalten mit hoher Qualität an Endkunden ermöglicht. Seit dieser Zeit habe er viel mit den großen internationalen Internet-Unternehmen zusammen gearbeitet.

In dieser Branche zeichnete sich 2015/2016 ein Wendepunkt ab. Die Unternehmen wollten mit ihrer Technik näher an ihren Kunden sein – und nicht nur am Rande wie zuvor etwa in Irland oder Amsterdam.

Der Stadt Frankfurt als Standort des weltweit größten Internetknotens DCIX, kann dieses Wachstum nicht mehr alleine befriedigen. Somit war die Gelegenheit für im Frankfurter Umfeld liegende Standorte wie Babenhausen günstig.

Auf den Branchen-Messen der Rechenzentrumsbetreiber, die Wolz regelmäßig besucht, war dieser Trend deutlich zu spüren. Vor gut zwei Jahren habe er erste, für Babenhausen interessante, Investoren finden können. Es folgten sehr intensive Prüfungen durch die potenziellen Käufer, ob der Standort an der B26 geeignet sei. Er ist es.

Anfang des Jahres trat das amerikanische Unternehmen an die Stadt heran und kaufte das im Privatbesitz befindliche Hauck&Nöth-Gelände. Und auch der Name des Unternehmens wird sicherlich bald genannt werden dürfen, so der CDU-Lokalpolitiker.

Durch das Rechenzentrum mit seinen neu geschaffenen Arbeitsplätzen selbst wird nicht nur der Standort gestärkt, sondern auch aufgrund der hohen Bandbreite, Rechenleistung und enormen Speicherkapazitäten erhofft sich Wolz einen positiven Effekt für das Kasernengelände und ganz Babenhausen. Zum Beispiel Softwareentwickler oder andere IT-Unternehmen könnten von der Nähe zu dem Hightech-Campus profitieren und ein digitales Ökosystem ermöglichen. „Babenhausen wird dadurch nicht über Nacht zu einem kleinen Silicon Valley, aber es ist vielleicht der Grundstein einer digitalen Industrie“, meint Wolz.

Er geht davon aus, dass im Laufe der nächsten Monate auch detaillierte Pläne für das Projekt Rechenzentrum vorliegen. Da Wolz daran weiter mitarbeiten möchte, machte er in einer persönlichen Erklärung auf seinen „Widerstreit der Interessen“ aufmerksam und nahm an der Diskussion sowie der Abstimmung nicht teil und verließ für diese Zeit den Saal der Stadthalle.

Kaserne

Der Bebauungsplan für die Kaisergärten geht in die Offenlage. CDU, SPD, Grüne und FDP stimmten dafür. Auch eine notwendige Änderung des Flächennutzugsplans wurde – trotz kurzfristiger redaktioneller Änderungen – mit breiter Mehrheit beschlossen.

VON NORMAN KÖRTGE

Quelle: op-online.de

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